Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Büchernörgele: Bernd Perplies, Christian Humberg – Star Trek Prometheus

Musik: JBO – Der Star Track

Letzte Woche fiel der Blogpost aus, weil ich quasi innerhalb der Wohnung umgezogen bin, mit anderen Worten, das zeitweilige Schlafzimmer für meinen neuen Mitbewohner wieder geräumt habe. Aber nun ist das Tetris-Spiel für Fortgeschrittene alias alles wieder in ein Zimmer quetschen erfolgreich abgeschlossen und ich habe den Kopf wieder frei für andere Dinge. Und da ich derzeit nur an kreativen Langzeitprojekten arbeite, habe ich beschlossen, einfach so lange Bücher zu benörgeln bis ich wieder was vorzeigen kann. Also weiter im Projekt ‚Horatia liest mehr deutsche Autoren‘.

Bernd Perplies kenne ich als Autor schon seit einigen Jahren. Zuerst aufmerksam wurde ich auf ihn im Zuge meiner Jagd auf Steampunkromane durch seine Reihe ‚Magierdämmerung‘, die mich ziemlich begeistert hat, unter anderem weil sie ein sehr interessantes und individuelles Magiekonzept hat. Daraufhin besorgte ich mir die ersten beiden Bände seiner Erstlingsreihe ‚Tarean‘ (Der dritte fehlt mir immer noch und ich habe fest vor, ihn irgendwann noch zu lesen) und war im Rahmen der Jugendlicher Auserwählter-Klischeefantasy auch sehr zufrieden (Manchmal brauche ich einfach meine Dosis genau davon – und Herr Perplies‘ Schreibstil erinnert mich stark an meinen, weil er genauso gern Bandwurmsätze bildet wie ich). Seine Jugenddystopiereihe habe ich ausgelassen, weil Jugenddystopien nicht so mein Ding sind, aber dann kam seine zweibändige unter dem Pseudonym Wes Andrews veröffentlichte Firefly-Ersatzbefriedigung ‚Frontiersmen‘, die ich wieder begeistert verschlungen habe. Derzeit hat er auch noch eine andere, an die Antike angelehnte Reihe laufen, die ich aber erst lesen werde, wenn alle Bände draußen sind. Ich mag es einfach nicht, -zig angefangene Reihen in meinem Bücherregal zu haben. Irgendwann fand ich dann heraus, dass Herr Perplies zusammen mit einem Kollegen namens Christian Humberg auch Kinderbücher schreibt. Und da ich hin und wieder auch gerne schöne Kinderbücher lese, und es in einer Rezension hieß, der Schauplatz wäre quasi Ankh-Morpork für jüngere Leserinnen und Leser, besorgte ich mir den ersten Band der Reihe ‚Drachengasse 13‘. So ein Kinderbuch frühstücke ich in einem Abend weg und auch als erwachsener Mensch wird man gut unterhalten, wenn man mit eher an Kinder gerichteten Büchern etwas anfangen kann. Leider blieb es bisher bei dem einen Band für mich (den ich auch mittlerweile zweimal gelesen habe), irgendwann lese ich auch mal den Rest. Und dann hörte ich, dass die gleichen Verdächtigen zum 50. Star Trek-Jubiläum die ersten von deutschen Autoren erschaffenen Star Trek-Romane schreiben und meine Neugierde war geweckt. Seit 20 Jahren bin ich begeisterte Star Trek-Glotzerin (Die Originalserie war auch der Grund, weshalb ich zum 15. Geburtstag einen Fernseher geschenkt bekam, weil meine Mutter damals keine Lust mehr hatte, dass ich sonntags im Wohnzimmer Raumschiff Entenscheiß alias die Klassik-Serie schaute) und ich erinnere mich noch gut an abendliche Voyager-Doppelfolgensessions auf meinem Kinderzimmersofa. Aber kann Star Trek auch in Buchform überzeugen? Bisher hatte ich, was das betraf, so gut wie keine Erfahrungswerte, da ich nur einen einzigen Star Trek-Roman gelesen hatte. Und der war auch nicht wirklich repräsentativ, weil es die Biographie meiner absoluten Trek-Lieblingsfigur (Garak!!!) war. Frei nach dem Motto ‚To boldly go where Horatia has not gone before‘ ließ ich mich einfach mal auf den ersten Band ‚Feuer gegen Feuer‘ ein.

Worum geht es?

Nach diversen existenzbedrohenden Krisen scheint die Vereinigte Föderation der Planeten endlich wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Doch dann erschüttern brutale Terroranschläge sowohl die Föderation als auch das Klingonische Reich. Zu den Anschlägen bekennt sich eine extremistische Splittergruppe vom Volk der Renao, deren Heimat der im Grenzgebiet der Föderation und den Klingonen gelegene Lembatta-Cluster ist. Nach zähem diplomatischem Hickhack einigen sich die beiden Großmächte darauf, je ein Schiff in den Cluster zu entsenden. Die USS Prometheus unter dem dem kriegmüden Veteranen Richard Adams und die IKS Bortas, ein Schiff, das seine besten Tage hinter sich hat und dessen Kommandant Kromm sich selbst und dem klingonischen Reich unbedingt beiweisen will, dass er doch zu irgendwas taugt. Zusammen machen sich die beiden ungleichen Besatzungen daran, das Geheimnis des Lembatta-Clusters zu ergründen. Werden sie es schaffen, trotz völlig unterschiedlicher Grundeinstellungen und wachsendem Druck von außen das Rätsel zu lösen oder werden Alpha- und Beta-Quadrant in einem neuen Krieg versinken?

Wer hat es geschrieben?

Bernd Perplies und Christian Humberg. Beide Autoren sind begeisterte Trekkies und Veteranen der Übersetzung diverser Star Trek-Romane aus dem Englischen und schrieben schon erfolgreich einige Kinderbücher zusammen. Also warum auch nicht eine Star Trek-Reihe?

Wie sieht das aus?

Schritt 1: Schamloses Webcam-Posing eines Bücher-Suchtlings mit Band 1.

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Und alle drei Bände zusammen. Ich finde die Cover immer sehr passend zum jeweiligen Roman. Und wenn sie im Regal nebeneinander stehen fügen sich die Buchrücken zu einem Komplettbild der Prometheus zusammen. Da hat jemand beim Design wirklich mitgedacht!

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Und wie fand ich das nun?

Ich bin mit einer gewissen ‚Mal schauen, was da kommt‘-Mentalität an den ersten Band herangegangen. Seit dem Ende von Voyager war viel in Trek-Universum passiert, von dem ich keine Ahnung hatte, da ich die zwischenzeitlich erschienenen Romane nicht kannte. Würde ich der Handlung trotzdem folgen können? In dieser Hinsicht kann ich alle, die vielleicht deshalb zögern, beruhigen. Alles, was für die Handlung wichtig ist, wird kurz und bündig und in die Geschichte eingeflochten noch mal kurz erklärt. Ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, in der Luft zu hängen. Allerdings ist eine gute Kenntnis der Fernsehserien und der Kinofilme hilfreich um sich an den zahlreichen Anspielungen erfreuen zu können, allein schon weil die Prometheus selbst ihren Ursprung in einer Voyager-Folge hat.

Die Geschichte beginnt zur Zeit der Classic-Serie und ich hatte aufgrund der plastischen Beschreibungen sofort die entsprechenden Uniformen und Kulissen vor Augen. Wenn man sich spontan beim Lesen die eindeutige Studioatmosphäre einer Planetenoberfläche mit Pappmachéfelsen, die für mich zur Classic-Serie einfach dazugehört, vorstellen kann, ist das schon ganz großes, episches Kopfkino. Die Reihe fährt über drei Bände einen Rundumschlag um alles auf, was Star Trek ausmacht. Forscherdrang, Diplomatische und militärische Konflikte, ambivalente Figuren, unerklärliche Phänomene denen auf den Grund gegangen werden muss und dem als Science-Fiction verpackten zutiefst humanistischen Kommentar zu derzeitigen irdischen Konflikten. Mit Star Trek geht es mir wie mit Terry Pratchett – wenn mehr Menschen es lesen bzw. schauen und verstehen würden, wäre diese Welt wesentlich besser. Das Leseerlebnis war vergleichbar mit meinen DVD-Sessions vom Anfang des Jahres, frei nach dem Motto ‚Och, eine Folge, beziehungsweise in diesem Fall ein Kapitel, geht noch!‘ ‚Oh, verdammt, es ist schon mitten in der Nacht!‘. Nicht unerheblich trugen die Protagonisten sowohl auf der Sternenflotten- als auch auf der Klingonenseite dazu bei. Captain Richard Adams, der kriegsmüde Veteran vieler Schlachten, der in seinem Leben schon so viel verloren hat und nun noch mehr verliert. L’emka, die es von einer Agrarwelt zu ersten Offizierin eines klingonischen Schlachtenkreuzers gebracht hat und die nicht nur mit dem Bath’leth sondern auch mit dem Hirn denkt. Lieutenant Jassat ak Namur, dessen Volk sich gerade zur potentiellen Bedrohung für den Frieden der Galaxis entwickelt. Chefingenieurin Jenna Kirk, die mit ihrem berühmten Vorfahren hadert. Kapitän Kromm, der weiß, dass er sein Kommando nur aufgrund seiner Abstammung erhalten hat und unbedingt zum wahren Helden des klingonischen Reiches werden will, egal wie hoch der Preis ist. Sicherheitschefin Lenissa zh’Thiin, die abgesehen von der äußerst komplizierten Mission auch einiges in ihrem eigenen Leben und dem Verhältnis zu ihrer Spezies zu sortieren hat. Ensign Paul Winter, Deutscher mit afrikanischen Vorfahren, Kommunikationsoffizier und Genie an der Sensorenphalanx. Abgerundet wird das neue, von bisherigen Publikationen völlig unabhängige Hauptensemble durch einige alte Bekannte, insbesondere ein gewisser, mittlerweile ziemlich alter vulkanischer Botschafter, der der ganzen Geschichte durch seine wunderschöne Darstellung durch die Autoren noch mal eine ganz besondere Würze verleiht. Auch wenn manche Auftritte alter Bekannter etwas bemüht wirken, fügen sie sich doch insgesamt harmonisch in die Handlung ein, was den Charakter einer Jubiläumsgeschichte noch mal unterstreicht, und ich habe mich über die Wiedersehen mit vielen alten imaginären Freundinnen und Freunden auch sehr gefreut. Und Garak wurde zumindest mal erwähnt, was mein Fangirlherz sehr erfreut hat. Auch hat mir gut gefallen, dass es mit dem Lembatta-Cluster ein überschaubares Handlungsgebiet gab und trotz des potentiell quadrantenerschütternden Konflikts nicht gleich die halbe Galaxis in Schutt und Asche gelegt wurde. Mein persönlicher Geschmack bevorzugt nun mal die etwas kompakteren Szenarien.

Wie schon bei der Phileasson-Saga, die auch von einem Autoren-Duo verfasst wird, wirken auch diese Bücher wie aus einem Guss und ich konnte keine stilistischen Sprünge feststellen. Nur die ganz gewisse Art, mit der Bernd Perplies in seinen Einzelwerken Figuren umschreibt wenn er sie nicht beim Namen nennt, fiel mir auch hier auf, aber ich konnte beim besten Willen nicht sagen, welcher Autor nun für welche Kapitel verantwortlich war, oder ob sie alles gemeinsam geschrieben haben. Bernd Perplies und Christian Humberg haben mit der Prometheus-Trilogie eine Geschichte in bester Star Trek-Tradition geschaffen, die sowohl durch einen gut ausgearbeiteten Spannungsbogen unterhält als auch bei Betrachtung der Situation in der sich unsere Welt gerade befindet zum Nachdenken anregt. Auch wenn mein damaliger Deutschlehrer und ich was unseren Geschichtengeschmack betraf absolut nicht kompatibel waren, hat ein Satz von ihm mich doch geprägt. Da er auch Englischlehrer war, hat er es uns auch im Deutsch-Grundkurs mal auf Englisch erklärt. Der Sinn einer guten Geschichte wäre in gleichen Teilen ‚To instruct and to delight‘. Und das trifft auf Star Trek Prometheus voll zu, auch wenn er über den Metaplot vermutlich die Nase rümpfen würde. Eine Botschaft die heute wichtiger ist denn je. In diesem Sinne: Live long and prosper.

Büchernörgele: Bernhard Hennen – Nebenan

Musik: Blind Guardian – Imaginations from the other Side

Hier nun Teil 2 des Tests, wie mir die beiden Phileasson-Autoren jeweils alleine so gefallen. Im Gegensatz zu Robert Corvus war mir Bernhard Hennen schon länger ein Begriff, einmal natürlich von der Abenteuerband-Version der Phileasson-Saga und zum anderen von dem Roman ‚Die Elfen‘, den ich vor vielen Jahren mal von einem Freund ausgeliehen und dann abgebrochen hatte. Dies lag nicht daran, dass er schlecht geschrieben gewesen wäre, sondern an meinem dringenden Bedürfnis, die weibliche Hauptfigur an die Wand zu klatschen. Ich glaube, Elfen sind einfach nicht mein Volk. Also musste ein Buch von Bernhard Hennen her, das nichts mit Elfen zu tun hat. Gibt es das? Ja, das gibt es. Zumindest beinahe. Ein Elf kommt vor, aber es ist kein typischer High Fantasy-Elf. Damit kann ich leben.

Worum geht es?

Germanistikstudent und Hobby-Mittelalterdarsteller Till ist mit seinem Leben gerade alles andere als zufrieden – Seine Zulassung zum Examen an der Uni Köln ist akut gefährdet, seine Nerd-WG beginnt, sich ernsthaft mit dem Thema ‚erwachsen werden‘ auseinanderzusetzen und in der Liebe sieht es auch nicht gerade rosig aus. Als Till sich bei einem keltischen Samhainritual in der Eifel aus Frust so richtig die Kante geben will, verpatzt er seinen Teil des Rituals und öffnet so versehentlich eine Pforte nach Nebenan, wo allerlei finstere Märchen- und Sagengestalten nur darauf lauern, in die reale Welt zurückzukehren, von wo sie einst verbannt wurden. Einer kleinen Gruppe bestehend aus dem Magier Cagliostro, dem Erlkönig und einem geistig herausgeforderten Werwolf gelingt der Übergang, was die Kölner Heinzelmänner, die seit vielen Jahrhunderten die Hüter der Pforten nach Nebenan sind, auf den Plan ruft. Mit immer größerem übernatürlichem Chaos konfrontiert, schmieden sie einen waghalsigen Plan um alles wieder in Ordnung zu bringen. Einen Plan, der eine Gruppe mit Schwertern bewaffneter Nerds beinhaltet…

Wer hat es geschrieben?

Bernhard Hennen, einer der bekanntesten Fanatsyautoren Deutschlands. Den allermeisten ist er wohl durch seine Vorliebe für spitzohrige Protagonisten ein Begriff. Ich hatte auf der RPC das Glück, einen von ihm moderierten Workshop besuchen zu können und es hat sich voll gelohnt. Der Mann kommt live sehr sympathisch rüber und hat außerdem echtes Stand Up Comedy-Talent.

Wie sieht das aus?

Weiß und ganz klassisch mit Schwert und schickem Spruchband. Die Totenköpfe in den Ecken sind ein nettes Detail.

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Und wie fand ich das nun?

Also, wo fange ich an? Ein computerverrückter, mafiafilmbegeisterter Heinzelmannboss, Ein Albenfürst, der den Ökoterrorismus als Betätigungsfeld entdeckt, Ein AKW-Mitarbeiter, der eigentlich ursprünglich nur das System unterwandern wollte, eine Reitmöwe mit Killerinstinkt, ein Securitymann der glaubt, vom Predator verfolgt zu werden, eine Star Trek-verrückte Friseuse, die Heilige Inquisition… Es würde den Beitrag sprengen, hier alle liebevoll-abstrusen Figuren aufzuzählen, die diesen Roman bevölkern. Auf 550 Seiten wird die Stadt Köln von einer wahrlich durchgedrehten, mit popkulturellen Zitaten gespickten extraterrestrischen Invasion der etwas anderen Art heimgesucht, und das zu lesen macht unheimlich Spaß und erinnert vom Setting her stellenweise stark an den Campusfantasy-Klassiker ‚Fool on the Hill‘ von Matt Ruff. Trotzdem geht ‚Nebenan‘ ganz eigene Wege, indem viel Gewicht auf den deutschen Sagenraum gelegt wird und wie sich seine Fabelwesen mit der modernen Welt arrangiert haben. Dass zum Beispiel die Heinzelmänner auf die Menschen sauer sind, weil diese irgendwann begannen, kleine, kitschige Stauten von ihnen in ihren Gärten aufzustellen, klingt sehr einleuchtend. Die Hauptfigur Till weist einige Parallelen zum Autor auf und in einem ausführlichen Nachwort erklärt Bernhard Hennen, dass ‚Nebenan‘ ein sehr autobiographischer Roman ist, und welche realen Begebenheiten und Orte in zu verschiedenen Buchszenen inspiriert haben (und dass das reale Leben manchmal noch verrücktere Dinge ausspuckt als die Fantasie eines Autors). Da bekomme ich richtig Lust auf eine etwas andere Köln-Besichtigungstour, nachdem ich schon in London auf den Spuren von Patrick O’Brian und Lycidas gewandelt bin. Vor allem den Übungsstollen unter der Uni würde ich gern mal besuchen. Für mich war es auch aus anderem Grund das richtige Buch zur richtigen Zeit. Genau wie bei Protagonist Till neigt sich auch meine Uni-Zeit endgültig dem Ende zu und das ominöse ‚Endgültig Erwachsen Werden‘ dräut am Horizont. Da ist es schön, von anderen Nerds zu lesen denen es genauso geht. Etwas schade fand ich, dass es manchem Handlungsstrang etwas an Erklärung mangelt, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ich habe mich köstlich amüsiert und weiß nun auch Bescheid, wie Schokopudding als Kriegswaffe eingesetzt werden kann und wie groß die Chancen für einen gewissen Heinzelmann sind, Jennifer Lopez zu heiraten.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle die ‚Fool on the Hill‘ von Matt Ruff mochten und mal wieder einen humorvollen Urban Fantasy-Roman lesen wollen. Bernhard Hennen kann definitiv mehr als nur Spitzohren (und einäugige Plünderfahrer). In diesem Sinne: Großhirn an Mund! Buch empfehlen!

My Little Evil Bad Pony

Musik: Sabaton – Blood of Bannockburn

Meine Freundin AdoraBelle erreichte kürzlich Epic Level und da musste natürlich ein passendes Geschenk her. Sie wünschte sich Dinge für ihre neue Wohnung und was lag da näher als eines meiner mittlerweile berüchtigten Metalkissen?

AdoraBelle mag Iron Maiden und My Little Pony, da ergab sich das Motiv mehr oder weniger von allein und ich war teilweise erstaunt, welche lange nicht benutzten Stickgarnfarben ich in den Tiefen meines Vorrats noch fand. Die Vorlage für das Pony stammt aus dem Internet und wurde von mir entsprechend modifiziert. Es war gar nicht so einfach, ein Pony zu finden, das angemessen grimmig und pöööhse dreinschaut.

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Der Schriftzug ist wie immer mit Stoffmalfarbe schabloniert und anschließend umstickt. Als Stoff musste schwarze Ditte herhalten. So langsam muss ich mal wieder zum Möbelschweden, da meine Vorräte sich langsam dem Ende neigen. Zum Schluss gab es noch einen ‚Für Dich mit Trve Metal Hatred handgemacht‘-Anhänger und ansonsten habe ich auf jeglichen weiteren Schnickschnack verzichtet. Das hätte nur vom Pony abgelenkt.

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Das Kissen war bei seiner neuen Besitzerin ein voller Erfolg und nun habe ich Lust, mir auch mal eins zu machen. Bloß welche Band? Und welches Design? Und ich habe ja eigentlich noch so viele UFOs hier herumliegen…

Wenn dem Einhorn übel wird

Musik: Motörhead – Killed by Death

Der Schal aus der Wolle die ich liebevoll ‚Einhornkotze‘ getauft habe ist fertig. Und er sieht zur schwarzen Lederjacke richtig gut aus.

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Irgendwas hat meine Kamera gegen das Grün. Unten in der Nahaufnahme des Musters sind die echten Farben besser zu erkennen.

Die harten Fakten:

  • Anleitung: Lighter than Perfume
  • Nadelstärke: 4
  • Wolle: 2 Knäule ‚Daphne Lace‘ von Schöller, macht insgesamt 800 Meter.
  • Strickdauer: Da ich nur episodisch daran gestrickt habe, insgesamt 4 Monate.

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Als meine Mutter bei einem Besuch mein Strickzeug sah, haben ihr Wolle und Muster so gut gefallen, dass ich ihr nun auch einen Schal stricke. Damit wären dann vier von den sieben Knäulen verarbeitet. Was ich mit den restlichen drei mache, weiß ich immer noch nicht.

Büchernörgele: Robert Corvus – Rotes Gold (Die Schwertfeuer-Saga Band 1)

Musik: Die Streuner – Söldnerschwein

Einer meiner Vorsätze für 2016 bestand darin, mehr deutsche Autoren zu lesen, und ich finde, ich habe mich bisher ganz gut geschlagen. Und als ich dann Phileasson 1 las und eine Menge Spaß mit dem Buch hatte, beschloss ich, mal herauszufinden, was die beiden Autoren Solo so drauf haben. Was Bernhard Hennen betrifft muss ich gestehen, dass ich vor vielen Jahren die Elfen mal angelesen, aber dann abgebrochen habe, weshalb ich für meinen Test dann auch ein Buch ausgewählt habe, das mit beziehungsneurotischen Elfen nichts zu tun hat (Testergebnis folgt). Robert Corvus hingegen war für mich bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Aus dem Netz wusste ich, dass er eher düstere Fantasy schreibt. Da ich Andrzej Sapkowski, George R. R. Martin, Scott Lynch und Jim Butcher mit großer Begeisterung verschlungen und sowieso ein Faible für Hard Boiled-Geschichten habe, klang das schon mal gut. Als Testobjekt habe ich mir ‚Rotes Gold‘ besorgt, der derzeit aktuellste Roman.

Worum geht es?

Der Klingenrausch aus der Dämonen huldigenden Stadt Rorgator ist eine der berühmt-berüchtigtsten-Södnereinheiten der Welt. Als ihr Anführer Kester bei der Eroberung der Stadt Abidia einem Heckenschützen zum Opfer fällt, droht die Eliteeinheit zu zerfallen und nur dem Einfallsreichtum von Kesters Tochter Eivora und einem neuen Auftrag ist es zu verdanken, dass es vorläufig nicht soweit kommt. Der Klingenrausch soll einen machtgierigen König dabei unterstützen, die als uneinnehmbar geltende Stadt Ygôda zu erobern. Eivoras ganzer Einfallsreichtum ist gefragt, sich selbst als plötzliche Anführerin der schlachtentscheidenden Untereinheit zu beweisen, den Auftrag zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und herauszufinden, wer innerhalb des Klingenrauschs Ränke gegen wen schmiedet…

Wer hat es geschrieben?

Robert Corvus, Autor mit (ich erwähnte es bereits) gutem Musikgeschmack (ich freue mich immer, wenn noch jemand The Vision Bleak kennt und mag, und er hat sogar das gleiche Bandshirt wie ich) und einem sehr sehenswerten Videoblog, in dem er über sein Leben als Schriftsteller, Schreibtheorie und die Hintergründe der Buchbranche plaudert, oder mit einer Kamera über Conventions läuft und alles interviewt was nicht rechtzeitig geflohen ist.

Wie sieht das aus?

Zuerst erinnerte mich das Cover an eine Kopie von Saurons Helm aus den Herr der Ringe-Verfilmungen, doch nach Lektüre des Buchs ergibt das Motiv eindeutig einen Sinn.

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Und wie fand ich das nun?

Ich habe ‚Rotes Gold‘ im Regionalzug von Göttingen nach Kassel angefangen zu lesen und habe nach zwei Seiten den lautstarken radwandernden Kegelclub einen Vierersitz weiter erfolgreich mental ausblenden können. Das spricht bei meinem leicht zu Reizüberflutung neigenden Ich schon mal eindeutig für ein Buch.

‚Rotes Gold‘ ist kein Buch für zartbesaitete Leserinnen und Leser. Es ist dreckig, brutal, fies und gemein. Und das ist gut so. Es zeigt, dass auch die Leute, die oft genug Antagonisten rechtschaffener, guter(TM) Helden sind, eigentlich nur ganz normale Leute mit ganz alltäglichen Sorgen und Nöten sind, auch wenn sie Feuerdämonen verehren. Ein interessanter Aspekt sind die jede Söldnereinheit begleitenden Avatare der Dämonen, eine Symbiose aus einem Menschen und einem dämonischen Homunculus, und das titelgebende magische Schwertfeuer, das sie entfachen können, quasi die virtuell zum Leben erweckte Schlachtfeldkarte der Fantasy. Der Avatar des Klingenrauschs, Chastro-Ignuto, ist jemand, den man als Leser gleichzeitig sowohl aufgrund seines notorischen Sadismus hassen als auch irgendwie bedauern kann, weil er damals so dumm war, sich auf diesen Pakt einzulassen, den er mittlerweile in den wenigen Momenten, in denen sein dämonischer Symbiont schläft, zutiefst bereut. Aber die Existenz als Avatar bedeutet Macht. Eine Macht, die auch eigentlich zutiefst rechtschaffene Personen anlockt, die mehr als genug Leid und Verzweiflung gesehen haben und nach einer Möglichkeit suchen, diesem endlich ein Ende zu bereiten.

Eivora als Hauptfigur ist eine interessante Protagonistin. Mit weiblichen Figuren tue ich mich oft schwer (die Gründe würden genug Stoff für einen eigenen Blogpost bieten). Aber Robert Corvus ist es mit Eivora gelungen, diverse gängige Klischees zu umschiffen. Sie hat ihre Stärken, ist aber keineswegs unfehlbar und auch nicht vollbusig und supersexy, aber trotzdem von allen gemobbt und so weiter. Außerdem hat sie mal ein echtes Hobby, das nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hat. Und als ihr ein Mann begegnet der sie interessiert, ergreift sie die Initiative, schmachtet nicht ewig passiv in der Gegend rum und gibt auch anschließend nicht ihr Hirn an der Garderobe ab (was viel zu viele ach so kämpferische Protagonistinnen in Romanen, sobald sie ihrem evil bad boy Traummacker begegnet sind, leider tun…). Die daraus resultierende Sexszene kam zwar nicht an das kreative Meisterstück aus aus Andrzej Sapkowskis ‚Die Dame vom See‘ ran, war aber trotzdem mal was anderes als der übliche Quotensex.

Die im Buch enthaltene Karte zum Schauplatz Ygôda ist schön gezeichnet und half sehr dabei, die Situation anschaulich zu machen.  Was ich allerdings etwas vermisst habe, sind eine Weltkarte und eine genauere Weltenbeschreibung. So bleibt leider unklar, wo Rorgator, Ygôda und Abidia im Verhältnis zueinander liegen und wie die allgemeine Beschaffenheit der Welt aussieht, auf die scheinbar sowohl Götter als auch Dämonen Einfluss haben.

Der Schreibstil ist der rauen Welt der Söldner angemessen eher nüchtern, sachlich und präzise, große sprachliche Schnörkel sucht man vergebens. Manche Situationen und allgemein die Beschreibung der Stadt Ygôda kamen mir als Liebhaberin ausführlicher Beschreibungen allerdings etwas zu kurz.

Und an einer Stelle muss die Diplom-Geowissenschaftlerin in mir doch mal klugscheißen. Im Glossar wird Lava als Gestein beschrieben, was umgangssprachlich auch gerne mal so genannt wird. Nach der geologischen Definition bezeichnet Lava jedoch flüssiges Gestein, das an die Oberfläche getreten ist (im Gegensatz zu Magma, wie die gleiche Sache genannt wird, solange sie noch nicht an die Erdoberfläche gekommen ist). Das im Buch beschriebene Gestein heißt korrekt Basalt (zumindest gehe ich davon aus, dass es Basalt ist, wenn das Ursprungsmaterial eher dünnflüssig ist) und nicht Lava. Ja, was geologische Terminologie betrifft, bin ich immer sehr erbsenzählerisch, zu irgendwas muss mein Studium ja gut sein. (Immer wenn ich zum Beispiel den Schicksalsberg in den Herr der Ringe-Verfilmungen sehe, habe ich auch das dringende Bedürfnis, mit dem Kopf die Tischkante zu bearbeiten. Bei derartig flüssiger Lava entsteht nie und nimmer ein so steiler Vulkan. Aber im Kino hätte es vermutlich wesentlich weniger spektakulär ausgesehen, wenn Frodo und Sam gemütlich die sanften Hänge eines Schildvulkans hochgelatscht wären.)

Insgesamt ist ‚Rotes Gold‘ ein schönes Buch, wenn man auch mit der dreckigen, düsteren Seite der Fantasy etwas anfangen kann. Außerdem gefällt mir das Konzept des Schwertfeuer-Zyklus, aufeinanderfolgende aber in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. Ich bin gespannt, wie es mit Eivora und dem Klingenrausch in der Fortsetzung ‚Weißes Gold‘, die Anfang 2017 erscheinen wird, weitergeht. Robert Corvus hat den Solo-Lesetest definitiv bestanden. Und wie ich herausgefunden habe, hat er auch ein paar völlig in sich abgeschlossene Bücher geschrieben. Lieber Ex-Mitbewohner, falls du das liest, deine jährliche Geburtstagsgeschenkchallenge (Ich wünsche mir einen in sich abgeschlossenen Fantasyroman) wurde hiermit sehr viel einfacher!

Festivalbändchenbanner

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Haken an der Sache

Alle Festivalgängerinnen und -gänger kennen es – Das Festivalbändchen. Manche Leute sammeln sie über Jahre am Arm, ich habe die Bändchen der Saison immer bis zum Wachetreffen getragen und dann abgeschnitten. Aber was macht man dann damit? Zum Wegwerfen fand ich sie immer einfach zu schade, deshalb habe ich sie in einer Schublade meiner Schreibtischkommode gesammelt, bis mir schließlich die zündende Idee kam, wie ich sie angemessen zur Schau stellen kann. Hiermit präsentiere ich: Das Festivalbändchenbanner!

festivalbanner

Die Grundlage ist aus schwarzer Ditte, in Form geschnitten, gesäumt und oben mit einem Durchzug für den Stab versehen. Wieder ein reines Vorratsprojekt, selbst die Stange ist noch ein Rest vom Adventskalender für das Patenkind. Ich habe absichtlich unten noch viel Platz gelassen, für zukünftige Festivals. Das Banner repräsentiert auch längst nicht alle Festivals auf denen ich je gewesen bin, doch vor allem auf kleineren Veranstaltungen gab es oft nur ein Papierarmband. Dennoch, ein schönes Souvenir von mittlerweile 13 Jahren Rock’n’Roll auf diversen Äckern.

Was macht ihr eigentlich mit euren Bändchen?

Metal im Zeichen des Oktopus

Musik: Slayer – Dead skin mask

Alles begann damit, dass der beste Manowar-Fan und ich so um das letzte Silvester herum beschlossen, dass wir 2016 unbedingt auf ein Sabaton-Konzert müssen. Und da ich die besten Freunde der Welt habe, bekam ich zum Geburtstag von allen zusammen ein Ticket für das Elb-Riot, wo unter anderem auch besagte Band spielte.

ElbRiot

Und so machten der beste Manowar-Fan der Welt, der Tilmensch, Bran und ich uns im Wohnmobil nach einem Zwischenstop beim Media Markt zwecks Erwerb der neuesten Sabaton-CD auf nach Hamburg. Unterwegs der erste Schock: Die CD sprang und spielte manche Lieder gar nicht erst ab! Frust machte sich breit, bis wir es schließlich mit der wissenschaftlichen Methode versuchten – Spielt der Player denn andere CDs ab? Dies war nicht der Fall, weshalb Sabaton nun wirklich keine Schuld traf. Dank einiger Baustellen und einem richtungsverwirrten Navi, das uns zwischen zeitlich zurück nach Göttingen lotsen wollten, trafen wir nach viereinhalb Stunden Fahrt auf unserem idyllisch am Elbdeich gelegenen Campingplatz ein. Um nicht von den Hamburger Öffis abhängig zu sein, hatten wir unsere Fahrräder mit eingepackt, die wir nur noch schnell abluden und uns dann sofort auf die 13 Kilometer lange Randtour zum Gelände machten. Schließlich wollten wir Powerwolf nicht verpassen. Für jemanden wie mich, die Sport als etwas betrachtet was anderen Leuten zustößt, war die Fahrt schon eine mittlere Sporteinheit, aber so lernte man mal den Elbdeich und das Industriegebiet kennen. Andererseits erweckte die Strecke, auf der die höchsten Erhebungen der Deich und die Brücken waren, alte Bremer Heimatgefühle. Nach einer guten Dreiviertelstunde Fahrt erreichten wir das Festivalgelände am Hamburger Großmarkt und die im Internet versprochene Fahrradgarage hielt auch, was sie versprach. Bei der Bändchenausgabe ging auch alles sehr zügig und so konnten wir noch ohne Eile die lange, lange Strecke vom Einlass zur Bühne entlangschlendern. Der Veranstalter war findig genug, auf halber Strecke die erste Bierbude aufzubauen, die auch sofort für die Mitnahme eines Wegbiers genutzt wurde. Das hatten wir uns redlich erradelt.

Ich war sofort von der Bühnendeko begeistert. Oktopusse! Damit kriegt man mich ja immer. Powerwolf lieferten wie immer eine klasse Show, nur dass ihr Auftritt im noch hellen Tageslicht nicht ganz so die epische Priesterkutten-Corpsepaint-Wirkung hatte wie sonst. Manche Bands funktionieren live einfach besser in stilechter Finsternis. Nichtsdestotrotz hatten wir eine Menge Spaß und nachdem sie mich auf dem RockHarz schmählich im Stich gelassen hatten, kam nun auch der Rest der Gang mal in den Genuss der Leistungswölfe. Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann auch Sabaton die Bühne und nahmen das Festival auseinander. Zugegeben, die drei großen Bier auf nüchternem Magen mögen auch eine Rolle gespielt haben, aber so geflasht war ich schon lange nicht mehr auf einem Konzert. Wir kamen nun trotz des spinnenden CD-Players doch noch in den Genuss einiger Lieder des neuen Albums und als sie ‚Gott mit uns‘ als ‚Noch ein Bier – as we all drink united‘ spielten, konnten der Tilmensch und ich es nicht mehr lassen und mussten unseren traditionellen Discofox tanzen. Erstaunlicherweise fanden wir auch gleich mehrere Nachahmer. Der Wunsch nach alternativer Tanzmusik scheint verbreiter zu sein als wir ahnten. Nach Sabaton gönnten wir uns noch einen dänischen Hot Dog und radelten dann gemütlich wieder heim zur Homebase alias Wohnmobil.

Zum Luxus des Campingplatzes gehörte auch ein Brötchenbestell-Service, sodass wir den Tag dekadent mit Brötchen beginnen konnten. Da Faulenzen hoch im Kurs stand, wurde es auf dem Weg zum Festivalgelände, wo wir und Fear Factory als erste Band des Tages anschauen wollten, etwas hektisch, und dank eines sehr gut versteckten Geldautomaten und einigen versemmelten Sinnenschärfe-Proben um ihn zu finden verpassten wir leider doch die ersten Lieder. Der Rest des Konzerts war aber sehr gut und kurz darauf stießen auch Isol und ihr Freund zu uns. Mein Versuch, ein Festivalshirt zu erwerben (Oktopus!!!!!) verlief leider ins Leere, weshalb ich mich an die Futterstände hielt. Nach Fear Factory kamen At The Gates mit einer Runde ordentlichem Geknüppel und Paradise Lost mit einer Dosis Gothic Metal. Mit Asking Alexandria wurden wir allerdings alle nicht so wirklich warm. Es klang irgendwie, als könnten sie sich nciht entscheiden, ob sie wie Linkin Park, In Flames oder Machine Head klingen wollten, und es kam auch im Publikum keine richtige Stimmung auf. Danach legten Carcass aber wieder ein ordentliches Brett hin und auch Mastodon waren ganz nett. Zwar fehlte für meinen Geschmack das gewisse Etwas, aber als Hintergrundbeschallung konnte man es gut hören. Zwischendurch drohte mal eine Gewitterfront, die sich aber angesichts des Headliners wieder auflöste. Selbst Gewitter haben Angst vor Slayer! Tom Araya quatscht nicht viel herum, stattdessen gab es eineinviertel Stunden musikalisch auf die Fresse. Ein sehr gelungener Abschluss des Festivals.

Die Heimfahrt am Sonntag führte mitten durch die Reste des Schulferienrückreiseverkehrs, woraufhin das Navi uns einige Ausweichrouten vorschlug. Eine führte direkt an einem Militärgelände vorbei, was angesichts eines Verkehrswegs nur für Militärfahrzeuge folgende Frage aufwarf: Wenn wir laut genug Sabaton hören, geht das Wohnmobil als Panzer durch?

Insgesamt war es mal wieder ein tolles Wochenende mit meinen Freunden und Sabaton haben für 2017 schon eine Tour angekündigt. Mal schauen.

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Himmelsturm

Musik: Savatage – The Dungeons are calling oder Rhapsody of Fire – Bloody Red Dungeons. Sucht es euch aus oder hört einfach beides.

Worum geht es? Ein sehr bekannter britischer Fantasyautor schrieb mal sinngemäß: „Wenn sich irgendwo ein großer einladender Hebel befindet, über dem ein Schild mit der Aufschrift ‚Wer diesen Hebel zieht, wird das Ende der Welt auslösen‘ hängt – Wie lange dauert es wohl, bis jemand diesen Hebel betätigt? Antwort: Die Farbe auf dem Schild hätte keine Zeit, zu trocknen…“

Nun stelle man sich einen Dungeon mitten im ewigen Eis vor. In einem Raum in der Nähe des Eingangs hängt ein großer, einladend wirkender Gong. Was wird höchstwahrscheinlich mindestens einer der lieben Spieler mal ausprobieren? Genau. Willkommen im Himmelsturm, dem wohl berühmt-berüchtigtsten Dungeon Aventuriens, der vermutlich mehr Spielleiter in den Wahnsinn getrieben hat als der gesammelte Kreaturenzoo von H. P. Lovecraft.

Zu diesem Dungeon zieht es nun die beiden um den Titel ‚König der Meere‘ streitenden Drachenschiffkapitäne Asleif ‚Foggwulf‘ Phileasson und Beorn ‚Der Blender‘ Asgrimmson, denn sein Geheimnis zu erkunden ist die zweite Aufgabe, die sie zur Erlangung des Titels lösen müssen. Was werden sie in den eisigen Tiefen des Turms, um den sich zahlreiche schaurige Legenden ranken, vorfinden?

Wer hat’s geschrieben? Die gleichen Verdächtigen die auch den Vorgängerband geschrieben haben, namentlich Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Und wie sieht das aus? Sehr hübsch hellblau, auch wenn das Coverbild nicht dem wahren Aussehen des Himmelsturms entspricht. Sehr begeistert haben mich mit meinem Oktopusfimmel die Vignetten zum jeweiligen Kapitelbeginn: Ein thorwalsches Ornament, aus dem sich Tentakel winden. Da muss ich Robert Corvus recht geben: Alles ist besser mit Tentakeln, weshalb auch noch ein wenig Deko mit aufs Foto musste und ich mich mal dilettantisch in schicker Hipster-Blogfotografie versucht habe.

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Und wie fand ich das nun? Wie schon der Vorgängerband ‚Nordwärts‘ beginnt ‚Himmelsturm‘ mit einem ca. 80seitigen Prolog, der sich dieses Mal mit dem Magier Abdul el Mazar beschäftigt und wie es dazu kam, dass er in die ziemlich haarige Situation geriet, in der die Helden später auf ihn treffen. Für mich war es die erste richtige Begegnung mit Abdul, weil ich ihn aus verschiedenen Gründen aus meiner Version der Saga gestrichen hatte, und er war mir auf Anhieb sympathisch. Insgesamt hat mir dieser äußerst spannende Prolog wesentlich besser gefallen als der des ersten Bandes, auch wenn ich mit selbigem mittlerweile aus Spielleitersicht auch meinen Frieden geschlossen habe, denn mit etwas Arbeit ließe sich daraus letztendlich ein schönes Detektiv-Einstiegsabenteuer für die Saga stricken.

Dann ging es los mit dem epischen Dungeoncrawl, der einem auch Beorns Mannschaft wesentlich näher gebracht hat. Blieben sie im ersten Band größtenteils eindimensional und blass, konnten sie hier auch mal zeigen, was abseits von der Gier nach Beute charakterlich in ihnen steckt und auch Beorn selbst kommt nicht mehr als völlig kaltherzig und skrupellos rüber. Es scheint zudem, dass er genau die Traviageweihte bekommen hat, die zu ihm passt. Jetzt, wo man sie endlich mal näher kennenlernt, entpuppt sich Lenya als sehr interessante Figur, die heimliche Sympathien für eine andere, gnadenlosere Gottheit hegt. Auch der finstere Elf Galayne ist in seiner Undurchschaubarkeit sehr faszinierend und man fragt sich immer wieder, was wohl sein heimlicher Plan sein mag. Denn dass er mehr über den Himmelsturm weiß, als er den anderen gegenüber zugibt, ist von Anfang an klar wie Kloßbrühe. Sehr lachen musste ich, als Beorn Asleif abfällig einen Kartenzeichner nannte, das ist nämlich genau die Formulierung, mit der wir Geologen uns gerne mal über die Geographen lustig machen. Dennoch, wäre Beorns Mannschaft eine Rollenspielgruppe, wäre es größtenteils die Fraktion der Loot- und Erfahrungspunktejäger, während sich die Charakterspieler eher um Phileasson gesammelt haben.

Während Beorns Truppe sich also mit Gewalt daran machte, dem Himmelsturm sein Geheimnis zu entreißen, gingen Phileasson und seine Mannschaft mit echtem Forscherdrang vor und besonders die Erstkontakt-Szene mit den Bewohnern des Turms hat mich stark an Star Trek erinnert. Die gewonnenen Erkenntnisse und gemeinsam durchgestandenen Gefahren führten dazu, dass sich die Figuren teils deutlich weiterentwickelt haben. So hat der Magier Tylstyr endlich sein ‚ich bin eh unfähig‘-Mimimi abgelegt, Shaya entdeckt ihre kämpferische Seite, und was mit dem Elfen Salarin geschah – Sagen wir es so, ich habe nun einen gewissen Verdacht, welches Schicksal ihm im Laufe der Saga zuteil werden wird. Leider kam Ohm Follker in diesem Band etwas zu kurz, ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Bänden wieder. Und Irulla hat hat ihre Ankündigung wahr gemacht, sogar im Himmelsturm eine Spinne zu finden.

Sehr schön fand ich, dass Asleif auch nicht immer lieb und nett spielt, sondern, wenn die Situation es erfordert, genauso skrupellos vorgehen kann wie Beorn. Das hat der Figur sehr gut getan und mein inneres Fangirl sehr gefreut. Ein gewisses schurkisches Potential braucht eine Figur nun mal, um bei mir zu punkten, und sein wir mal ehrlich: Es gibt mindestens ein Reich Aventuriens, für das der große Entdecker Asleif Phileasson auch nur ein glorifizierter Pirat ist, und so ganz unrecht haben sie damit objektiv betrachtet nicht.

Insgesamt hat mir ‚Himmelsturm‘ sehr gut gefallen, die Luft nach oben, die bei ‚Nordwärts‘ noch drin war, wurde gut ausgenutzt. Lediglich die letzte Szene vor dem Epilog hat für mich nicht so funktioniert. Erst wird eine ziemlich spektakuläre Bedrohung aufgebaut, die dann schnell mit einem im wahrsten Sinne des Wortes Deus Ex Machina beseitigt wird und dann werden noch schnell ein paar Dinge angerissen und das war’s. Die Szene wirkte auf mich etwas unfertig, da wäre noch mehr drin gewesen. Aber trotzdem: Daumen hoch!

Und was war nun mit dem Gong? Nun, der Roman zeigt noch eine dritte Möglichkeit auf, was passieren könnte, die besonders die eher sadistisch veranlagten Spielleiter erfreuen dürfte. Hmmm… *streicht sich über den imaginären Ziegenbart*

 

 

*** SPOILER ***

Und wieder mal haben mich viele Szenen so an meine Spielrunde erinnert. Besonders Phileassons spektakulärer, eleganter, Matrix-würdiger (zu irgendwas muss eine Gewandtheit von 15 ja gut sein) Chimären One-Hit-Kill und sein anschließender Kommentar, dass das ja nicht immer so einfach wäre, hat mich zum Grinsen gebracht. So fing das ganze Elend bei meiner Gruppe nämlich an: Die Zwergenkriegerin erledigte die Chimäre im Labor mit einem einzigen wohlgezielten Hammerschlag, woraufhin alle einschließlich mir (die sich eigentlich einen spannenden Kampf erhofft hatte) der Meinung waren, so schwer seien die Viecher ja nicht umzuhauen, und der Endkampf in den Hallen des Feuers die Gruppe dann ziemlich zerlegte, weil sie auf einmal nur noch Grütze würfelten (inklusive des berühmten schweren Eigentreffers beim Backstabbing). Aber darauf, das Aquarium zu zertrümmern um die Verfolger aufzuhalten, ist meine Gruppe auch gekommen, was ihnen in ihrem Zustand definitiv den Hintern gerettet hat. Natürlich hatte auch einer meiner Spieler etwas aus dem Grab im Eis mitgehen lassen, weshalb er dann auch Besuch von der für alle anderen unsichtbaren Raubkatze erhielt. Im Gegensatz zu Hallar hat er es sogar überlebt. Vhascals Aktion unten in der Halle des Feuers war ja mal ein Paradebeispiel für saudumme Dinge die ein neugieriger Charakter tun würde wenn er seine Neugier-Probe spektakulär verpatzt hat, weshalb ich mich köstlich darüber amüsiert habe. Ich überlege ja ernsthaft, die altehrwürdige thorwalsche Tradition des Spießrutenlaufens in einen hypothetischen nächsten Kampagnendurchgang einzubauen, einfach um die Spieler von dem allergröbsten Dummfug abzuschrecken.

Und ich denke, nun ist wohl klar, wie die Phrase ‚Missgünstige Elfen‘ zustande kam. Nach dem Kampf gegen Kayil’yanka und ihre Truppe meinte einer der Spielercharaktere ‚Die waren ja ganz schön missgünstig, diese Elfen‘ und irgendwie blieb das bis heute hängen.

Jetzt heißt es warten auf  Band 3. Die Geschichte, wie das Abspielen des Benny Hill-Themes in gewissen Situationen in meiner Spielrunde zur Tradition wurde und warum ich nur das Wort ‚Karen‘ aussprechen muss um kollektives Aufstöhnen zu ernten.

Mal wieder ein paar Sechsecke

Musik: Amanda Palmer – Ukulele Anthem

Es wird mal wieder Zeit, die Sechseck-Ausbeute der letzten anderthalb Monate zu zeigen. Und ich habe nun endlich einen Plan, wie die fertige Decke mal aussehen soll. Die ausgekreuzten schwarzen Sechsecke sind schon erfolgreich bestickt. Ich habe also noch eine Menge Arbeit vor mir.

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Als Tauschobjekt für den ersten Schwung Häkelornamente habe ich zwei Sechsecke von Isol bekommen. Einmal eine Erinnerung an unser gemeinsames Studium der Geowissenschaften und zum zweiten das wohl bissigste Gepäckstück der Galaxis, bekannt aus den Scheibenwelt-Romanen des großen Terry Pratchett. Ist sie nicht schön geworden?

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Dann habe ich mich mal wieder in Seriengefilde gewagt. Links das Planet Express-Logo aus Futurama, rechts Babylon 5, die Science Fiction-Serie mit dem für ihre Zeit ausgeklügeltsten Plot und zahlreichen Tolkien-Eastereggs.

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Da ich viele Jahre (insgesamt 10 mal) nach Wacken gefahren bin, musste das natürlich auch auf der Decke verewigt werden. Rechts sind einige Motive aus der Belgariad-Saga von David Eddings zu sehen: Belgarath in Wolfsform, Polgara in Eulenform und der Orb of Aldur.

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Links Skyrim. Mittlerweile bin ich bei etwa 600 Stunden Spielzeit und beim zweiten Charakter und fest entschlossen, mal Stufe 80 zu knacken. Rechts ‚Lycidas‘ von Christoph Marzi, für mich immer noch mit das Beste das die deutschsprachige Fantasy je hervorgebracht hat. Wittgenstein ist eine meiner absoluten Lieblingsfiguren aller Zeiten und ‚Fragen Sie nicht‘ eine seiner Catchphrases.

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Hier geht projekttechnisch gerade mal wieder alles wild durcheinander, weil sich ganz spontan noch ein Großprojekt mit Deadline Mitte Oktober eingeschlichen hat. Aber dazu mehr in einem eigenen Post. Ich sage nur so viel: Ich werde Gitarre spielen. Rette sich wer kann.

 

Ihr seid gut, ihr trefft Töne!

Musik: Satyricon – K.I.N.G.

Meine Freunde und ich haben uns mal wieder für vier Tage Dreck, Dixis und Dosenbier von der Zivilisation verabschiedet. Mit anderen Worten: Es war RockHarz und wir mittendrin.

Mittwoch

Mittlerweile haben wir den absoluten Gipfel der Festivaldekadenz erreicht, da sich der beste Manowar-Fan der Welt ein Wohnmobil zugelegt hat. Mit diesem Riesengeschoss machten der Tilmensch, Bran und ich uns am Mittwoch Mittag als Vorhut auf den Weg, um schon mal den Zeltplatz-Claim abzustecken. Unter Zuhilfenahme aller Beteiligten (Kommt was von rechts?) schafften wir es unfallfrei aufd Festivalgelände und hatten das große Glück, gerade in die Eröffung eines neuen Zeltplatzabschnitts hineinzurutschen, sodass wir unser Lager ganz entspannt mit reichlich Platz in der Mitte aufschlagen konnten. Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo das große Quetschen angesagt war. Da wir ohne Stau durchgekommen waren, blieb noch genug Zeit, im Camp zu chillen, die ersten Bierdosen zu knacken und sich der handgemachten Musik zu widmen. Vor anderthalb Wochen habe ich nämlich meine Gitarre mal wieder aus dem Keller ausgegraben und mir die Akkorde zu Empire of the Clouds von Maiden aus dem Netz gesucht. Und so schrubbten der Tilmensch auf der Ukulele und ich auf der Klampfe fröhlich vor uns hin, während sich um uns herum der Zeltplatz langsam füllte. Ich hatte schon vergessen, wie viel Spaß Gitarre spielen eigentlich macht. Man muss nicht gut sein, sondern einfach machen, dazu grölen und die Nachbarn verschrecken. Und Punk-Klassiker wie ‚Bullenwagen klaun und die Innenstadt demoliern‘ lassen sich ein einer Minute lernen. Gegen Abend stand dann mit JBO das erste Konzert an. Irgendwie zündeten sie bei mir nicht so ganz (vermutlich war ich noch zu nüchtern), aber es gab es rosa Wasserbälle, die auf das Publikum herabregneten, und von denen wir uns einige unter den Nagel rissen mit dem Plan, sie beim Konzert der finstersten Black Metal-Band des Festivals wieder ins Publikum zu werfen. Und als Outro schossen sie das Deep Space Nine-Thema in voller Lautstärke durch die Boxen, was schon definitiv episch war. Danach ließen wir den Abend ruhig mit Nudeln vom Wohnmobil-Gasherd ausklingen. Als ich dann im Zelt lag, konnte ich trotz Ohrenstöpseln hören, dass es in einem der Nachbarcamps auch einen Gitarrenspieler gab, der sich mit fortschreitender Zeit und fortschreitendem Getränkepegel in immer seltsamere Trinklieder verstrickte. Ich war kurzzeitig versucht, noch mal aus dem Schlafsack zu krabbeln und ihm Empire of the Clouds in die Hand zu drücken.

Donnerstag

Der Donnerstagmorgen begann um Punkt acht Uhr mit den Idioten von zwei Camps weiter, die lautstark ‚Guten Morgen, Sonnenschein!‘ über den Zeltplatz schallen ließen. Aargh! Ich habe ja absolut nichts dagegen, wenn die Leute bis spät nachts auf dem Campingplatz feiern, das gehört zu nem Festival dazu, aber Leute die früh morgens lautstark krampfhaft gute Laune verbreiten wollen, gehören in einem finsteren mitternächtlichen Ritual zu den Klängen von Immortal notgeschlachtet. Nach dem unsanften Wecken war erstmal Faulenzen, Lesen und weiteres Musik machen angesagt, bis wir um halb vier unsere Freundin Nici samt Ukulele Nummer 2 mit einer Dose eisgekühltem Bier vom Bus abholten. Danach ging es gemütlich weiter, bis wir uns zur ersten Band des Tages aufmachten, die wir sehen wollten – Gamma Ray. Die lieferten ein ordentliches Brett ab. ASP musste ich nicht unbedingt sehen, deshalb ging ich zurück zum Camp, Biernachschub holen, und beobachtete mit einem Auge das EM-Halbfinale Deutschland-Frankreich. Nach dem 0:2 war klar, dass das nichts mehr wird – Da waren Saxon eindeutig die verlockendere Alternative. Faszinierend, wie Biff gesanglich immer noch abgeht, obwohl er noch mal 7 Jahre älter ist als The Bruce. Und was das Thema Haare angeht hat er mit seiner schneeweißen Mähne sowieso haushoch gewonnen. Tolles Konzert, obwohl sie mein Lieblingslied von ihnen dieses Mal leider nicht gespielt haben. Auf dem Heimweg machten wir uns noch potentiell unbeliebt, weil wir ohne Rücksicht auf trauernde Fußballfans lautstark ‚Bier gegen Bullen und Deutschland‘ sangen. Dann wollten die anderen auch schon ins Bett, aber ich war noch nicht müde, weshalb ich noch bei unseren Nachbarn (nicht den Idioten) vorbei schaute und bei ihnen weiterfeierte. Sie hatten eine wirklich gute Musikauswahl auf ihrem Rechner und wir haben uns im Laufe der Tage so manches Mal gewünscht, dass den anderen Gruppen um uns herum ihre Anlagen um die Ohren fliegen. Warum stundenlang Kirmestechno ertragen müssen, wenn man auch Maiden hören könnte?

Freitag

Mein Gebet an die Götter Asgards wurde erhört: Der Morgen begann nicht mit schlechter Beschallung, sondern immerhin nur mit dem langsamen Erhitzen des Zelts durch die Sonne und dem anschließenden üblichen Tagesprogramm. Als erste Band des Tages stand Coppelius auf dem Programm. Wie immer sehr gut, auch wenn sie dieses Jahr nur ein Maiden-Cover gespielt haben. Dafür gab es die Wall of Friendliness. Das Publikum teilt sich in der Mitte, geht dann langsam aufeinander zu und wenn man sich in der Mitte trifft, gibt man sich die Hand und sagt etwas Nettes. Sehr stilvoll. Dann tauchte auch der Tilmensch mit dem besten Manowar-Fan der Welt im Schlepptau auf und wir waren endlich komplett. Zurück beim Zelt wurde erstmal ausgeibig gegrillt, während am Himmel dunkle Wolken aufzogen und wir schon Schlimmes befürchteten, aber bis auf einen kurzen Angstschauer kamen wir davon. Für Erheiterung sorgte auch einer der Idioten von zwei Camps weiter, der plötzlich in einem neongelben Mankini auf dem Dach seines Autos herumsprang. Festivals scheinen irgendwie das innere Kind im Menschen rauszulassen. Es gab wieder die üblichen kreativen Basteleien aus leeren Bierdosen, Gaffatape und sonstigem Gerümpel und auch ein paar andere nette Aktionen jenseits von dämlichen ‚Titten raus‘-Schildern. Eine Gruppe hatte ein Wörterbuch auf einem Tisch ausgelegt und mit einem Schild dazu aufgefordert, ihnen einen Begriff daraus vorzulesen, andere Leute hatten sich aus Pappkartons spontan Roboterkostüme gebastelt und liefen damit übers Gelände. Nächster Halt: Satyricon. Angemessen düster um die rosa Wasserbälle zum Einsatz kommen zu lassen. Ja, wir unverbesserlichen Trolle. Anschließend gingen der beste Manowar-Fan und ich eine Runde die Merchandise-Stände abchecken und deckten uns mit Sabaton-Patches ein. Saltatio Mortis schenkte ich mir, um dann mit einem neuen Bier wieder pünktlich zu Beginn der Rocky Horror Tobi Show alias Avantasia einzutreffen. Ich bekam, wofür ich gekommen war – 2 Stunden erstklassigen kitschtriefenden Power Metal und das übliche Gequatsche vom Tobi, der auch dieses Mal wieder für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgte. Glücklich kippte ich ins Zelt.

Samstag

Same Procedure as every Morning, wobei diverse Skalen erfunden wurden. Sonnencremedicke von eins bis Corpsepaint. Verschmiertes Augen-Make-Up von eins bis Satyricon. Und schlechter Sex von… nun ja, lassen wir das. Zwischendurch fand ich sogar noch Zeit, meinen neu erworbenen Sabaton-Patch auf die Kutte zu nähen, wo er nun thematisch passend neben dem Maiden-Patch mit Machine Gun-Eddie wohnen darf. Musikalisch begann der Tag mit Gloryhammer, der Zweitband von Alestorm. Die Power Metal-Band die noch kitschiger ist als Avantasia und das mit voller Absicht. Ob Posing mit einem Streithammer, lustige Fellstiefel oder epische Mitsingchöre – läuft. Danach begann mein persönliches Sportprogramm – Erst Finntroll und direkt danach Ensiferum. Ich war hinterher sowas von im Arsch, weshalb im Wohnmobil erstmal Speed-Nudeln mit Soße a la ‚Veggiebolognese + Pizzatomaten + alles was wir sonst noch so an Gemüse im Wohnmobil finden und was weg muss + Chiliflocken‘ gekocht wurden und wir pappsatt zurück zu Children of Bodom rollten, deren fettes Brett fleißig beim Verdauen half. Während Subway to Sally spielten, füllte ich meinen Bierbecher noch mal auf und begab mich zu meinem persönlichen Favoriten des Festivals: Powerwolf. Was soll man dazu noch sagen. Ein Haufen als Priester verkleidete Leute mit Corpsepaint, die abgefahrenen Power Metal mit leichtem Gothic-Einschlag spielen, mit einem rumänischen Opernsänger als Frontmann. Letzterer steckt stimmlich so ziemlich alles in die Tasche – gelernt ist halt gelernt. Ein rundrum geniales Konzert, von der Circle Pit rückwärts über das Reenacten des isländischen Fußballschlachtrufs (Huh!) bis zum Kommentar des Sängers über unsere Mitsingkünste: ‚Ihr seid gut, ihr trefft Töne!‘ Immer noch total geflasht latschte ich mal wieder zurück zum Zelt und wägte meine Optionen ab. Ich könnte jetzt schlafen gehen. Aber ich habe noch genau eine Dose Bier und nachher spielen noch Versengold, von denen ich immerhin zwei Lieder mitsingreif kenne. Am Ende wurden es Bier und Versengold und ich war wirklich positiv überrascht von der Band. Auf CD klingen sie teilweise eher lahm, aber live gingen sie ordentlich ab. Man stelle sich eine Mischung aus Fiddler’s Green und einer besseren Version von Schandmaul vor. Ein schöner Abschluss des Festivals.

Am Sonntag folgten das übliche Abbauen und das mittlerweile traditionelle Looten des Campingplatzes. Für mich sprang eine neue Klappkiste dabei heraus und unseren Auftrag nach roter und grüner Pavillonplane für einen neuen Schattenweber-Merchpavillon konnten wir auch erfüllen.

Nächster Halt Mitte August: Elb-Riot. Mit Sabaton. Und Slayer. Und noch mal Powerwolf. \m/

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