Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Einfach mal Blau machen

Musik: Avantasia – Twisted Mind

Nach langer Durststrecke und vielen Sechsecken, Metalkissen, Strickschals und Mass Effect-Zockorgien habe ich endlich mal wieder was für mich zum anziehen genäht. Die Geschichte dahinter ist eine längere.

Meine Mutter hatte einen Jeansrock aussortiert, der mir zwar vom Schnitt recht gut gefiel, aber die Farbe – Hellblau und ich, das funktioniert einfach nicht. Also umfärben. Da meine Versuche, Klamotten schwarz zu färben, bisher immer in einem seltsamen matschigen Dunkelblau-Grau endeten wurde der Rock dann marineblau. Allerdings ist blau eine Farbe die in meinem Kleiderschrank eher selten vertreten ist, deshalb musste was Neues zum Kombinieren her. Von einem früheren Burda-Fail hatte ich noch anderthalb Meter dunkelblau-braunen Paisleystoff übrig, der eine Bluse werden wollte.

Der Schitt ist erprobt von meiner Schädelstoffbluse, sodass ich da nicht mehr groß herumbasteln musste (Iron Girl hat ein breiteres Kreuz, weniger Brust und anders verteilten Hüftspeck als ich, deshalb schlägt es an der Puppe etwas Falten). Hierbei handelt es sich um das Modell 118 aus der Burda 07/2000. Insgesamt habe ich für dieses Projekt nur Material aus meinem Vorrat verwendet, selbst die Vlieseline für den Kragen habe ich noch in der Handarbeitsmaterial-Erbmasse gefunden. Die Knöpfe stammen von einem anderen Burda-Fail als der Stoff (Ja, ich habe im Laufe der Zeit eine Menge Burda-Fails produziert). Dies ist auch das erste Projekt das ich auf der geerbten Privileg-Maschine genäht habe. Das Stichbild hat zwar noch etwas Optimierung nötig, aber im Gegensatz zur Eisernen Jungfrau hat das Maschinchen kein einziges Mal den Stoff gefressen, und das bei dem feinen Blusenbatist. Insgesamt hat sich das Erbstück also bewährt.

Ich glaube, so langsam habe ich mein lange vermisstes Näh-Mojo wiedergefunden. Als nächstes geht es meiner alten, kaputten Lederjacke an den Kragen. Ledernadeln für die Nähmaschine habe ich jedenfalls schon mal besorgt.

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Ich kann auch Trapeze

Musik: Metallica – Murder One

Nach all den benörgelten Büchern möchte ich mal wieder was Handgearbeitetes zeigen. Die Sechseckmenge wächst nämlich im Hintergund langsam aber stetig.

Links: Die Bourbonenlilie. Ein besseres Symbol für ‚Die drei Musketiere‘ ist mir nicht eingefallen.

Rechts: Elfquest. Ein epischer Comic über einen Stamm wolfsreitender Elfen, die von einer Feuersbrunst aus ihrer Heimat vertrieben werden und bei der Suche nach einem neuen Zuhause viele Abenteuer erleben. Eigentlich bin ich kein Elfenfan, aber die Elfquest-Elfen sind so ganz anders als die üblichen hochnäsigen, ätherischen, nahezu perfekten Spitzohren.

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Links: Das Stadtwappen der südschwedischen Stadt Ystad und das mit Abstand fitzeligste Sechseck das ich bisher bestickt habe. Es steht Pate für die Wallander-Krimis von Henning Mankell, die größtenteils rund um Ystad spielen.

Rechts: Das Wappen der Blutlinie Rötgrafen aus dem Pen&Paper-Rollenspiel Vampire the Requiem. Die Blutlinie meiner Nerd-Vampirin Denna Harris, die ich über ein Jahr lang gespielt habe.

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Links: Die Dienstmarke von Kommandeur Mumm von der Stadtwache von Ankh-Morpork.

Rechts: Skull and Crossbones für Long John Silver und all die anderen literarischen Piraten mit denen ich schon die Meere vieler Welten unsicher gemacht habe.

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Um am Rand des Quilts eine gerade Kante zu bekommen, brauche ich als Füllstücke einige halbe und Viertelsechsecke. Mit den halben, alias den Trapezen, habe ich nun angefangen. Damit sie nicht so leer aussehen, werden sie die Göttersymbole aus DSA bekommen. Insgesamt brauche ich 14 bestickte Trapeze und 16 unbestickte.

Fuhre 1: Praios (Gott der Wahrheit und des Gesetzes), Rondra (Göttin des Donners und des ehrbaren Kampfes), Efferd (Gott der Meere)

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Fuhre 2: Travia (Göttin des Herdfeuers, der Gemeinschaft und der Ehe), Boron (Gott des Todes und des Schlafs), Hesinde (Göttin des Wissens und der Magie), Firun (Gott des Winters, der Wildnis und der Jagd)

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Das macht 103 von 660 ganzen Sechsecken oder 15,61 %.

Büchernörgele: Tommy Krappweis – Mara und der Feuerbringer

Musik: Amon Amarth – As Loke falls

Tommy Krappweis lief mir bei meinem Einsatz als Schattenweber-Merchfeeräuberin zuerst als Musiker über den Weg, der sich mit den Schattenwebern die Bühnen teilte und dann auch bei der Ausstellerparty dadurch auffiel, dass er erstens mit der Conmusiker-Allstar-Band mit diversen Rock- Folk- und Bluesklassikern Feierstimmung verbreitete und zweitens dann nach einer Wardrobe Malfunction einfach ohne Hose weiterspielte. Das hat mich doch irgendwie nachhaltig beeindruckt und nach etwas Recherche fand ich heraus, dass der Mann nicht nur Bernd das Brot erfunden, sondern auch mehrere All Age-Fantasyromane geschrieben hat. Das musste ich im Zuge meines mehr Deutsche Autoren lesen-Projekts doch mal ausprobieren. Auch wenn All-Age wegen des üblichen Mädel-hängt-irgendwann-zwischen-zwei-Typen-fest-und-die-Handlung-dreht-sich-fast-nur-noch-darum-Klischees eigentlich nicht so meins ist, in diesem Fall galt, wenn das Buch nur halb so durch war wie sein Autor, konnte das eigentlich nur gut werden.

Worum geht es?

Mara Lorbeer hat zur Zeit mit einigen Dingen zu kämpfen – dem Erwachsenwerden, der Scheidung ihrer Eltern, dem Esoterikfimmel ihrer Mutter und der Tatsache, dass es unter Gleichaltrigen mal so gar nicht cool ist, lieber die Beatles als Justin Bieber zu hören. Als ihre Mutter sie eines Tages zu einem mit Bäumen reden-Seminar schleppt, bekommt sie im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmerinnen tatsächlich eine Antwort. Ein sprechender Zweig offenbart ihr, dass sie eine Spákona ist, eine Seherin, und dass den alten Göttern und der ganzen Welt große Gefahr droht, wenn sie nicht hilft. Sigyn, die Frau Lokis, wurde von einem mysteriösen feuerbringenden Wesen entführt und es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass sich der gefesselte Loki aus seinen Ketten befreit. Verwirrt sucht Mara Hilfe bei dem Geschichtsprofessor Weissinger, dem es zuerst schwer fällt, ihre Geschichte zu glauben, und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie sie Ragnarök aufhalten können.

Wer hat es geschrieben?

Tommy Krappweis, Ex-Stuntman, Comedian, Produzent, Regisseur, Buchautor, Musiker und insgesamt ein Mensch mit vielen Talenten, der das meiner Meinung nach passendste Lied über die derzeitige Weltlage schlechthin geschrieben hat: Der Dunning Kruger Blues.

Wie sieht das aus?

Sehr rot. Und nein, es ist kein Buch zum Film, es gibt aber einen Film zum Buch, der es aufgrund der Aversion des deutschen Kinogängers gegen alle heimischen Produktionen die nicht a) ein Krimi, b) eine Beziehungskomödie mit wahlweise Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer oder c) Vergangenheitsbewältigung in irgendeiner Form sind, im Kino sehr schwer hatte. Ich selbst habe die Verfilmung noch nicht gesehen, werde das aber bei Gelegenheit mal tun.

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Und wie fand ich das nun?

Wie schon gesagt, ich lese nur selten All Age-Fantasy, eben wegen des erwähnten Heldin-zwischen-zwei-Typen-Klischees. In diesem Punkt hat Mara und der Feuerbringer bei mir schon mal gewonnen – Es gibt keine Romanze für die Hauptprotagonistin. Wirklich keine. Im Bereich des Jugendbuchs wirklich eine sehr angenehme Überraschung. Und auch sonst war Maras Geschichte ein Spaß auf ganzer Linie. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass Tommy Krappweis‘ Hauptmetier die Comedy ist und der Roman an manchen Stellen etwas überzeichnet wirkt, vor allem was Maras esoterikverrückte Mutter betrifft. Allerdings gibt es auch nachdenkliche Stellen, die diese Überzeichnungen mehr als wett machen. Überhaupt gelingt Krappweis das Kunststück, einen Roman über die germanische Götterwelt zu schreiben, der ohne verstaubte Klischees auskommt, ganz im Gegenteil, sogar einige ironische Seitenhiebe auf eben diese enthält. Etwas, was diese eigentlich faszinierende, aber durch den ideologischen Missbrauch durch das Dritte Reich etwas verpönte Mythologie dringend nötig hat. Ein Jugendbuch, das sowohl lustig und unterhaltsam ist, bei dessen Lektüre man aber auch noch richtig etwas lernen kann – Warum gibt es davon nicht mehr? Es existieren zwei Fortsetzungen, die ich mir bei Gelegenheit definitiv auch noch zulegen werde. Bevorzugt auf einer Convention und dann auch gleich von Herrn Krappweis signiert. Weil der Typ einfach cool ist.

Nach ‚Nebenan‘ von Bernhard Hennen eindeutig mein zweites Highlight der eher humoristisch gelagerten Fantasy dieses Jahr. Außerdem soll Neil Gaiman 2017 ein Buch über nordische Mythologie veröffentlichen. Ich bin sehr gespannt auf diese Kombination. Und da der SuB mittlerweile nach hartem Kampf einen weiteren Zehner geknackt hat und bei 39 angelangt ist, darf ich mir, sofern die finanzielle Lage es zulässt, auch wieder ein paar Bücher leisten.

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Die Wölfin

Musik: The Vision Bleak – She-Wolf  oder  Judas Priest – Pestilence and Plague

Teil 3 der Lesetherapie für geplagte DSA-Meister. Zugegeben, das Abenteuer gehörte nicht zu meinen liebsten Teilen der Kampagne, deshalb war ich doppelt gespannt, was die Autoren daraus gemacht haben und ob es ein paar Anregungen dafür gibt, so manche Stelle etwas griffiger zu gestalten.

Worum geht es?

Nach den Schrecken des Himmelsturms erwartet Kapitän Phileasson die dritte Aufgabe, die ihn in Gefilde führt, in denen der erfahrene Seefahrer mit seinem Latein (oder Bosparano) so ziemlich am Ende ist. Es gilt, eine heimtückische, tödliche Seuche zu bekämpfen, die unter den Nomadenstämmen des aventurischen Nordens wütet. Währenddessen kämpft sein der im Himmelsturm gefangener Konkurrent Beorn um sein Leben und das seiner Leute und bekommt schließlich ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, und dessen Tragweite sich ihm erst langsam erschließt.

Wer hat es geschrieben?

Die tapferen Ritter vom Orden des Bananensafts, Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Wie sieht das aus?

Plüsch-Karene gibt es leider nicht, deshalb durften die Elche als Deko einspringen. Der Trend zum Farbverlauf der Cover setzt sich fort. War ‚Nordwärts‘ noch in Türkistönen gehalten, besaß ‚Himmelsturm‘ ein blaues Cover. Nun also Lila. Allerdings ist mittlerweile das Vorschaucover zum vierten Band ‚Silberflamme‘ erschienen und es geht wieder in Richtung Blau. Einerseits schade, weil so ein kompletter Farbverlauf über 12 Bände im Regal sicherlich schick ausgesehen hätte, andererseits hatte ich schon befürchtet, dass ‚Silberflamme‘ in Rosaschattierungen erscheinen würde. Und Rosa ist ‚irghsbleibmirwegdamitböseundfürManowarkissenreserviert‘. Da hätte ich zum Erwerb des Buches wohl eine neutrale braune Papiertüte gebraucht.

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Und wie fand ich das nun?

Die Saga schreitet voran und der Trend aus Band 2, dass die Figuren langsam mehr Profil und Facetten bekommen, setzt sich fort. Dank Phileassons Schurkerei am Ende des letzten Bandes sitzt Beorn mit seinen Getreuen nun im Himmelsturm fest und ist den Grausamkeiten seiner Bewohner gnadenlos ausgeliefert. Hier zeigt sich wieder, dass er zwar skrupellos in der Umsetzung seiner Ziele ist, aber durchaus seine Prinzipien hat und genau wie Asleif alles für seine Leute tun würde. Eigentlich sind sich die beiden Kapitäne gar nicht so unähnlich. Und so hat Beorn für Asleifs Tat neben aller Wut auch eine gewisse Anerkennung übrig. Außerdem erfahren die geneigten Leserinnen und Leser, was sich hinter dem Portal befindet, an dessen Durchquerung Vascal della Rescati im letzten Band so spektakulär scheiterte, was der Blender über Intimrasur denkt, und dass nach einem vermeintlich erfolgreichen Plan der Catch 22 um so härter zuschlagen kann. Zudem gibt es erstmals nähere Hinweise darauf, was damals genau geschah, als Beorns Schwester starb und Freundschaft zu unversöhnlichem Hass wurde.

Währenddessen wird Asleif Phileasson von ganz anderen Sorgen geplagt: Die Hafenbürokratie in der nördlichen Handelsstadt Riva ist eine wahre Herausforderung für die Nerven eines Thorwalers der Probleme am lieber direkt löst als dem sprichwörtlichen Passierschein A38 hinterherzujagen (Hier laufen Ohm Follker und seine geschmeidige Zunge zu wahrer Höchstleistung auf), und auch die Bekämpfung einer Seuche ist nicht gerade eine Aufgabe, mit der ein zukünftiger König der Meere rechnet. Nichtsdestotrotz nimmt Asleif die Herausforderung an und findet sich in Situationen wieder, in denen seine Erfahrung als Seefahrer und Kapitän ihm rein gar nichts nützt. Um so mehr muss er sich auf seine mittlerweile auf einige neue Mitglieder angewachsene Schiffsgemeinschaft verlassen und kann sich glücklich schätzen, bei der Auswahl seiner Mannschaft nicht nur auf Kampfstärke geachtet zu haben.

Im dritten Band tauchen zwei neue Perspektivfiguren auf: Der aus dem Himmelsturm befreite Geweihte Praioslob und die Nivesin Nirka. Besonders Praioslob hat mir gut gefallen. Endlich mal ein Praiosgeweihter, der sich in eine Abenteurergruppe integrieren ließe, ohne dass ihn alle nach spätestens zwei Spielsitzungen hassen. Obwohl fest im Glauben, hadert er doch so manches Mal mit den radikalen Dogmen seiner Kirche. Ist es wirklich so abgrundtief schlecht, eine Lüge zu sprechen, wenn er jemandem dadurch in verzweifelter Stunde Trost zusprechen kann? Eine interessante Figur, von der ich gern mehr lesen möchte, allein schon weil er mit dem Praiosgeweihten-Klischee so schön bricht.

Leider ist die zunehmende Menge an Perspektivfiguren vor allem auf der Phileasson-Seite für mich auch der Schwachpunkt des Buches – im Mittelteil zerfasert sich die Handlung etwas und es fällt völlig hinten runter, was die eigentliche Hauptfigur während der Seuchenbekämpfung tut oder sich zu der ganzen Sache denkt. Das finde ich sehr schade, denn eigentlich ist er es doch, der diese Aufgabe erhalten hat. Dafür darf der gute Käptn später noch mal beweisen, dass er eigentlich doch die Seele eines Piraten hat: Die Szene in der er überlegt, dass der Wandteppich leider zu schwer zu Abtransport ist, aber man vielleicht doch zumindest einen der silbernen Kerzenleuchter mitgehen lassen könnte, war eins meiner persönlichen Highights. Auch der emotionale Abschied von seinem Schiff (vermutlich seine wahre Liebe) und das Gespräch, das Nirka davon überzeugt, selbst in die Welt hinauszuziehen, haben mir sehr gut gefallen.

Auch Beorns Ottojasko hat ihre schönen Momente, wobei mal wieder besonders Galayne heraussticht, der sich immer mehr in seinen eigenen Intrigen und denen anderer Mächte verstrickt, und nun den Maulwurf bei der Gemeinschaft spielen darf, die ihn als erste nach ewiger Zeit als einen der ihren zu akzeptieren beginnen. Ich werde immer mehr ein Fan dieser Figur, die sich eigentlich nur danach sehnt, irgendwo dazuzugehören, und dabei doch wieder über seine Agenda stolpert.

Insgesamt ein schönes Buch, bei dem das Lesen viel Spaß gemacht hat, wenn auch der Mittelteil ein paar leichte Hänger enthielt. Nun beginnt eine lange Durststrecke – Band 4 erscheint erst im Oktober nächsten Jahres.

 

SPOILER

 

Wie schon gesagt, der Plot mit der Nivesenseuche ist unbedingt mein Lieblingsabenteuer der Saga. Die Seuche auszuspielen hat mir persönlich nicht so viel Spaß gemacht, dafür gab es auf dem anschließenden Karentreck einige schöne Szenen und die Spieler lernten die Wichtigkeit von so oft verschmähten Talenten wie ‚Viehzucht‘ zu schätzen. Ein komödiantisches Highlight war das Goblin-Reitschwein, das sich die Zwergenkriegerin bei der Episode mit den Goblin-Viehdieben eingefangen hatte und das sie unbedingt zureiten wollte. Nun ja. Das war die Stelle wo das Abspielen des Benny Hill-Themes immer wenn jemand wus der Gruppe etwas wirklich Dummes tut, eingeführt wurde. Die anderen Charaktere hatten am Betrachten des regelmäßigen Zwergenrodeos jedenfalls sehr viel Spaß. Der notgeile Norbarde musste natürlich die Dryade im Feenwald anbaggern und in einer Kneipe am Wegesrand wurde fleißig Wässerchen verkostet, wobei der Swafnir-Geweihte zum absoluten Trinkkönig der Gruppe wurde. Und in einem waren sie sich alle einig, als sie endlich Festum erreichten: Sie wollten nie, nie wieder ein verdammtes Karen sehen!

Büchernörgele: Bernd Perplies, Christian Humberg – Star Trek Prometheus

Musik: JBO – Der Star Track

Letzte Woche fiel der Blogpost aus, weil ich quasi innerhalb der Wohnung umgezogen bin, mit anderen Worten, das zeitweilige Schlafzimmer für meinen neuen Mitbewohner wieder geräumt habe. Aber nun ist das Tetris-Spiel für Fortgeschrittene alias alles wieder in ein Zimmer quetschen erfolgreich abgeschlossen und ich habe den Kopf wieder frei für andere Dinge. Und da ich derzeit nur an kreativen Langzeitprojekten arbeite, habe ich beschlossen, einfach so lange Bücher zu benörgeln bis ich wieder was vorzeigen kann. Also weiter im Projekt ‚Horatia liest mehr deutsche Autoren‘.

Bernd Perplies kenne ich als Autor schon seit einigen Jahren. Zuerst aufmerksam wurde ich auf ihn im Zuge meiner Jagd auf Steampunkromane durch seine Reihe ‚Magierdämmerung‘, die mich ziemlich begeistert hat, unter anderem weil sie ein sehr interessantes und individuelles Magiekonzept hat. Daraufhin besorgte ich mir die ersten beiden Bände seiner Erstlingsreihe ‚Tarean‘ (Der dritte fehlt mir immer noch und ich habe fest vor, ihn irgendwann noch zu lesen) und war im Rahmen der Jugendlicher Auserwählter-Klischeefantasy auch sehr zufrieden (Manchmal brauche ich einfach meine Dosis genau davon – und Herr Perplies‘ Schreibstil erinnert mich stark an meinen, weil er genauso gern Bandwurmsätze bildet wie ich). Seine Jugenddystopiereihe habe ich ausgelassen, weil Jugenddystopien nicht so mein Ding sind, aber dann kam seine zweibändige unter dem Pseudonym Wes Andrews veröffentlichte Firefly-Ersatzbefriedigung ‚Frontiersmen‘, die ich wieder begeistert verschlungen habe. Derzeit hat er auch noch eine andere, an die Antike angelehnte Reihe laufen, die ich aber erst lesen werde, wenn alle Bände draußen sind. Ich mag es einfach nicht, -zig angefangene Reihen in meinem Bücherregal zu haben. Irgendwann fand ich dann heraus, dass Herr Perplies zusammen mit einem Kollegen namens Christian Humberg auch Kinderbücher schreibt. Und da ich hin und wieder auch gerne schöne Kinderbücher lese, und es in einer Rezension hieß, der Schauplatz wäre quasi Ankh-Morpork für jüngere Leserinnen und Leser, besorgte ich mir den ersten Band der Reihe ‚Drachengasse 13‘. So ein Kinderbuch frühstücke ich in einem Abend weg und auch als erwachsener Mensch wird man gut unterhalten, wenn man mit eher an Kinder gerichteten Büchern etwas anfangen kann. Leider blieb es bisher bei dem einen Band für mich (den ich auch mittlerweile zweimal gelesen habe), irgendwann lese ich auch mal den Rest. Und dann hörte ich, dass die gleichen Verdächtigen zum 50. Star Trek-Jubiläum die ersten von deutschen Autoren erschaffenen Star Trek-Romane schreiben und meine Neugierde war geweckt. Seit 20 Jahren bin ich begeisterte Star Trek-Glotzerin (Die Originalserie war auch der Grund, weshalb ich zum 15. Geburtstag einen Fernseher geschenkt bekam, weil meine Mutter damals keine Lust mehr hatte, dass ich sonntags im Wohnzimmer Raumschiff Entenscheiß alias die Klassik-Serie schaute) und ich erinnere mich noch gut an abendliche Voyager-Doppelfolgensessions auf meinem Kinderzimmersofa. Aber kann Star Trek auch in Buchform überzeugen? Bisher hatte ich, was das betraf, so gut wie keine Erfahrungswerte, da ich nur einen einzigen Star Trek-Roman gelesen hatte. Und der war auch nicht wirklich repräsentativ, weil es die Biographie meiner absoluten Trek-Lieblingsfigur (Garak!!!) war. Frei nach dem Motto ‚To boldly go where Horatia has not gone before‘ ließ ich mich einfach mal auf den ersten Band ‚Feuer gegen Feuer‘ ein.

Worum geht es?

Nach diversen existenzbedrohenden Krisen scheint die Vereinigte Föderation der Planeten endlich wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Doch dann erschüttern brutale Terroranschläge sowohl die Föderation als auch das Klingonische Reich. Zu den Anschlägen bekennt sich eine extremistische Splittergruppe vom Volk der Renao, deren Heimat der im Grenzgebiet der Föderation und den Klingonen gelegene Lembatta-Cluster ist. Nach zähem diplomatischem Hickhack einigen sich die beiden Großmächte darauf, je ein Schiff in den Cluster zu entsenden. Die USS Prometheus unter dem dem kriegmüden Veteranen Richard Adams und die IKS Bortas, ein Schiff, das seine besten Tage hinter sich hat und dessen Kommandant Kromm sich selbst und dem klingonischen Reich unbedingt beiweisen will, dass er doch zu irgendwas taugt. Zusammen machen sich die beiden ungleichen Besatzungen daran, das Geheimnis des Lembatta-Clusters zu ergründen. Werden sie es schaffen, trotz völlig unterschiedlicher Grundeinstellungen und wachsendem Druck von außen das Rätsel zu lösen oder werden Alpha- und Beta-Quadrant in einem neuen Krieg versinken?

Wer hat es geschrieben?

Bernd Perplies und Christian Humberg. Beide Autoren sind begeisterte Trekkies und Veteranen der Übersetzung diverser Star Trek-Romane aus dem Englischen und schrieben schon erfolgreich einige Kinderbücher zusammen. Also warum auch nicht eine Star Trek-Reihe?

Wie sieht das aus?

Schritt 1: Schamloses Webcam-Posing eines Bücher-Suchtlings mit Band 1.

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Und alle drei Bände zusammen. Ich finde die Cover immer sehr passend zum jeweiligen Roman. Und wenn sie im Regal nebeneinander stehen fügen sich die Buchrücken zu einem Komplettbild der Prometheus zusammen. Da hat jemand beim Design wirklich mitgedacht!

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Und wie fand ich das nun?

Ich bin mit einer gewissen ‚Mal schauen, was da kommt‘-Mentalität an den ersten Band herangegangen. Seit dem Ende von Voyager war viel in Trek-Universum passiert, von dem ich keine Ahnung hatte, da ich die zwischenzeitlich erschienenen Romane nicht kannte. Würde ich der Handlung trotzdem folgen können? In dieser Hinsicht kann ich alle, die vielleicht deshalb zögern, beruhigen. Alles, was für die Handlung wichtig ist, wird kurz und bündig und in die Geschichte eingeflochten noch mal kurz erklärt. Ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, in der Luft zu hängen. Allerdings ist eine gute Kenntnis der Fernsehserien und der Kinofilme hilfreich um sich an den zahlreichen Anspielungen erfreuen zu können, allein schon weil die Prometheus selbst ihren Ursprung in einer Voyager-Folge hat.

Die Geschichte beginnt zur Zeit der Classic-Serie und ich hatte aufgrund der plastischen Beschreibungen sofort die entsprechenden Uniformen und Kulissen vor Augen. Wenn man sich spontan beim Lesen die eindeutige Studioatmosphäre einer Planetenoberfläche mit Pappmachéfelsen, die für mich zur Classic-Serie einfach dazugehört, vorstellen kann, ist das schon ganz großes, episches Kopfkino. Die Reihe fährt über drei Bände einen Rundumschlag um alles auf, was Star Trek ausmacht. Forscherdrang, Diplomatische und militärische Konflikte, ambivalente Figuren, unerklärliche Phänomene denen auf den Grund gegangen werden muss und dem als Science-Fiction verpackten zutiefst humanistischen Kommentar zu derzeitigen irdischen Konflikten. Mit Star Trek geht es mir wie mit Terry Pratchett – wenn mehr Menschen es lesen bzw. schauen und verstehen würden, wäre diese Welt wesentlich besser. Das Leseerlebnis war vergleichbar mit meinen DVD-Sessions vom Anfang des Jahres, frei nach dem Motto ‚Och, eine Folge, beziehungsweise in diesem Fall ein Kapitel, geht noch!‘ ‚Oh, verdammt, es ist schon mitten in der Nacht!‘. Nicht unerheblich trugen die Protagonisten sowohl auf der Sternenflotten- als auch auf der Klingonenseite dazu bei. Captain Richard Adams, der kriegsmüde Veteran vieler Schlachten, der in seinem Leben schon so viel verloren hat und nun noch mehr verliert. L’emka, die es von einer Agrarwelt zu ersten Offizierin eines klingonischen Schlachtenkreuzers gebracht hat und die nicht nur mit dem Bath’leth sondern auch mit dem Hirn denkt. Lieutenant Jassat ak Namur, dessen Volk sich gerade zur potentiellen Bedrohung für den Frieden der Galaxis entwickelt. Chefingenieurin Jenna Kirk, die mit ihrem berühmten Vorfahren hadert. Kapitän Kromm, der weiß, dass er sein Kommando nur aufgrund seiner Abstammung erhalten hat und unbedingt zum wahren Helden des klingonischen Reiches werden will, egal wie hoch der Preis ist. Sicherheitschefin Lenissa zh’Thiin, die abgesehen von der äußerst komplizierten Mission auch einiges in ihrem eigenen Leben und dem Verhältnis zu ihrer Spezies zu sortieren hat. Ensign Paul Winter, Deutscher mit afrikanischen Vorfahren, Kommunikationsoffizier und Genie an der Sensorenphalanx. Abgerundet wird das neue, von bisherigen Publikationen völlig unabhängige Hauptensemble durch einige alte Bekannte, insbesondere ein gewisser, mittlerweile ziemlich alter vulkanischer Botschafter, der der ganzen Geschichte durch seine wunderschöne Darstellung durch die Autoren noch mal eine ganz besondere Würze verleiht. Auch wenn manche Auftritte alter Bekannter etwas bemüht wirken, fügen sie sich doch insgesamt harmonisch in die Handlung ein, was den Charakter einer Jubiläumsgeschichte noch mal unterstreicht, und ich habe mich über die Wiedersehen mit vielen alten imaginären Freundinnen und Freunden auch sehr gefreut. Und Garak wurde zumindest mal erwähnt, was mein Fangirlherz sehr erfreut hat. Auch hat mir gut gefallen, dass es mit dem Lembatta-Cluster ein überschaubares Handlungsgebiet gab und trotz des potentiell quadrantenerschütternden Konflikts nicht gleich die halbe Galaxis in Schutt und Asche gelegt wurde. Mein persönlicher Geschmack bevorzugt nun mal die etwas kompakteren Szenarien.

Wie schon bei der Phileasson-Saga, die auch von einem Autoren-Duo verfasst wird, wirken auch diese Bücher wie aus einem Guss und ich konnte keine stilistischen Sprünge feststellen. Nur die ganz gewisse Art, mit der Bernd Perplies in seinen Einzelwerken Figuren umschreibt wenn er sie nicht beim Namen nennt, fiel mir auch hier auf, aber ich konnte beim besten Willen nicht sagen, welcher Autor nun für welche Kapitel verantwortlich war, oder ob sie alles gemeinsam geschrieben haben. Bernd Perplies und Christian Humberg haben mit der Prometheus-Trilogie eine Geschichte in bester Star Trek-Tradition geschaffen, die sowohl durch einen gut ausgearbeiteten Spannungsbogen unterhält als auch bei Betrachtung der Situation in der sich unsere Welt gerade befindet zum Nachdenken anregt. Auch wenn mein damaliger Deutschlehrer und ich was unseren Geschichtengeschmack betraf absolut nicht kompatibel waren, hat ein Satz von ihm mich doch geprägt. Da er auch Englischlehrer war, hat er es uns auch im Deutsch-Grundkurs mal auf Englisch erklärt. Der Sinn einer guten Geschichte wäre in gleichen Teilen ‚To instruct and to delight‘. Und das trifft auf Star Trek Prometheus voll zu, auch wenn er über den Metaplot vermutlich die Nase rümpfen würde. Eine Botschaft die heute wichtiger ist denn je. In diesem Sinne: Live long and prosper.

Büchernörgele: Bernhard Hennen – Nebenan

Musik: Blind Guardian – Imaginations from the other Side

Hier nun Teil 2 des Tests, wie mir die beiden Phileasson-Autoren jeweils alleine so gefallen. Im Gegensatz zu Robert Corvus war mir Bernhard Hennen schon länger ein Begriff, einmal natürlich von der Abenteuerband-Version der Phileasson-Saga und zum anderen von dem Roman ‚Die Elfen‘, den ich vor vielen Jahren mal von einem Freund ausgeliehen und dann abgebrochen hatte. Dies lag nicht daran, dass er schlecht geschrieben gewesen wäre, sondern an meinem dringenden Bedürfnis, die weibliche Hauptfigur an die Wand zu klatschen. Ich glaube, Elfen sind einfach nicht mein Volk. Also musste ein Buch von Bernhard Hennen her, das nichts mit Elfen zu tun hat. Gibt es das? Ja, das gibt es. Zumindest beinahe. Ein Elf kommt vor, aber es ist kein typischer High Fantasy-Elf. Damit kann ich leben.

Worum geht es?

Germanistikstudent und Hobby-Mittelalterdarsteller Till ist mit seinem Leben gerade alles andere als zufrieden – Seine Zulassung zum Examen an der Uni Köln ist akut gefährdet, seine Nerd-WG beginnt, sich ernsthaft mit dem Thema ‚erwachsen werden‘ auseinanderzusetzen und in der Liebe sieht es auch nicht gerade rosig aus. Als Till sich bei einem keltischen Samhainritual in der Eifel aus Frust so richtig die Kante geben will, verpatzt er seinen Teil des Rituals und öffnet so versehentlich eine Pforte nach Nebenan, wo allerlei finstere Märchen- und Sagengestalten nur darauf lauern, in die reale Welt zurückzukehren, von wo sie einst verbannt wurden. Einer kleinen Gruppe bestehend aus dem Magier Cagliostro, dem Erlkönig und einem geistig herausgeforderten Werwolf gelingt der Übergang, was die Kölner Heinzelmänner, die seit vielen Jahrhunderten die Hüter der Pforten nach Nebenan sind, auf den Plan ruft. Mit immer größerem übernatürlichem Chaos konfrontiert, schmieden sie einen waghalsigen Plan um alles wieder in Ordnung zu bringen. Einen Plan, der eine Gruppe mit Schwertern bewaffneter Nerds beinhaltet…

Wer hat es geschrieben?

Bernhard Hennen, einer der bekanntesten Fanatsyautoren Deutschlands. Den allermeisten ist er wohl durch seine Vorliebe für spitzohrige Protagonisten ein Begriff. Ich hatte auf der RPC das Glück, einen von ihm moderierten Workshop besuchen zu können und es hat sich voll gelohnt. Der Mann kommt live sehr sympathisch rüber und hat außerdem echtes Stand Up Comedy-Talent.

Wie sieht das aus?

Weiß und ganz klassisch mit Schwert und schickem Spruchband. Die Totenköpfe in den Ecken sind ein nettes Detail.

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Und wie fand ich das nun?

Also, wo fange ich an? Ein computerverrückter, mafiafilmbegeisterter Heinzelmannboss, Ein Albenfürst, der den Ökoterrorismus als Betätigungsfeld entdeckt, Ein AKW-Mitarbeiter, der eigentlich ursprünglich nur das System unterwandern wollte, eine Reitmöwe mit Killerinstinkt, ein Securitymann der glaubt, vom Predator verfolgt zu werden, eine Star Trek-verrückte Friseuse, die Heilige Inquisition… Es würde den Beitrag sprengen, hier alle liebevoll-abstrusen Figuren aufzuzählen, die diesen Roman bevölkern. Auf 550 Seiten wird die Stadt Köln von einer wahrlich durchgedrehten, mit popkulturellen Zitaten gespickten extraterrestrischen Invasion der etwas anderen Art heimgesucht, und das zu lesen macht unheimlich Spaß und erinnert vom Setting her stellenweise stark an den Campusfantasy-Klassiker ‚Fool on the Hill‘ von Matt Ruff. Trotzdem geht ‚Nebenan‘ ganz eigene Wege, indem viel Gewicht auf den deutschen Sagenraum gelegt wird und wie sich seine Fabelwesen mit der modernen Welt arrangiert haben. Dass zum Beispiel die Heinzelmänner auf die Menschen sauer sind, weil diese irgendwann begannen, kleine, kitschige Stauten von ihnen in ihren Gärten aufzustellen, klingt sehr einleuchtend. Die Hauptfigur Till weist einige Parallelen zum Autor auf und in einem ausführlichen Nachwort erklärt Bernhard Hennen, dass ‚Nebenan‘ ein sehr autobiographischer Roman ist, und welche realen Begebenheiten und Orte in zu verschiedenen Buchszenen inspiriert haben (und dass das reale Leben manchmal noch verrücktere Dinge ausspuckt als die Fantasie eines Autors). Da bekomme ich richtig Lust auf eine etwas andere Köln-Besichtigungstour, nachdem ich schon in London auf den Spuren von Patrick O’Brian und Lycidas gewandelt bin. Vor allem den Übungsstollen unter der Uni würde ich gern mal besuchen. Für mich war es auch aus anderem Grund das richtige Buch zur richtigen Zeit. Genau wie bei Protagonist Till neigt sich auch meine Uni-Zeit endgültig dem Ende zu und das ominöse ‚Endgültig Erwachsen Werden‘ dräut am Horizont. Da ist es schön, von anderen Nerds zu lesen denen es genauso geht. Etwas schade fand ich, dass es manchem Handlungsstrang etwas an Erklärung mangelt, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ich habe mich köstlich amüsiert und weiß nun auch Bescheid, wie Schokopudding als Kriegswaffe eingesetzt werden kann und wie groß die Chancen für einen gewissen Heinzelmann sind, Jennifer Lopez zu heiraten.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle die ‚Fool on the Hill‘ von Matt Ruff mochten und mal wieder einen humorvollen Urban Fantasy-Roman lesen wollen. Bernhard Hennen kann definitiv mehr als nur Spitzohren (und einäugige Plünderfahrer). In diesem Sinne: Großhirn an Mund! Buch empfehlen!

My Little Evil Bad Pony

Musik: Sabaton – Blood of Bannockburn

Meine Freundin AdoraBelle erreichte kürzlich Epic Level und da musste natürlich ein passendes Geschenk her. Sie wünschte sich Dinge für ihre neue Wohnung und was lag da näher als eines meiner mittlerweile berüchtigten Metalkissen?

AdoraBelle mag Iron Maiden und My Little Pony, da ergab sich das Motiv mehr oder weniger von allein und ich war teilweise erstaunt, welche lange nicht benutzten Stickgarnfarben ich in den Tiefen meines Vorrats noch fand. Die Vorlage für das Pony stammt aus dem Internet und wurde von mir entsprechend modifiziert. Es war gar nicht so einfach, ein Pony zu finden, das angemessen grimmig und pöööhse dreinschaut.

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Der Schriftzug ist wie immer mit Stoffmalfarbe schabloniert und anschließend umstickt. Als Stoff musste schwarze Ditte herhalten. So langsam muss ich mal wieder zum Möbelschweden, da meine Vorräte sich langsam dem Ende neigen. Zum Schluss gab es noch einen ‚Für Dich mit Trve Metal Hatred handgemacht‘-Anhänger und ansonsten habe ich auf jeglichen weiteren Schnickschnack verzichtet. Das hätte nur vom Pony abgelenkt.

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Das Kissen war bei seiner neuen Besitzerin ein voller Erfolg und nun habe ich Lust, mir auch mal eins zu machen. Bloß welche Band? Und welches Design? Und ich habe ja eigentlich noch so viele UFOs hier herumliegen…

Wenn dem Einhorn übel wird

Musik: Motörhead – Killed by Death

Der Schal aus der Wolle die ich liebevoll ‚Einhornkotze‘ getauft habe ist fertig. Und er sieht zur schwarzen Lederjacke richtig gut aus.

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Irgendwas hat meine Kamera gegen das Grün. Unten in der Nahaufnahme des Musters sind die echten Farben besser zu erkennen.

Die harten Fakten:

  • Anleitung: Lighter than Perfume
  • Nadelstärke: 4
  • Wolle: 2 Knäule ‚Daphne Lace‘ von Schöller, macht insgesamt 800 Meter.
  • Strickdauer: Da ich nur episodisch daran gestrickt habe, insgesamt 4 Monate.

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Als meine Mutter bei einem Besuch mein Strickzeug sah, haben ihr Wolle und Muster so gut gefallen, dass ich ihr nun auch einen Schal stricke. Damit wären dann vier von den sieben Knäulen verarbeitet. Was ich mit den restlichen drei mache, weiß ich immer noch nicht.

Büchernörgele: Robert Corvus – Rotes Gold (Die Schwertfeuer-Saga Band 1)

Musik: Die Streuner – Söldnerschwein

Einer meiner Vorsätze für 2016 bestand darin, mehr deutsche Autoren zu lesen, und ich finde, ich habe mich bisher ganz gut geschlagen. Und als ich dann Phileasson 1 las und eine Menge Spaß mit dem Buch hatte, beschloss ich, mal herauszufinden, was die beiden Autoren Solo so drauf haben. Was Bernhard Hennen betrifft muss ich gestehen, dass ich vor vielen Jahren die Elfen mal angelesen, aber dann abgebrochen habe, weshalb ich für meinen Test dann auch ein Buch ausgewählt habe, das mit beziehungsneurotischen Elfen nichts zu tun hat (Testergebnis folgt). Robert Corvus hingegen war für mich bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Aus dem Netz wusste ich, dass er eher düstere Fantasy schreibt. Da ich Andrzej Sapkowski, George R. R. Martin, Scott Lynch und Jim Butcher mit großer Begeisterung verschlungen und sowieso ein Faible für Hard Boiled-Geschichten habe, klang das schon mal gut. Als Testobjekt habe ich mir ‚Rotes Gold‘ besorgt, der derzeit aktuellste Roman.

Worum geht es?

Der Klingenrausch aus der Dämonen huldigenden Stadt Rorgator ist eine der berühmt-berüchtigtsten-Södnereinheiten der Welt. Als ihr Anführer Kester bei der Eroberung der Stadt Abidia einem Heckenschützen zum Opfer fällt, droht die Eliteeinheit zu zerfallen und nur dem Einfallsreichtum von Kesters Tochter Eivora und einem neuen Auftrag ist es zu verdanken, dass es vorläufig nicht soweit kommt. Der Klingenrausch soll einen machtgierigen König dabei unterstützen, die als uneinnehmbar geltende Stadt Ygôda zu erobern. Eivoras ganzer Einfallsreichtum ist gefragt, sich selbst als plötzliche Anführerin der schlachtentscheidenden Untereinheit zu beweisen, den Auftrag zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und herauszufinden, wer innerhalb des Klingenrauschs Ränke gegen wen schmiedet…

Wer hat es geschrieben?

Robert Corvus, Autor mit (ich erwähnte es bereits) gutem Musikgeschmack (ich freue mich immer, wenn noch jemand The Vision Bleak kennt und mag, und er hat sogar das gleiche Bandshirt wie ich) und einem sehr sehenswerten Videoblog, in dem er über sein Leben als Schriftsteller, Schreibtheorie und die Hintergründe der Buchbranche plaudert, oder mit einer Kamera über Conventions läuft und alles interviewt was nicht rechtzeitig geflohen ist.

Wie sieht das aus?

Zuerst erinnerte mich das Cover an eine Kopie von Saurons Helm aus den Herr der Ringe-Verfilmungen, doch nach Lektüre des Buchs ergibt das Motiv eindeutig einen Sinn.

rotesgold

Und wie fand ich das nun?

Ich habe ‚Rotes Gold‘ im Regionalzug von Göttingen nach Kassel angefangen zu lesen und habe nach zwei Seiten den lautstarken radwandernden Kegelclub einen Vierersitz weiter erfolgreich mental ausblenden können. Das spricht bei meinem leicht zu Reizüberflutung neigenden Ich schon mal eindeutig für ein Buch.

‚Rotes Gold‘ ist kein Buch für zartbesaitete Leserinnen und Leser. Es ist dreckig, brutal, fies und gemein. Und das ist gut so. Es zeigt, dass auch die Leute, die oft genug Antagonisten rechtschaffener, guter(TM) Helden sind, eigentlich nur ganz normale Leute mit ganz alltäglichen Sorgen und Nöten sind, auch wenn sie Feuerdämonen verehren. Ein interessanter Aspekt sind die jede Söldnereinheit begleitenden Avatare der Dämonen, eine Symbiose aus einem Menschen und einem dämonischen Homunculus, und das titelgebende magische Schwertfeuer, das sie entfachen können, quasi die virtuell zum Leben erweckte Schlachtfeldkarte der Fantasy. Der Avatar des Klingenrauschs, Chastro-Ignuto, ist jemand, den man als Leser gleichzeitig sowohl aufgrund seines notorischen Sadismus hassen als auch irgendwie bedauern kann, weil er damals so dumm war, sich auf diesen Pakt einzulassen, den er mittlerweile in den wenigen Momenten, in denen sein dämonischer Symbiont schläft, zutiefst bereut. Aber die Existenz als Avatar bedeutet Macht. Eine Macht, die auch eigentlich zutiefst rechtschaffene Personen anlockt, die mehr als genug Leid und Verzweiflung gesehen haben und nach einer Möglichkeit suchen, diesem endlich ein Ende zu bereiten.

Eivora als Hauptfigur ist eine interessante Protagonistin. Mit weiblichen Figuren tue ich mich oft schwer (die Gründe würden genug Stoff für einen eigenen Blogpost bieten). Aber Robert Corvus ist es mit Eivora gelungen, diverse gängige Klischees zu umschiffen. Sie hat ihre Stärken, ist aber keineswegs unfehlbar und auch nicht vollbusig und supersexy, aber trotzdem von allen gemobbt und so weiter. Außerdem hat sie mal ein echtes Hobby, das nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hat. Und als ihr ein Mann begegnet der sie interessiert, ergreift sie die Initiative, schmachtet nicht ewig passiv in der Gegend rum und gibt auch anschließend nicht ihr Hirn an der Garderobe ab (was viel zu viele ach so kämpferische Protagonistinnen in Romanen, sobald sie ihrem evil bad boy Traummacker begegnet sind, leider tun…). Die daraus resultierende Sexszene kam zwar nicht an das kreative Meisterstück aus aus Andrzej Sapkowskis ‚Die Dame vom See‘ ran, war aber trotzdem mal was anderes als der übliche Quotensex.

Die im Buch enthaltene Karte zum Schauplatz Ygôda ist schön gezeichnet und half sehr dabei, die Situation anschaulich zu machen.  Was ich allerdings etwas vermisst habe, sind eine Weltkarte und eine genauere Weltenbeschreibung. So bleibt leider unklar, wo Rorgator, Ygôda und Abidia im Verhältnis zueinander liegen und wie die allgemeine Beschaffenheit der Welt aussieht, auf die scheinbar sowohl Götter als auch Dämonen Einfluss haben.

Der Schreibstil ist der rauen Welt der Söldner angemessen eher nüchtern, sachlich und präzise, große sprachliche Schnörkel sucht man vergebens. Manche Situationen und allgemein die Beschreibung der Stadt Ygôda kamen mir als Liebhaberin ausführlicher Beschreibungen allerdings etwas zu kurz.

Und an einer Stelle muss die Diplom-Geowissenschaftlerin in mir doch mal klugscheißen. Im Glossar wird Lava als Gestein beschrieben, was umgangssprachlich auch gerne mal so genannt wird. Nach der geologischen Definition bezeichnet Lava jedoch flüssiges Gestein, das an die Oberfläche getreten ist (im Gegensatz zu Magma, wie die gleiche Sache genannt wird, solange sie noch nicht an die Erdoberfläche gekommen ist). Das im Buch beschriebene Gestein heißt korrekt Basalt (zumindest gehe ich davon aus, dass es Basalt ist, wenn das Ursprungsmaterial eher dünnflüssig ist) und nicht Lava. Ja, was geologische Terminologie betrifft, bin ich immer sehr erbsenzählerisch, zu irgendwas muss mein Studium ja gut sein. (Immer wenn ich zum Beispiel den Schicksalsberg in den Herr der Ringe-Verfilmungen sehe, habe ich auch das dringende Bedürfnis, mit dem Kopf die Tischkante zu bearbeiten. Bei derartig flüssiger Lava entsteht nie und nimmer ein so steiler Vulkan. Aber im Kino hätte es vermutlich wesentlich weniger spektakulär ausgesehen, wenn Frodo und Sam gemütlich die sanften Hänge eines Schildvulkans hochgelatscht wären.)

Insgesamt ist ‚Rotes Gold‘ ein schönes Buch, wenn man auch mit der dreckigen, düsteren Seite der Fantasy etwas anfangen kann. Außerdem gefällt mir das Konzept des Schwertfeuer-Zyklus, aufeinanderfolgende aber in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. Ich bin gespannt, wie es mit Eivora und dem Klingenrausch in der Fortsetzung ‚Weißes Gold‘, die Anfang 2017 erscheinen wird, weitergeht. Robert Corvus hat den Solo-Lesetest definitiv bestanden. Und wie ich herausgefunden habe, hat er auch ein paar völlig in sich abgeschlossene Bücher geschrieben. Lieber Ex-Mitbewohner, falls du das liest, deine jährliche Geburtstagsgeschenkchallenge (Ich wünsche mir einen in sich abgeschlossenen Fantasyroman) wurde hiermit sehr viel einfacher!

Festivalbändchenbanner

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Haken an der Sache

Alle Festivalgängerinnen und -gänger kennen es – Das Festivalbändchen. Manche Leute sammeln sie über Jahre am Arm, ich habe die Bändchen der Saison immer bis zum Wachetreffen getragen und dann abgeschnitten. Aber was macht man dann damit? Zum Wegwerfen fand ich sie immer einfach zu schade, deshalb habe ich sie in einer Schublade meiner Schreibtischkommode gesammelt, bis mir schließlich die zündende Idee kam, wie ich sie angemessen zur Schau stellen kann. Hiermit präsentiere ich: Das Festivalbändchenbanner!

festivalbanner

Die Grundlage ist aus schwarzer Ditte, in Form geschnitten, gesäumt und oben mit einem Durchzug für den Stab versehen. Wieder ein reines Vorratsprojekt, selbst die Stange ist noch ein Rest vom Adventskalender für das Patenkind. Ich habe absichtlich unten noch viel Platz gelassen, für zukünftige Festivals. Das Banner repräsentiert auch längst nicht alle Festivals auf denen ich je gewesen bin, doch vor allem auf kleineren Veranstaltungen gab es oft nur ein Papierarmband. Dennoch, ein schönes Souvenir von mittlerweile 13 Jahren Rock’n’Roll auf diversen Äckern.

Was macht ihr eigentlich mit euren Bändchen?

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