Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Büchernörgele: Robert Corvus – Rotes Gold (Die Schwertfeuer-Saga Band 1)

Musik: Die Streuner – Söldnerschwein

Einer meiner Vorsätze für 2016 bestand darin, mehr deutsche Autoren zu lesen, und ich finde, ich habe mich bisher ganz gut geschlagen. Und als ich dann Phileasson 1 las und eine Menge Spaß mit dem Buch hatte, beschloss ich, mal herauszufinden, was die beiden Autoren Solo so drauf haben. Was Bernhard Hennen betrifft muss ich gestehen, dass ich vor vielen Jahren die Elfen mal angelesen, aber dann abgebrochen habe, weshalb ich für meinen Test dann auch ein Buch ausgewählt habe, das mit beziehungsneurotischen Elfen nichts zu tun hat (Testergebnis folgt). Robert Corvus hingegen war für mich bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Aus dem Netz wusste ich, dass er eher düstere Fantasy schreibt. Da ich Andrzej Sapkowski, George R. R. Martin, Scott Lynch und Jim Butcher mit großer Begeisterung verschlungen und sowieso ein Faible für Hard Boiled-Geschichten habe, klang das schon mal gut. Als Testobjekt habe ich mir ‚Rotes Gold‘ besorgt, der derzeit aktuellste Roman.

Worum geht es?

Der Klingenrausch aus der Dämonen huldigenden Stadt Rorgator ist eine der berühmt-berüchtigtsten-Södnereinheiten der Welt. Als ihr Anführer Kester bei der Eroberung der Stadt Abidia einem Heckenschützen zum Opfer fällt, droht die Eliteeinheit zu zerfallen und nur dem Einfallsreichtum von Kesters Tochter Eivora und einem neuen Auftrag ist es zu verdanken, dass es vorläufig nicht soweit kommt. Der Klingenrausch soll einen machtgierigen König dabei unterstützen, die als uneinnehmbar geltende Stadt Ygôda zu erobern. Eivoras ganzer Einfallsreichtum ist gefragt, sich selbst als plötzliche Anführerin der schlachtentscheidenden Untereinheit zu beweisen, den Auftrag zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und herauszufinden, wer innerhalb des Klingenrauschs Ränke gegen wen schmiedet…

Wer hat es geschrieben?

Robert Corvus, Autor mit (ich erwähnte es bereits) gutem Musikgeschmack (ich freue mich immer, wenn noch jemand The Vision Bleak kennt und mag, und er hat sogar das gleiche Bandshirt wie ich) und einem sehr sehenswerten Videoblog, in dem er über sein Leben als Schriftsteller, Schreibtheorie und die Hintergründe der Buchbranche plaudert, oder mit einer Kamera über Conventions läuft und alles interviewt was nicht rechtzeitig geflohen ist.

Wie sieht das aus?

Zuerst erinnerte mich das Cover an eine Kopie von Saurons Helm aus den Herr der Ringe-Verfilmungen, doch nach Lektüre des Buchs ergibt das Motiv eindeutig einen Sinn.

rotesgold

Und wie fand ich das nun?

Ich habe ‚Rotes Gold‘ im Regionalzug von Göttingen nach Kassel angefangen zu lesen und habe nach zwei Seiten den lautstarken radwandernden Kegelclub einen Vierersitz weiter erfolgreich mental ausblenden können. Das spricht bei meinem leicht zu Reizüberflutung neigenden Ich schon mal eindeutig für ein Buch.

‚Rotes Gold‘ ist kein Buch für zartbesaitete Leserinnen und Leser. Es ist dreckig, brutal, fies und gemein. Und das ist gut so. Es zeigt, dass auch die Leute, die oft genug Antagonisten rechtschaffener, guter(TM) Helden sind, eigentlich nur ganz normale Leute mit ganz alltäglichen Sorgen und Nöten sind, auch wenn sie Feuerdämonen verehren. Ein interessanter Aspekt sind die jede Söldnereinheit begleitenden Avatare der Dämonen, eine Symbiose aus einem Menschen und einem dämonischen Homunculus, und das titelgebende magische Schwertfeuer, das sie entfachen können, quasi die virtuell zum Leben erweckte Schlachtfeldkarte der Fantasy. Der Avatar des Klingenrauschs, Chastro-Ignuto, ist jemand, den man als Leser gleichzeitig sowohl aufgrund seines notorischen Sadismus hassen als auch irgendwie bedauern kann, weil er damals so dumm war, sich auf diesen Pakt einzulassen, den er mittlerweile in den wenigen Momenten, in denen sein dämonischer Symbiont schläft, zutiefst bereut. Aber die Existenz als Avatar bedeutet Macht. Eine Macht, die auch eigentlich zutiefst rechtschaffene Personen anlockt, die mehr als genug Leid und Verzweiflung gesehen haben und nach einer Möglichkeit suchen, diesem endlich ein Ende zu bereiten.

Eivora als Hauptfigur ist eine interessante Protagonistin. Mit weiblichen Figuren tue ich mich oft schwer (die Gründe würden genug Stoff für einen eigenen Blogpost bieten). Aber Robert Corvus ist es mit Eivora gelungen, diverse gängige Klischees zu umschiffen. Sie hat ihre Stärken, ist aber keineswegs unfehlbar und auch nicht vollbusig und supersexy, aber trotzdem von allen gemobbt und so weiter. Außerdem hatte sie mal ein echtes Hobby, das nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hatte. Und als ihr ein Mann begegnet der sie interessiert, ergreift sie die Initiative, schmachtet nicht ewig passiv in der Gegend rum und gibt auch anschließend nicht ihr Hirn an der Garderobe ab (was viel zu viele ach so kämpferische Protagonistinnen in Romanen, sobald sie ihrem evil bad boy Traummacker begegnet sind, leider tun…). Die daraus resultierende Sexszene kam zwar nicht an das kreative Meisterstück aus aus Andrzej Sapkowskis ‚Die Dame vom See‘ ran, war aber trotzdem mal was anderes als der übliche Quotensex.

Die im Buch enthaltene Karte zum Schauplatz Ygôda ist schön gezeichnet und half sehr dabei, die Situation anschaulich zu machen.  Was ich allerdings etwas vermisst habe, sind eine Weltkarte und eine genauere Weltenbeschreibung. So bleibt leider unklar, wo Rorgator, Ygôda und Abidia im Verhältnis zueinander liegen und wie die allgemeine Beschaffenheit der Welt aussieht, auf die scheinbar sowohl Götter als auch Dämonen Einfluss haben.

Der Schreibstil ist der rauen Welt der Söldner angemessen eher nüchtern, sachlich und präzise, große sprachliche Schnörkel sucht man vergebens. Manche Situationen und allgemein die Beschreibung der Stadt Ygôda kamen mir als Liebhaberin ausführlicher Beschreibungen allerdings etwas zu kurz.

Und an einer Stelle muss die Diplom-Geowissenschaftlerin in mir doch mal klugscheißen. Im Glossar wird Lava als Gestein beschrieben, was umgangssprachlich auch gerne mal so genannt wird. Nach der geologischen Definition bezeichnet Lava jedoch flüssiges Gestein, das an die Oberfläche getreten ist (im Gegensatz zu Magma, wie die gleiche Sache genannt wird, solange sie noch nicht an die Erdoberfläche gekommen ist). Das im Buch beschriebene Gestein heißt korrekt Basalt (zumindest gehe ich davon aus, dass es Basalt ist, wenn das Ursprungsmaterial eher dünnflüssig ist) und nicht Lava. Ja, was geologische Terminologie betrifft, bin ich immer sehr erbsenzählerisch, zu irgendwas muss mein Studium ja gut sein. (Immer wenn ich zum Beispiel den Schicksalsberg in den Herr der Ringe-Verfilmungen sehe, habe ich auch das dringende Bedürfnis, mit dem Kopf die Tischkante zu bearbeiten. Bei derartig flüssiger Lava entsteht nie und nimmer ein so steiler Vulkan. Aber im Kino hätte es vermutlich wesentlich weniger spektakulär ausgesehen, wenn Frodo und Sam gemütlich die sanften Hänge eines Schildvulkans hochgelatscht wären.)

Insgesamt ist ‚Rotes Gold‘ ein schönes Buch, wenn man auch mit der dreckigen, düsteren Seite der Fantasy etwas anfangen kann. Außerdem gefällt mir das Konzept des Schwertfeuer-Zyklus, aufeinanderfolgende aber in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. Ich bin gespannt, wie es mit Eivora und dem Klingenrausch in der Fortsetzung ‚Weißes Gold‘, die Anfang 2017 erscheinen wird, weitergeht. Robert Corvus hat den Solo-Lesetest definitiv bestanden. Und wie ich herausgefunden habe, hat er auch ein paar völlig in sich abgeschlossene Bücher geschrieben. Lieber Ex-Mitbewohner, falls du das liest, deine jährliche Geburtstagsgeschenkchallenge (Ich wünsche mir einen in sich abgeschlossenen Fantasyroman) wurde hiermit sehr viel einfacher!

Festivalbändchenbanner

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Haken an der Sache

Alle Festivalgängerinnen und -gänger kennen es – Das Festivalbändchen. Manche Leute sammeln sie über Jahre am Arm, ich habe die Bändchen der Saison immer bis zum Wachetreffen getragen und dann abgeschnitten. Aber was macht man dann damit? Zum Wegwerfen fand ich sie immer einfach zu schade, deshalb habe ich sie in einer Schublade meiner Schreibtischkommode gesammelt, bis mir schließlich die zündende Idee kam, wie ich sie angemessen zur Schau stellen kann. Hiermit präsentiere ich: Das Festivalbändchenbanner!

festivalbanner

Die Grundlage ist aus schwarzer Ditte, in Form geschnitten, gesäumt und oben mit einem Durchzug für den Stab versehen. Wieder ein reines Vorratsprojekt, selbst die Stange ist noch ein Rest vom Adventskalender für das Patenkind. Ich habe absichtlich unten noch viel Platz gelassen, für zukünftige Festivals. Das Banner repräsentiert auch längst nicht alle Festivals auf denen ich je gewesen bin, doch vor allem auf kleineren Veranstaltungen gab es oft nur ein Papierarmband. Dennoch, ein schönes Souvenir von mittlerweile 13 Jahren Rock’n’Roll auf diversen Äckern.

Was macht ihr eigentlich mit euren Bändchen?

Metal im Zeichen des Oktopus

Musik: Slayer – Dead skin mask

Alles begann damit, dass der beste Manowar-Fan und ich so um das letzte Silvester herum beschlossen, dass wir 2016 unbedingt auf ein Sabaton-Konzert müssen. Und da ich die besten Freunde der Welt habe, bekam ich zum Geburtstag von allen zusammen ein Ticket für das Elb-Riot, wo unter anderem auch besagte Band spielte.

ElbRiot

Und so machten der beste Manowar-Fan der Welt, der Tilmensch, Bran und ich uns im Wohnmobil nach einem Zwischenstop beim Media Markt zwecks Erwerb der neuesten Sabaton-CD auf nach Hamburg. Unterwegs der erste Schock: Die CD sprang und spielte manche Lieder gar nicht erst ab! Frust machte sich breit, bis wir es schließlich mit der wissenschaftlichen Methode versuchten – Spielt der Player denn andere CDs ab? Dies war nicht der Fall, weshalb Sabaton nun wirklich keine Schuld traf. Dank einiger Baustellen und einem richtungsverwirrten Navi, das uns zwischen zeitlich zurück nach Göttingen lotsen wollten, trafen wir nach viereinhalb Stunden Fahrt auf unserem idyllisch am Elbdeich gelegenen Campingplatz ein. Um nicht von den Hamburger Öffis abhängig zu sein, hatten wir unsere Fahrräder mit eingepackt, die wir nur noch schnell abluden und uns dann sofort auf die 13 Kilometer lange Randtour zum Gelände machten. Schließlich wollten wir Powerwolf nicht verpassen. Für jemanden wie mich, die Sport als etwas betrachtet was anderen Leuten zustößt, war die Fahrt schon eine mittlere Sporteinheit, aber so lernte man mal den Elbdeich und das Industriegebiet kennen. Andererseits erweckte die Strecke, auf der die höchsten Erhebungen der Deich und die Brücken waren, alte Bremer Heimatgefühle. Nach einer guten Dreiviertelstunde Fahrt erreichten wir das Festivalgelände am Hamburger Großmarkt und die im Internet versprochene Fahrradgarage hielt auch, was sie versprach. Bei der Bändchenausgabe ging auch alles sehr zügig und so konnten wir noch ohne Eile die lange, lange Strecke vom Einlass zur Bühne entlangschlendern. Der Veranstalter war findig genug, auf halber Strecke die erste Bierbude aufzubauen, die auch sofort für die Mitnahme eines Wegbiers genutzt wurde. Das hatten wir uns redlich erradelt.

Ich war sofort von der Bühnendeko begeistert. Oktopusse! Damit kriegt man mich ja immer. Powerwolf lieferten wie immer eine klasse Show, nur dass ihr Auftritt im noch hellen Tageslicht nicht ganz so die epische Priesterkutten-Corpsepaint-Wirkung hatte wie sonst. Manche Bands funktionieren live einfach besser in stilechter Finsternis. Nichtsdestotrotz hatten wir eine Menge Spaß und nachdem sie mich auf dem RockHarz schmählich im Stich gelassen hatten, kam nun auch der Rest der Gang mal in den Genuss der Leistungswölfe. Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann auch Sabaton die Bühne und nahmen das Festival auseinander. Zugegeben, die drei großen Bier auf nüchternem Magen mögen auch eine Rolle gespielt haben, aber so geflasht war ich schon lange nicht mehr auf einem Konzert. Wir kamen nun trotz des spinnenden CD-Players doch noch in den Genuss einiger Lieder des neuen Albums und als sie ‚Gott mit uns‘ als ‚Noch ein Bier – as we all drink united‘ spielten, konnten der Tilmensch und ich es nicht mehr lassen und mussten unseren traditionellen Discofox tanzen. Erstaunlicherweise fanden wir auch gleich mehrere Nachahmer. Der Wunsch nach alternativer Tanzmusik scheint verbreiter zu sein als wir ahnten. Nach Sabaton gönnten wir uns noch einen dänischen Hot Dog und radelten dann gemütlich wieder heim zur Homebase alias Wohnmobil.

Zum Luxus des Campingplatzes gehörte auch ein Brötchenbestell-Service, sodass wir den Tag dekadent mit Brötchen beginnen konnten. Da Faulenzen hoch im Kurs stand, wurde es auf dem Weg zum Festivalgelände, wo wir und Fear Factory als erste Band des Tages anschauen wollten, etwas hektisch, und dank eines sehr gut versteckten Geldautomaten und einigen versemmelten Sinnenschärfe-Proben um ihn zu finden verpassten wir leider doch die ersten Lieder. Der Rest des Konzerts war aber sehr gut und kurz darauf stießen auch Isol und ihr Freund zu uns. Mein Versuch, ein Festivalshirt zu erwerben (Oktopus!!!!!) verlief leider ins Leere, weshalb ich mich an die Futterstände hielt. Nach Fear Factory kamen At The Gates mit einer Runde ordentlichem Geknüppel und Paradise Lost mit einer Dosis Gothic Metal. Mit Asking Alexandria wurden wir allerdings alle nicht so wirklich warm. Es klang irgendwie, als könnten sie sich nciht entscheiden, ob sie wie Linkin Park, In Flames oder Machine Head klingen wollten, und es kam auch im Publikum keine richtige Stimmung auf. Danach legten Carcass aber wieder ein ordentliches Brett hin und auch Mastodon waren ganz nett. Zwar fehlte für meinen Geschmack das gewisse Etwas, aber als Hintergrundbeschallung konnte man es gut hören. Zwischendurch drohte mal eine Gewitterfront, die sich aber angesichts des Headliners wieder auflöste. Selbst Gewitter haben Angst vor Slayer! Tom Araya quatscht nicht viel herum, stattdessen gab es eineinviertel Stunden musikalisch auf die Fresse. Ein sehr gelungener Abschluss des Festivals.

Die Heimfahrt am Sonntag führte mitten durch die Reste des Schulferienrückreiseverkehrs, woraufhin das Navi uns einige Ausweichrouten vorschlug. Eine führte direkt an einem Militärgelände vorbei, was angesichts eines Verkehrswegs nur für Militärfahrzeuge folgende Frage aufwarf: Wenn wir laut genug Sabaton hören, geht das Wohnmobil als Panzer durch?

Insgesamt war es mal wieder ein tolles Wochenende mit meinen Freunden und Sabaton haben für 2017 schon eine Tour angekündigt. Mal schauen.

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Himmelsturm

Musik: Savatage – The Dungeons are calling oder Rhapsody of Fire – Bloody Red Dungeons. Sucht es euch aus oder hört einfach beides.

Worum geht es? Ein sehr bekannter britischer Fantasyautor schrieb mal sinngemäß: „Wenn sich irgendwo ein großer einladender Hebel befindet, über dem ein Schild mit der Aufschrift ‚Wer diesen Hebel zieht, wird das Ende der Welt auslösen‘ hängt – Wie lange dauert es wohl, bis jemand diesen Hebel betätigt? Antwort: Die Farbe auf dem Schild hätte keine Zeit, zu trocknen…“

Nun stelle man sich einen Dungeon mitten im ewigen Eis vor. In einem Raum in der Nähe des Eingangs hängt ein großer, einladend wirkender Gong. Was wird höchstwahrscheinlich mindestens einer der lieben Spieler mal ausprobieren? Genau. Willkommen im Himmelsturm, dem wohl berühmt-berüchtigtsten Dungeon Aventuriens, der vermutlich mehr Spielleiter in den Wahnsinn getrieben hat als der gesammelte Kreaturenzoo von H. P. Lovecraft.

Zu diesem Dungeon zieht es nun die beiden um den Titel ‚König der Meere‘ streitenden Drachenschiffkapitäne Asleif ‚Foggwulf‘ Phileasson und Beorn ‚Der Blender‘ Asgrimmson, denn sein Geheimnis zu erkunden ist die zweite Aufgabe, die sie zur Erlangung des Titels lösen müssen. Was werden sie in den eisigen Tiefen des Turms, um den sich zahlreiche schaurige Legenden ranken, vorfinden?

Wer hat’s geschrieben? Die gleichen Verdächtigen die auch den Vorgängerband geschrieben haben, namentlich Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Und wie sieht das aus? Sehr hübsch hellblau, auch wenn das Coverbild nicht dem wahren Aussehen des Himmelsturms entspricht. Sehr begeistert haben mich mit meinem Oktopusfimmel die Vignetten zum jeweiligen Kapitelbeginn: Ein thorwalsches Ornament, aus dem sich Tentakel winden. Da muss ich Robert Corvus recht geben: Alles ist besser mit Tentakeln, weshalb auch noch ein wenig Deko mit aufs Foto musste und ich mich mal dilettantisch in schicker Hipster-Blogfotografie versucht habe.

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Und wie fand ich das nun? Wie schon der Vorgängerband ‚Nordwärts‘ beginnt ‚Himmelsturm‘ mit einem ca. 80seitigen Prolog, der sich dieses Mal mit dem Magier Abdul el Mazar beschäftigt und wie es dazu kam, dass er in die ziemlich haarige Situation geriet, in der die Helden später auf ihn treffen. Für mich war es die erste richtige Begegnung mit Abdul, weil ich ihn aus verschiedenen Gründen aus meiner Version der Saga gestrichen hatte, und er war mir auf Anhieb sympathisch. Insgesamt hat mir dieser äußerst spannende Prolog wesentlich besser gefallen als der des ersten Bandes, auch wenn ich mit selbigem mittlerweile aus Spielleitersicht auch meinen Frieden geschlossen habe, denn mit etwas Arbeit ließe sich daraus letztendlich ein schönes Detektiv-Einstiegsabenteuer für die Saga stricken.

Dann ging es los mit dem epischen Dungeoncrawl, der einem auch Beorns Mannschaft wesentlich näher gebracht hat. Blieben sie im ersten Band größtenteils eindimensional und blass, konnten sie hier auch mal zeigen, was abseits von der Gier nach Beute charakterlich in ihnen steckt und auch Beorn selbst kommt nicht mehr als völlig kaltherzig und skrupellos rüber. Es scheint zudem, dass er genau die Traviageweihte bekommen hat, die zu ihm passt. Jetzt, wo man sie endlich mal näher kennenlernt, entpuppt sich Lenya als sehr interessante Figur, die heimliche Sympathien für eine andere, gnadenlosere Gottheit hegt. Auch der finstere Elf Galayne ist in seiner Undurchschaubarkeit sehr faszinierend und man fragt sich immer wieder, was wohl sein heimlicher Plan sein mag. Denn dass er mehr über den Himmelsturm weiß, als er den anderen gegenüber zugibt, ist von Anfang an klar wie Kloßbrühe. Sehr lachen musste ich, als Beorn Asleif abfällig einen Kartenzeichner nannte, das ist nämlich genau die Formulierung, mit der wir Geologen uns gerne mal über die Geographen lustig machen. Dennoch, wäre Beorns Mannschaft eine Rollenspielgruppe, wäre es größtenteils die Fraktion der Loot- und Erfahrungspunktejäger, während sich die Charakterspieler eher um Phileasson gesammelt haben.

Während Beorns Truppe sich also mit Gewalt daran machte, dem Himmelsturm sein Geheimnis zu entreißen, gingen Phileasson und seine Mannschaft mit echtem Forscherdrang vor und besonders die Erstkontakt-Szene mit den Bewohnern des Turms hat mich stark an Star Trek erinnert. Die gewonnenen Erkenntnisse und gemeinsam durchgestandenen Gefahren führten dazu, dass sich die Figuren teils deutlich weiterentwickelt haben. So hat der Magier Tylstyr endlich sein ‚ich bin eh unfähig‘-Mimimi abgelegt, Shaya entdeckt ihre kämpferische Seite, und was mit dem Elfen Salarin geschah – Sagen wir es so, ich habe nun einen gewissen Verdacht, welches Schicksal ihm im Laufe der Saga zuteil werden wird. Leider kam Ohm Follker in diesem Band etwas zu kurz, ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Bänden wieder. Und Irulla hat hat ihre Ankündigung wahr gemacht, sogar im Himmelsturm eine Spinne zu finden.

Sehr schön fand ich, dass Asleif auch nicht immer lieb und nett spielt, sondern, wenn die Situation es erfordert, genauso skrupellos vorgehen kann wie Beorn. Das hat der Figur sehr gut getan und mein inneres Fangirl sehr gefreut. Ein gewisses schurkisches Potential braucht eine Figur nun mal, um bei mir zu punkten, und sein wir mal ehrlich: Es gibt mindestens ein Reich Aventuriens, für das der große Entdecker Asleif Phileasson auch nur ein glorifizierter Pirat ist, und so ganz unrecht haben sie damit objektiv betrachtet nicht.

Insgesamt hat mir ‚Himmelsturm‘ sehr gut gefallen, die Luft nach oben, die bei ‚Nordwärts‘ noch drin war, wurde gut ausgenutzt. Lediglich die letzte Szene vor dem Epilog hat für mich nicht so funktioniert. Erst wird eine ziemlich spektakuläre Bedrohung aufgebaut, die dann schnell mit einem im wahrsten Sinne des Wortes Deus Ex Machina beseitigt wird und dann werden noch schnell ein paar Dinge angerissen und das war’s. Die Szene wirkte auf mich etwas unfertig, da wäre noch mehr drin gewesen. Aber trotzdem: Daumen hoch!

Und was war nun mit dem Gong? Nun, der Roman zeigt noch eine dritte Möglichkeit auf, was passieren könnte, die besonders die eher sadistisch veranlagten Spielleiter erfreuen dürfte. Hmmm… *streicht sich über den imaginären Ziegenbart*

 

 

*** SPOILER ***

Und wieder mal haben mich viele Szenen so an meine Spielrunde erinnert. Besonders Phileassons spektakulärer, eleganter, Matrix-würdiger (zu irgendwas muss eine Gewandtheit von 15 ja gut sein) Chimären One-Hit-Kill und sein anschließender Kommentar, dass das ja nicht immer so einfach wäre, hat mich zum Grinsen gebracht. So fing das ganze Elend bei meiner Gruppe nämlich an: Die Zwergenkriegerin erledigte die Chimäre im Labor mit einem einzigen wohlgezielten Hammerschlag, woraufhin alle einschließlich mir (die sich eigentlich einen spannenden Kampf erhofft hatte) der Meinung waren, so schwer seien die Viecher ja nicht umzuhauen, und der Endkampf in den Hallen des Feuers die Gruppe dann ziemlich zerlegte, weil sie auf einmal nur noch Grütze würfelten (inklusive des berühmten schweren Eigentreffers beim Backstabbing). Aber darauf, das Aquarium zu zertrümmern um die Verfolger aufzuhalten, ist meine Gruppe auch gekommen, was ihnen in ihrem Zustand definitiv den Hintern gerettet hat. Natürlich hatte auch einer meiner Spieler etwas aus dem Grab im Eis mitgehen lassen, weshalb er dann auch Besuch von der für alle anderen unsichtbaren Raubkatze erhielt. Im Gegensatz zu Hallar hat er es sogar überlebt. Vhascals Aktion unten in der Halle des Feuers war ja mal ein Paradebeispiel für saudumme Dinge die ein neugieriger Charakter tun würde wenn er seine Neugier-Probe spektakulär verpatzt hat, weshalb ich mich köstlich darüber amüsiert habe. Ich überlege ja ernsthaft, die altehrwürdige thorwalsche Tradition des Spießrutenlaufens in einen hypothetischen nächsten Kampagnendurchgang einzubauen, einfach um die Spieler von dem allergröbsten Dummfug abzuschrecken.

Und ich denke, nun ist wohl klar, wie die Phrase ‚Missgünstige Elfen‘ zustande kam. Nach dem Kampf gegen Kayil’yanka und ihre Truppe meinte einer der Spielercharaktere ‚Die waren ja ganz schön missgünstig, diese Elfen‘ und irgendwie blieb das bis heute hängen.

Jetzt heißt es warten auf  Band 3. Die Geschichte, wie das Abspielen des Benny Hill-Themes in gewissen Situationen in meiner Spielrunde zur Tradition wurde und warum ich nur das Wort ‚Karen‘ aussprechen muss um kollektives Aufstöhnen zu ernten.

Mal wieder ein paar Sechsecke

Musik: Amanda Palmer – Ukulele Anthem

Es wird mal wieder Zeit, die Sechseck-Ausbeute der letzten anderthalb Monate zu zeigen. Und ich habe nun endlich einen Plan, wie die fertige Decke mal aussehen soll. Die ausgekreuzten schwarzen Sechsecke sind schon erfolgreich bestickt. Ich habe also noch eine Menge Arbeit vor mir.

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Als Tauschobjekt für den ersten Schwung Häkelornamente habe ich zwei Sechsecke von Isol bekommen. Einmal eine Erinnerung an unser gemeinsames Studium der Geowissenschaften und zum zweiten das wohl bissigste Gepäckstück der Galaxis, bekannt aus den Scheibenwelt-Romanen des großen Terry Pratchett. Ist sie nicht schön geworden?

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Dann habe ich mich mal wieder in Seriengefilde gewagt. Links das Planet Express-Logo aus Futurama, rechts Babylon 5, die Science Fiction-Serie mit dem für ihre Zeit ausgeklügeltsten Plot und zahlreichen Tolkien-Eastereggs.

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Da ich viele Jahre (insgesamt 10 mal) nach Wacken gefahren bin, musste das natürlich auch auf der Decke verewigt werden. Rechts sind einige Motive aus der Belgariad-Saga von David Eddings zu sehen: Belgarath in Wolfsform, Polgara in Eulenform und der Orb of Aldur.

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Links Skyrim. Mittlerweile bin ich bei etwa 600 Stunden Spielzeit und beim zweiten Charakter und fest entschlossen, mal Stufe 80 zu knacken. Rechts ‚Lycidas‘ von Christoph Marzi, für mich immer noch mit das Beste das die deutschsprachige Fantasy je hervorgebracht hat. Wittgenstein ist eine meiner absoluten Lieblingsfiguren aller Zeiten und ‚Fragen Sie nicht‘ eine seiner Catchphrases.

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Hier geht projekttechnisch gerade mal wieder alles wild durcheinander, weil sich ganz spontan noch ein Großprojekt mit Deadline Mitte Oktober eingeschlichen hat. Aber dazu mehr in einem eigenen Post. Ich sage nur so viel: Ich werde Gitarre spielen. Rette sich wer kann.

 

Ihr seid gut, ihr trefft Töne!

Musik: Satyricon – K.I.N.G.

Meine Freunde und ich haben uns mal wieder für vier Tage Dreck, Dixis und Dosenbier von der Zivilisation verabschiedet. Mit anderen Worten: Es war RockHarz und wir mittendrin.

Mittwoch

Mittlerweile haben wir den absoluten Gipfel der Festivaldekadenz erreicht, da sich der beste Manowar-Fan der Welt ein Wohnmobil zugelegt hat. Mit diesem Riesengeschoss machten der Tilmensch, Bran und ich uns am Mittwoch Mittag als Vorhut auf den Weg, um schon mal den Zeltplatz-Claim abzustecken. Unter Zuhilfenahme aller Beteiligten (Kommt was von rechts?) schafften wir es unfallfrei aufd Festivalgelände und hatten das große Glück, gerade in die Eröffung eines neuen Zeltplatzabschnitts hineinzurutschen, sodass wir unser Lager ganz entspannt mit reichlich Platz in der Mitte aufschlagen konnten. Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo das große Quetschen angesagt war. Da wir ohne Stau durchgekommen waren, blieb noch genug Zeit, im Camp zu chillen, die ersten Bierdosen zu knacken und sich der handgemachten Musik zu widmen. Vor anderthalb Wochen habe ich nämlich meine Gitarre mal wieder aus dem Keller ausgegraben und mir die Akkorde zu Empire of the Clouds von Maiden aus dem Netz gesucht. Und so schrubbten der Tilmensch auf der Ukulele und ich auf der Klampfe fröhlich vor uns hin, während sich um uns herum der Zeltplatz langsam füllte. Ich hatte schon vergessen, wie viel Spaß Gitarre spielen eigentlich macht. Man muss nicht gut sein, sondern einfach machen, dazu grölen und die Nachbarn verschrecken. Und Punk-Klassiker wie ‚Bullenwagen klaun und die Innenstadt demoliern‘ lassen sich ein einer Minute lernen. Gegen Abend stand dann mit JBO das erste Konzert an. Irgendwie zündeten sie bei mir nicht so ganz (vermutlich war ich noch zu nüchtern), aber es gab es rosa Wasserbälle, die auf das Publikum herabregneten, und von denen wir uns einige unter den Nagel rissen mit dem Plan, sie beim Konzert der finstersten Black Metal-Band des Festivals wieder ins Publikum zu werfen. Und als Outro schossen sie das Deep Space Nine-Thema in voller Lautstärke durch die Boxen, was schon definitiv episch war. Danach ließen wir den Abend ruhig mit Nudeln vom Wohnmobil-Gasherd ausklingen. Als ich dann im Zelt lag, konnte ich trotz Ohrenstöpseln hören, dass es in einem der Nachbarcamps auch einen Gitarrenspieler gab, der sich mit fortschreitender Zeit und fortschreitendem Getränkepegel in immer seltsamere Trinklieder verstrickte. Ich war kurzzeitig versucht, noch mal aus dem Schlafsack zu krabbeln und ihm Empire of the Clouds in die Hand zu drücken.

Donnerstag

Der Donnerstagmorgen begann um Punkt acht Uhr mit den Idioten von zwei Camps weiter, die lautstark ‚Guten Morgen, Sonnenschein!‘ über den Zeltplatz schallen ließen. Aargh! Ich habe ja absolut nichts dagegen, wenn die Leute bis spät nachts auf dem Campingplatz feiern, das gehört zu nem Festival dazu, aber Leute die früh morgens lautstark krampfhaft gute Laune verbreiten wollen, gehören in einem finsteren mitternächtlichen Ritual zu den Klängen von Immortal notgeschlachtet. Nach dem unsanften Wecken war erstmal Faulenzen, Lesen und weiteres Musik machen angesagt, bis wir um halb vier unsere Freundin Nici samt Ukulele Nummer 2 mit einer Dose eisgekühltem Bier vom Bus abholten. Danach ging es gemütlich weiter, bis wir uns zur ersten Band des Tages aufmachten, die wir sehen wollten – Gamma Ray. Die lieferten ein ordentliches Brett ab. ASP musste ich nicht unbedingt sehen, deshalb ging ich zurück zum Camp, Biernachschub holen, und beobachtete mit einem Auge das EM-Halbfinale Deutschland-Frankreich. Nach dem 0:2 war klar, dass das nichts mehr wird – Da waren Saxon eindeutig die verlockendere Alternative. Faszinierend, wie Biff gesanglich immer noch abgeht, obwohl er noch mal 7 Jahre älter ist als The Bruce. Und was das Thema Haare angeht hat er mit seiner schneeweißen Mähne sowieso haushoch gewonnen. Tolles Konzert, obwohl sie mein Lieblingslied von ihnen dieses Mal leider nicht gespielt haben. Auf dem Heimweg machten wir uns noch potentiell unbeliebt, weil wir ohne Rücksicht auf trauernde Fußballfans lautstark ‚Bier gegen Bullen und Deutschland‘ sangen. Dann wollten die anderen auch schon ins Bett, aber ich war noch nicht müde, weshalb ich noch bei unseren Nachbarn (nicht den Idioten) vorbei schaute und bei ihnen weiterfeierte. Sie hatten eine wirklich gute Musikauswahl auf ihrem Rechner und wir haben uns im Laufe der Tage so manches Mal gewünscht, dass den anderen Gruppen um uns herum ihre Anlagen um die Ohren fliegen. Warum stundenlang Kirmestechno ertragen müssen, wenn man auch Maiden hören könnte?

Freitag

Mein Gebet an die Götter Asgards wurde erhört: Der Morgen begann nicht mit schlechter Beschallung, sondern immerhin nur mit dem langsamen Erhitzen des Zelts durch die Sonne und dem anschließenden üblichen Tagesprogramm. Als erste Band des Tages stand Coppelius auf dem Programm. Wie immer sehr gut, auch wenn sie dieses Jahr nur ein Maiden-Cover gespielt haben. Dafür gab es die Wall of Friendliness. Das Publikum teilt sich in der Mitte, geht dann langsam aufeinander zu und wenn man sich in der Mitte trifft, gibt man sich die Hand und sagt etwas Nettes. Sehr stilvoll. Dann tauchte auch der Tilmensch mit dem besten Manowar-Fan der Welt im Schlepptau auf und wir waren endlich komplett. Zurück beim Zelt wurde erstmal ausgeibig gegrillt, während am Himmel dunkle Wolken aufzogen und wir schon Schlimmes befürchteten, aber bis auf einen kurzen Angstschauer kamen wir davon. Für Erheiterung sorgte auch einer der Idioten von zwei Camps weiter, der plötzlich in einem neongelben Mankini auf dem Dach seines Autos herumsprang. Festivals scheinen irgendwie das innere Kind im Menschen rauszulassen. Es gab wieder die üblichen kreativen Basteleien aus leeren Bierdosen, Gaffatape und sonstigem Gerümpel und auch ein paar andere nette Aktionen jenseits von dämlichen ‚Titten raus‘-Schildern. Eine Gruppe hatte ein Wörterbuch auf einem Tisch ausgelegt und mit einem Schild dazu aufgefordert, ihnen einen Begriff daraus vorzulesen, andere Leute hatten sich aus Pappkartons spontan Roboterkostüme gebastelt und liefen damit übers Gelände. Nächster Halt: Satyricon. Angemessen düster um die rosa Wasserbälle zum Einsatz kommen zu lassen. Ja, wir unverbesserlichen Trolle. Anschließend gingen der beste Manowar-Fan und ich eine Runde die Merchandise-Stände abchecken und deckten uns mit Sabaton-Patches ein. Saltatio Mortis schenkte ich mir, um dann mit einem neuen Bier wieder pünktlich zu Beginn der Rocky Horror Tobi Show alias Avantasia einzutreffen. Ich bekam, wofür ich gekommen war – 2 Stunden erstklassigen kitschtriefenden Power Metal und das übliche Gequatsche vom Tobi, der auch dieses Mal wieder für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgte. Glücklich kippte ich ins Zelt.

Samstag

Same Procedure as every Morning, wobei diverse Skalen erfunden wurden. Sonnencremedicke von eins bis Corpsepaint. Verschmiertes Augen-Make-Up von eins bis Satyricon. Und schlechter Sex von… nun ja, lassen wir das. Zwischendurch fand ich sogar noch Zeit, meinen neu erworbenen Sabaton-Patch auf die Kutte zu nähen, wo er nun thematisch passend neben dem Maiden-Patch mit Machine Gun-Eddie wohnen darf. Musikalisch begann der Tag mit Gloryhammer, der Zweitband von Alestorm. Die Power Metal-Band die noch kitschiger ist als Avantasia und das mit voller Absicht. Ob Posing mit einem Streithammer, lustige Fellstiefel oder epische Mitsingchöre – läuft. Danach begann mein persönliches Sportprogramm – Erst Finntroll und direkt danach Ensiferum. Ich war hinterher sowas von im Arsch, weshalb im Wohnmobil erstmal Speed-Nudeln mit Soße a la ‚Veggiebolognese + Pizzatomaten + alles was wir sonst noch so an Gemüse im Wohnmobil finden und was weg muss + Chiliflocken‘ gekocht wurden und wir pappsatt zurück zu Children of Bodom rollten, deren fettes Brett fleißig beim Verdauen half. Während Subway to Sally spielten, füllte ich meinen Bierbecher noch mal auf und begab mich zu meinem persönlichen Favoriten des Festivals: Powerwolf. Was soll man dazu noch sagen. Ein Haufen als Priester verkleidete Leute mit Corpsepaint, die abgefahrenen Power Metal mit leichtem Gothic-Einschlag spielen, mit einem rumänischen Opernsänger als Frontmann. Letzterer steckt stimmlich so ziemlich alles in die Tasche – gelernt ist halt gelernt. Ein rundrum geniales Konzert, von der Circle Pit rückwärts über das Reenacten des isländischen Fußballschlachtrufs (Huh!) bis zum Kommentar des Sängers über unsere Mitsingkünste: ‚Ihr seid gut, ihr trefft Töne!‘ Immer noch total geflasht latschte ich mal wieder zurück zum Zelt und wägte meine Optionen ab. Ich könnte jetzt schlafen gehen. Aber ich habe noch genau eine Dose Bier und nachher spielen noch Versengold, von denen ich immerhin zwei Lieder mitsingreif kenne. Am Ende wurden es Bier und Versengold und ich war wirklich positiv überrascht von der Band. Auf CD klingen sie teilweise eher lahm, aber live gingen sie ordentlich ab. Man stelle sich eine Mischung aus Fiddler’s Green und einer besseren Version von Schandmaul vor. Ein schöner Abschluss des Festivals.

Am Sonntag folgten das übliche Abbauen und das mittlerweile traditionelle Looten des Campingplatzes. Für mich sprang eine neue Klappkiste dabei heraus und unseren Auftrag nach roter und grüner Pavillonplane für einen neuen Schattenweber-Merchpavillon konnten wir auch erfüllen.

Nächster Halt Mitte August: Elb-Riot. Mit Sabaton. Und Slayer. Und noch mal Powerwolf. \m/

Rosa Armee Fraktion

Musik: Bauhaus – Bela Lugosi’s dead

Der beste Manowar-Fan der Welt heiratet demnächst und sie hatte sich von ihren Freunden einen typischen Junggesellinnenabschied mit Bollerwagen, Spielchen und allen Schikanen gewünscht. Also machten der Tilmensch und ich uns an die Planung und ich sagte zu, mich um die Ausstattung zu kümmern. Das Brautkleid hängt seit Monaten vor den Augen des Bräutigams versteckt in meinem Kleiderschrank und als ich bei Alfatex ein Satinband in exakt den gleichen Farben fand, war das Farbschema für die Deko klar und ich fand mich mal wieder dabei, die Farbe des absoluten Bösen zu verarbeiten. Was tut man nicht alles für seine Freunde.

Da ich niemandem für viel Geld ein ‚lustiges‘ T-Shirt aufnötigen wollte, das bei den meisten dann eh nur im Schrank verschimmelt, gab es stattdessen Ansteck-Rosetten für alle.

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Ja, durch die Sache mit dem rosa Tüll mussten die Jungs halt durch. Aber sie waren tapfer. Wir waren übrigens eine größtenteils männliche Begleittruppe. Die ganze Geschlechtertrennung bei Junggesellenabschieden finden wir alle eh ziemlich bescheuert. Warum soll ein Teil des Freundeskreises der heiratenden Person ausgeschlossen werden, nur weil er zufällig einen anderen Chromosomensatz als besagte Person hat?

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Natürlich durfte auch ein passender Kopfputz für die Braut nicht fehlen. Auf der Grundlage eines alten Schulterposters bastelte ich einen Fascinator, der dann entspechend dekoriert wurde. Dafür musste ein weiterer meiner kleinen Totenkopfpatches herhalten.

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Auf einen Haarreifen montiert und mit einem Schleier versehen sah das dann so aus:

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Die Braut hat sich sehr gefreut und wir hatten viel Spaß dabei, sie mit einem LARP-Schwert bewaffnet auf einer epischen Quest durchs Gelände zu schicken.

Häkeldeckchen from Hell

Musik: Trollfest – Kaptein Kaos

Eine weitere Nachwirkung der RPC ist mein Vorstoß in die Kunst des Filethäkelns. Auf dem dortigen Mittelaltermarkt begeisterte sich Isol für ein mit gehäkelten Ornamenten besetztes Kleidungsstück und beschloss spontan, dass die neuen Schattenweber-Auftrittsgewandungen auch so etwas brauchen. Und da ich zumindest schon mal erfolgreich ein paar Topflappen und eine Gehirnschnecke gehäkelt habe, erklärte ich mich bereit, es mal zu versuchen. Eigentlich sind Filethäkeldeckchen die Domäne meiner Mutter, aber so schwer kann das ja nicht sein. Ich grub eine uralte Diana-Handarbeitszeitschrift und einen Rest schwarzes Baumwollgarn aus den Tiefen meines Fundus aus und startete einen ersten Versuch.

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Beim Rand ist noch Oprimierungspotential vorhanden, aber ansonsten bin ich zufrieden und das Deckchen darf nun auf meinem Couchtisch wohnen. Isol war von meinen Häkelkünsten auch überzeugt und wir wühlten uns bei einem Stadtbummel durch das Filethäkelgarnsortiment des örtlichen Wolle Rödel. Nach intensiver Ravelry-Recherche und kurzer Verwirrung durch eine nur auf Japanisch existierende Anleitung (zum Glück gab es ein Diagramm) ist der erste Schwung Ornamente fertig geworden.

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Dabei stellte sich heraus, dass das teurere Garn nicht immer unbedingt das bessere ist – die Wolle Rödel-Hausmarke ist wesentlich weicher und besser zu verarbeiten als das teure Markengarn von Karstadt.

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Notiz an mich: Halbschatten auf der Terrasse ist keine gute Foto-Umgebung. Ich übe das mit den schicken Blog-Fotos immer noch.

Abenteuer einer Merchfeeräuberin – Horatia auf der RPC 2016

Musik: Tommy Krappweis – The Geeky Shuffle Blues

Ich bin musikalisch ziemlich unbeleckt – mit anderen Worten, ich spiele CD-Player, Winamp, Youtube und hin und wieder auch mal Nähmaschine, und wenn andere singen krächze ich ein wenig im Damenbass mit.  Wie es trotzdem dazu kam, dass ich im Schlepptau der Mittelalterfolk-Band Schattenweber auf der Roleplay Convention 2016 landete, und was ich dort so alles erlebte, davon werde ich hier berichten.

Die Vorgeschichte:

Ich habe eine gute Freundin und Kommilitonin, hier im Blog Sio oder Isol genannt, die seit mehreren Jahren bei den Schattenwebern aktiv ist. Erinnert sich noch jemand an das Omnia-Kissen? Das habe ich für sie zum Geburtstag gemacht. Nun suchten die Schattenweber für die RPC noch jemanden, der oder die während und nach ihren Konzerten ihre CDs und sonstigen Fanartikel verkauft. Und da ich das Wochenende noch nichts vorhatte und schon immer mal das Nerdparadies schlechthin abchecken wollte, habe ich zugesagt, nach meinem ersten Durchgang in der Rolle bei der Mittelaltermensa im letzten Winter wieder zur Merchfee(räuberin – Eins dreiundsiebzig und fies!) zu werden.

Freitag:

Da der Schattenwebertreck nicht über ihre Heimatstadt führte, überfiel die Merchfeeräuberin noch für eine Nacht ihre Mutter in der alten Heimat, wo sie dann gegen 14:30 Uhr von Isol und Meister Bezius mit einem mit Instrumenten und sonstigem Musikerequipment vollgestopften Wohnmobil eingesammelt wurde. Nach einer weitestgehend ereignislosen Fahrt nach Krefeld plünderten wir noch einen Subway, bevor wir uns mit dem Rest der Band zu einer letzten Probe im Jugendraum des örtlichen Tennisvereins trafen. Dort machte mich Silva gleich auf die Existenz eines Trampolins aufmerksam, welches erstmal ausgiebig getestet werden musste. So kann man auch mit kleinen Sachen Merchfeeräuberinnen einen Freude machen. Da Krefeld von der Gewitterfront verschont blieb, saß ich, während die Schattenweber probten, noch gemütlich bis halb zehn draußen und las in J. K. Rowlings neuestem Metzelkrimi. Von links leise Mittelalterfolk auf dem Ohr, von rechts das, was das örtliche Hitradio aus der Vereinskneipe gerade so ausspuckte, vermischt mit den Geräuschen eines Tennisvereins mit steigendem Getränkepegel. Irgendwann war es dann doch zu kalt und dunkel draußen, sodass ich mir noch den Rest der Probe anhörte. Anschließend gab es, wie es sich für anständige Hobbits gehört, als Nachtmahl noch Karotten-Kartoffelstampf. Lecker. Das muss ich auch unbedingt mal ausprobieren.

Samstag:

Pünktlich um zehn saßen die Schattenweber und ich in den Autos und wir machten uns auf ins Nerdparadies. Mit vereinten Kräften fanden wir auch die Auffahrt zu Tor A ohne uns zu verfahren. Das Tor lag direkt hinter Bühne 1, sodass wir die Instrumente und das ganze andere Geraffel für das erste Konzert des Tages nicht weit schleppen mussten. Die Merchbude alias mein Arbeitsplatz entpuppte sich als luxuriöser Stand mit Sonnensegel und Bierbank. Da noch viel Zeit blieb, machten wir uns auf die Suche nach Bühne 2, auf der alle anderen Schatttenweber-Auftritte stattfinden sollten, konnten sie jedoch nicht wirklich finden. Eine Bude, die aussah wie der Merchstand vor Bühne 1, erregte unsere Aufmerksamkeit. Nach einiger Unsicherheit und ein paar Nachfragen bei anderen Bands erfuhren wir: Ja, das ist Bühne 2. Okay, dann darf es aber nicht regnen, denn dann wird es wirklich eng mit 4 Schattenwebern und dem ganzen Instrumentarium. Praios, hast du gehört, halt Rondra schön im Schach, bis die RPC vorbei ist! Die verbliebene Zeit bis zum Aufbau nutzte ich um herauszufinden, wo später am Tag der Workshop zur Phileasson-Saga stattfinden sollte. Kaum war ich 10 Minuten in der Halle unterwegs, sprang mich auch schon Ettark aus der Stadtwache an. Wächter sind wirklich überall. Der auf dem Plan groß als Workshop 2 angekündigte Raum entpuppte sich nach langer Suche schließlich als winziger Bretterverschlag ohne eigenes Dach, der einfach in die Halle hineingebaut worden war. Hoffentlich kriege ich da überhaupt noch einen Platz…

Pünktlich nahm die Merchfeeräuberin ihren Platz ein und beobachtete aus dem Schatten das Publikum, das in der Sonne briet, und bewunderte die verschiedenen Cosplays. Ciri, Triss, Yennefer, Gandalf, Endzeitler, diverse Superhelden und sogar eine Drakensang-Kladdis – alle waren sie da. Kundschaft war allerdings rar. Die allermeisten Leute waren viel stärker am Sonnensegel als an den CDs, Buttons und Patches interessiert. Bei über 25 Grad und strahlender Sonne muss es in einem Sith-Kostüm allerdings auch ziemlich warm werden. Etwas verwundert gewahrte ich die Menschentraube direkt vor dem Bühneneingang und erfuhr später, dass dort ein berühmter Youtuber namens Gronkh stand, dem später noch ein Geburtstagsständchen gespielt werden sollte. Immerhin zwei CDs konnte ich dann doch noch verkaufen, bis es hieß umziehen zu Bühne 2. Sich mit sperrigen Instrumenten durch eine Menschenmenge drängeln ist wirklich kein Spaß. Hinzu kam, dass der Bühneneingang mittlerweile von einer Traube Gronkh-Fans verstopft war, die alle ihr Idol knuddeln wollten, sodass dort kein Durchkommen mehr war und das ganze Equipment irgendwie hinter den Fressbuden durchgeschoben werden musste. Aber schließlich war es geschafft, ein Merchstand aus Equipmentkisten war improvisiert und meine Ablösung traf ein (Ein dickes Danke an dieser Stelle noch mal dafür!)

Vor Workshop 2 war es glücklicherweise längst nicht so voll wie befürchtet und mit etwas Glück ergatterte ich einen Sitzplatz in der Mitte der zweiten Reihe direkt hinter dem Beamer. Freie Sicht für mich, Yay! Es folgte eine Stunde hochinteressante, lustige und aufschlussreiche Diskussion mit einem sehr sympathischen Bernhard Hennen und einem Haufen Leute, die mindestens genauso große Phileasson-Nerds sind wie ich. Das kollektive hysterische Gelächter gequälter Spielleiter bei der Erwähnung DES Gongs sprach Bände. Natürlich habe ich mich auch mal wieder standesgemäß zum Horst gemacht, als Bernhard Hennen fragte, was denn so unsere schlimmsten Spieler-Fails gewesen waren. Erstmal meldete sich niemand und Schweigen breitete sich aus. Eine ganz ähnliche Situation hatte ich schon einmal vor einigen Jahren bei einer Lesung von Tad Williams, wo ich schließlich all meinen Mut zusammen genommen hatte und die erste Frage stellte. Also gut. Wenn sonst niemand reden will, Augen zu und durch. Dann sollte ich aber nach vorne kommen. Argh! Panik! Alle starren mich an! Unter zwei Mutsteigerungs-Bieren mache ich sowas normalerweise nicht! In ein Mikrophon sprechen ist auch so eine Kunst, die ich bisher nicht wirklich beherrsche. Aber irgendwie habe ich die Leiden des norbardischen Akrobaten und Tänzers Sajud Janeff, der auszog, eine Chimäre von hinten zu erstechen und sich dabei spektakulär das Schwert in den eigenen Bauch rammte, doch erzählt bekommen. Stand-Up Comedian ist definitiv kein realistisches Karriereziel für mich, ich bleibe besser bei chaotischen Blogposts. Sehr gefreut habe ich mich über die Nachricht, dass mittlerweile Verträge für die ersten sechs Bände unterzeichnet sind. Außerdem erfuhr das Publikum von der positiven Wirkung von Bananensaft auf Autoren. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren, dann geht das mit meiner Doktorarbeit möglicherweise etwas weniger zäh voran. Nach dem Seminar schnackte ich noch kurz mit einem anderen Meister. Lieber Unbekannter, ich hätte mich gerne noch viel länger mit dir über die Tücken der Saga, DSA5 und außerplotmäßige Spielerbespaßung unterhalten, aber ich musste wirklich wieder zurück zur Bühne, meinem eigentlichen Job nachgehen.

Da das zweite Schattenweberkonzert lief während ich auf dem Phileasson-Workshop war, blieb nur noch das Abbauen und die Erkenntnis, dass der arme Gronkh sich immer noch durch seine Fans knuddeln musste. Danach gab es erstmal ein Belohnungs-Kirschporter und ich schlenderte noch mal eine Runde durch die Hallen, wo ich auch die Artist Alley fand und endlich Ari Baker mal persönlich Hallo sagen konnte, nachdem ich ihr Blog schon seit einigen Jahren lese. Ich sammelte Ettark ein und wir gingen einen Met auf seinen Geburtstag trinken. Beim anschließenden Streife gehen passierten wir den Greifvogel-Stand, bei dem so gut wie nichts mehr los war. So konnten wir in Ruhe die Falken, den Uhu und die Schleiereule bewundern und sogar den Steinkauz streicheln. Ich musste gleich an Schuhu denken, den Kauz, der als Vertrautentier der bornischen Hexe Kalinka an der Seite Asleif Phileassons einmal um Aventurien reiste.

Eigentlich war der Plan, im Hotel noch gemütlich ein Gläschen Met zu trinken, aber dann bekamen wir spitz, dass es noch eine After-Show-Party für die Aussteller mit Freibier geben sollte. Also packten wir abends um neun wegen sich daraus ergebender veränderter Autokonstellation noch mal die Instrumente um (Gronkh knuddelte immer noch und wirkte mittlerweile ziemlich erschöpft) und stürzten uns ins Getümmel. Mit einem Metbier bewaffnet schlenderte ich durch die untere Halle, von der ich bisher noch nichts mitbekommen hatte. Da befanden sich also die groß angekündigte Nerfbattle-Arena, der Tie Fighter in Originalgröße und die Endzeit-Lager! Ich entdeckte unter anderem einen Pinup-Kalender der Armee des Stahls und musste mich sehr beherrschen, nicht einmal laut ‚Dinge die Brennen!‘ zu brüllen und dann schnell Hackengas zu geben. Schließlich landete ich vor der Bühne, wo Multitalent Tommy Krappweis und diverse Musiker diverser Bands fröhlich vor sich hinmusizierten, bis Krappweis‘ Hose dem nicht mehr stand hielt und eine Naht sprengte. Auf die Frage, ob Cosplayer da wären, die nähen können, karrten tatsächlich zwei Leutchen innerhalb von fünf Minuten eine Nähmaschine heran und machten sich live ans Flicken, während Tommy Krappweis fröhlich ohne Hose einfach weitermusizierte. Das ist wahrer Rock’n’Roll! Im Hotel angekommen war ich immer noch so high von all den Eindrücken (zugegeben, Met, Bier und Metbier hatten auch einen Anteil daran), dass die arme Isol mein begeistertes Gequatsche noch einige Zeit ertragen musste, bis ich dann endlich mal bereit war, an der Matratze zu horchen.

Sonntag:

Nach einem luxuriösen Hotelfrühstück brachen wir so zeitig auf, dass wir noch gute zwei Stunden zum Erkunden der Verkaufsstände hatten, bis wir aufbauen mussten. Und so machte ich mich auf den Weg, genauer unter die Lupe zu nehmen, was ich am vorigen Tag nur im Vorbeiflitzen kurz gesehen hatte: Das Nerdparadies. Ich blätterte mich durch die endgültige Version des DSA5-Basisregelwerks, nahm das Würfelangebot genau unter die Lupe (Metallwürfel sind so schick! Und man kann sie bei Bedarf nach nervenden Spielern werfen…), shoppte Mitbringsel (wäre ich keine arme Studentin, könnte ich mich mit all dem tollem Zeug totkaufen) und besuchte meine Mitnähkromantin Miaka von khaos kouture an ihrem Stand. Allerdings ist so mancher an Ständen arbeitender männlicher Nerd doch etwas ungeschickt im Umgang mit dem allein die Hallen durchwandernden weiblichen Nerd. Angefangen von Fragen wie ‚Weißt du, was Rollenspiele sind?‘ bis zu Zutexten plus Berührung am Arm (Das geht gar nicht, Junge!) habe ich so einiges erlebt. Und nein, wenn ich deutlich sage, dass ich weiß, wozu ein Panzerstecher gut ist, brauchst du es mir nicht trotzdem noch mal zu erklären. Obwohl, der eine junge Herr, der völlig ins Stottern kam, schon wieder irgendwie knuffig war. Und das Angebot einer DSA5-Testspielrunde hätte ich wirklich gern angenommen, aber die Arbeit rief. Bevor es die Merchfeeräuberin zurück zu den CDs zog, schaute sie sich noch das Konzert von The Dolmen an. Die gingen wirklich ab und Gandalf und Walter White einträchtig nebeneinander abrocken zu sehen war schon ein wahrhaft göttliches Bild.

Das erste Schattenweber-Konzert ging bis kurz vor Ende komplikationslos über die Bühne, bis die Technik die Funksignale von Bühne 1 auffing und plötzlich anstatt der Schattenweber ganz andere Musik aus den Lautsprechern kam. Großes ‚Häh?‘ bei allen Beteiligten. Glücklicherweise ließ sich das Problem schnell beheben. Faszinierend, was alles so geht. In der Pause zwischen den beiden Konzerten, in der einige Regentropfen kurzzeitig für hektische Instrumenten- und Merchandiserettungsaktionen sorgten, kamen wir endlich dazu, das Wikinger-Eis mal zu probieren. Die Dame am Stand guckte ziemlich sparsam, als ich Eis für eine ganze Band bei ihr holte. Beim zweiten Konzert gesellten sich noch zwei Tänzerinnen und Gronkh in Inkognito-Maskierung (anscheinend hatte er Knuddelfrei) dazu und dann war die RPC auch schon vorbei und die kleine Horatia musste das Nerdparadies mit dem W20-Bällebad leider wieder verlssen. Wir verluden die Instrumente und machten uns auf den Weg. Unterwegs gab es noch ein Abschiedsessen bei Mäckes, wo ich die karamellenen Abgründe des McSundae entdeckte. Der Abend klang in Meister Bezius‘ Wohnzimmer mit seiner Frau, Isol, zwei neugierigen Katern namens Snoopy und Fussel und diversen interessanten Schnäpsen aus. Und jetzt weiß ich auch, welches Geräusch eine kotzende Katze macht. Wieder was dazu gelernt.

Montag:

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit leckerer Erdbeer-Feigen-Marmelade brachte Meister Bezius Isol und mich zum Zug und ich lernte aus erster Hand kennen, was es heißt, mit einer Harfe im Gepäck Extreme Bahnfahring zu betreiben. Gegen drei am Nachmittag war ich schließlich nach einem aufregenden Wochenende wieder daheim.

Der Loot:

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Im Zweifelsfall kaufe ich immer Bücher und ‚Lang lebe die Nacht‘ stand schon lange auf meiner Anschaffungsliste. Den KGIA-Sticker habe ich am Ulisses Spiele-Stand geschenkt bekomen, ich überlege, ihn vorne in meinen Terminplaner zu kleben. Der Würfel ist ein Mitbringsel für einen guten Freund und den Schattenweber-Flyer und meinen Ausstellerausweis (hach, was hört sich das hochtrabend an) habe ich der Vollständigkeit halber hinzugefügt.

Geil war’s. Falls ich Geld, Zeit und/oder eine sonstige Chance habe, nächstes Jahr wieder hinzufahren, count me in!

You can’t take the Sechseck from me.

Musik: Turisas – For your own good

Es gibt wieder einen neuen Schwung Sechsecke – in den letzten Tagen hatte ich einen echten Stickflash.

Aber beginnen wir mit zwei neuen Gastsechsecken. Noch mal ganz vielen lieben Dank dafür!

Links: Das Wappen der Sisterhood of the Radiant Heart aus der Serie ‚Sleepy Hollow‘, über die ich mich hier schon mal begeistert ausgelassen hatte. Gestickt von Sio.

Rechts: Ein Vampirgebiss, stellvertretend für den Klassiker Dracula und diverse andere unkuschelige und unglitzerige Vampirgeschichten die ich schon so gelesen habe. Gestickt von Anjulibei.

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Ich selbst begab mich mit dem linken Sechseck in das finstere Reich der Großen Alten. Behold! The Necronomicon Gate! Wer will, darf an dieser Stelle gern dem Wahnsinn verfallen.

Das rechte Sechseck ist eine Hommage an ein weiteres meiner Lieblingsbücher: ‚Die Abenteuer des Röde Orm‘ von Frans G. Bengtsson. Es erzählt die Lebensgeschichte eines Wikingers um das Jahr 1000. Rollenspielaffine Personen werden das von mir etwas umgezeichnete Motiv bestimmt kennen. Ich habe es mal ganz dreist vom Cover des Phileasson-Abenteuerbands geklaut. Der gute Asleif lässt mich irgendwie doch immer noch nicht so ganz los.

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Und zwei habe ich noch, ganz frisch von der Nadel gehüpft. Links The Deathly Hallows aus der Harry Potter-Reihe. Ich bin zwar kein so großer Potter-Fan, aber die Bücher waren die ersten, die ich vor langer, langer Zeit auf Englisch gelesen habe und damit läuteten sie eine neue Ära des Lesens für mich ein. Deshalb hat sich auch der zweite Zauberer namens Harry einen Platz auf der Decke verdient. Und die Erwachsenen-Krimis, die J. K. Rowling seit ein paar Jahren schreibt, finde ich richtig gut.

Rechts eine Erinnerung an die wohl am meisten betrauerte Fernsehserie aller Zeiten. Ich rede von Firefly, die Serie die neue Maßstäbe in Sachen Weltraumcowboys setzte. Als großer Han Solo-Fan war das natürlich ein gefundenes Fressen für mich. Deshalb: You can’t take the sky from me.

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Derzeitiger Stand: 88 von 660 Sechsecken. Das macht 13,33 Periode Prozent.

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