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Büchernörgele – ‚Mary Wickford‘ von Fabrice Colin

Ich hatte ja versprochen, dass dieser Blog auch Buchrezensionen enthalten wird und eröffne nun feierlich die Rubrik ‚Büchernörgele‘ (Für alle die es nicht wissen: Das Büchernörgele ist ein Wesen aus dem Buch ‚Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch‘ von Michael Ende. Es nörgelt sich durch Bücher und sieht einem gewissen berühmten Litärraturrkritiker sehr ähnlich.). Leider ist die Premiere ein totaler Verriss geworden. Aber nachdem ich aufgehört habe, das Buch ernst zu nehmen, hatte ich beim Lesen trotzdem meinen Spaß.

 

Fabrice Colin: Mary Wickford

Heyne-Verlag, 718 Seiten

 

Inhalt:

Als die Waise Mary Wickford im Alter von siebzehn Jahren das Kloster in dem sie aufwuchs verlässt, findet sie in der Ortschaft Old Haven eine neue Heimat. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Nachdem sie erfährt, dass sie aus einem alten Hexengeschlecht stammt, machen verschiedene Interessengruppen von der heiligen Inquisition bis zu einem finsteren Fischmenschenkult Jagd auf sie. Denn in Mary schlummern gewaltige Kräfte, von denen das Schicksal der Welt abhängt.

 

Meine Meinung:

Was für ein Buch. Und das nicht im positiven Sinn. Fange ich erst einmal mit der Hauptfigur an. Mary ist die typische auserwählte mit besonderen Kräften ausgestattete Heldin. Sie fürchtet sich vor so gut wie nichts, muss immer und überall ihren Willen durchsetzen und zickt solange herum bis sie ihn auch bekommt, egal ob das in der betreffenden Situation das Beste ist oder nicht. Selbstverständlich ist sie die mächtigste Hexe aller Zeiten und absolviert ihre Ausbildung zur Magierin in gerade mal zwei Monaten, während alle anderen Novizen Jahre gebraucht haben. Mit anderen Worten – sie ist so perfekt, dass man sie am liebsten in eine erdferne Umlaufbahn katapultieren möchte.

Die Handlung selbst ist wirr. Der Autor fährt sämtliche Geschütze von Hexerei und Zauberei über Drachen, Piraten und steampunkartige Apparaturen bis hin zum Cthulhu-Mythos auf. Hierbei setzt er nicht auf Subtilität sondern verfährt nach dem Motte Klotzen statt Kleckern, sodass ein phantastisches Geschöpf das nächste jagt und der H. P. Lovecraft-rotiert-im-Grab-Zähler nach der Hälfte des Buches zu qualmen anfing und beim tentakelreichen Finale in einem Funkenregen explodierte. Die Nebenfiguren tauchen völlig willkürlich auf und können größtenteils als bloßes Kanonenfutter bezeichnet werden. Eine völlig an den Haaren herbeigezogene Romanze und diverse Genre-Klischees runden das Fantasy-Gebräu ab, welches mit meisterlichen Sätzen wie ‚Die Kreatur schleimte durch die Stadt‘ und der obligatorischen Phrase der peitschenden Tentakel gekrönt wird. Ich habe insgeheim gehofft, dass Mary am Ende vom großen Cthulhu höchstpersönlich verschlungen wird.

Empfehlen kann ich Mary Wickford nur denjenigen, die sich mal eine richtige literarische Trash-Granate gönnen wollen und auf konsequentes Verhalten der Protagonisten keinen allzu großen Wert legen. Aber auch selbige sind vermutlich mit Hohlbeins mittlerweile schon legendärer Hexer von Salem-Reihe wesentlich besser bedient.

 

Und ich gehe jetzt einen schönen dreckigen Spionagethriller aus dem Kalten Krieg lesen, der absolut nichts mit Fantasy zu tun hat.

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