Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Der Mad Scientist zockt The Witcher 2: Episode 14

Episode 14: Orientierungslos in Klein-Moria

 

Nun standen Zoltan und ich also auf der anderen Seite. Zoltan schien genau zu wissen, wo es lang geht, aber hey, da ist noch eine Abzweigung in eine andere Richtung! Also habe ich Zoltan einfach im Gelände stehen lassen und bin die Gegend erkunden gegangen. In der einen Richtung stand ich nach kurzer Zeit vor einer verschlossenen Tür, in der anderen Richtung betrat ich einen riesigen Steinbruch, an dessen oberer Kante eine Hütte stand. In der Hütte lebte ein Mann, der Harpyienfedern aufkaufte, für einen Sammler in Vengerberg wie er behauptete. Wir kamen in Geschäft und ich machte mich an die Erkundung des Steinbruchs, in dem es von Harpyien nur so wimmelte. Um so besser, desto schneller habe ich die Federn für den netten Herrn zusammen. Unten im Steinbruch fand ich ein verschlossenes Tor, eine verschlossene Truhe und mehrere mit Runen verzierte Steine, mit denen sich nichts anstellen ließ. Menno, ist hier denn jeder potentiell erforschenswerte Ort abgeschlossen? Na ja, immerhin habe ich die Federn zusammen. Mein Auftraggeber wirkte sehr zufrieden und bestellte weitere 60 Federn bei mir. 60? Wow. Ich handelte daraufhin sofort den Preis pro Feder höher. Wenn ich schon an die 60 Harpyien erschlagen muss, beziehungsweise noch weit über 20, denn ich hatte ja auch auf der anderen Seite schon immer fleißig Harpyien erledigt, dann will ich auch anständig bezahlt werden. Wie es aussieht, werde ich den Steinbruch wohl noch ein paar Runden abgrasen müssen.

Zoltan wartete bereits ungeduldig auf mich und schon nach wenigen Schritten wurden wir am Eingang zu einem abgebrannten Dorf von einer Patrouille missgünstiger Elfen aufgehalten, die mit ihren Bögen auf uns zielten. Na toll. Ich wappnete mich innerlich bereits zum Kampf. Doch Zoltan stauchte die Spitzohren ordentlich zusammen und sie ließen uns schließlich widerwillig passieren. Das ganze Dorf war voller Kräuter, die ich natürlich pflücken musste. Es war definitiv eine gute Idee, die Handschuhe aus dem Prolog zu behalten – wenn man sie trägt erntet man immer die doppelte Kräutermenge. Und eins muss man der Vergener Umgebung wirklich lassen – Es gibt dort so viel mehr Kräuter zu sammeln als in der Umgebung um Henselts Lager.

Am Tor Vergens trafen wir auf einen weiteren alten Freund Geralts: Yarpen Zigrin, Ex-Drachenjäger und Söldner und nun heimisch in Vergen. Wir tauschten einige alte Geschichten aus und ich erhielt von Yarpens Begleiter Skalen Burdon die Erlaubnis, mich in der Vorstadt frei zu bewegen. Zoltan meldete sich gleich freiwillig für die freie Armee Vergens und bot sich an, für mich mit Saskia zu reden, die das Symbol des Hasses, das Schwert des Heerführers Vandergriff, in ihrem Besitz hatte. Eventuell könnte er auch aushelfen, was die Speerspitze betrifft. Versuch es bitte, Zoltan! Dann muss ich vielleicht doch nicht gegen Iorveth kämpfen, der hier anscheinend sehr beliebt ist.

Allein der Teil Vergens, den ich begehen konnte, ist schon episch – die unverkennbar zwergische Architektur, die verwinkelten Wege und das Sonnenlicht auf den Steinen machen ordentlich was her. Die Stimmung ist ganz anders als im matschigen, trüben Lager von Kaedwen, mehr Fantasy, weniger dreckiger pseudohistorischer Realismus. Ich muss auf jeden Fall noch mal den Iorveth-Pfad spielen, damit ich Vergen in seiner vollen Pracht genießen kann. Auch wenn ich dafür Roche verraten muss, was mir jetzt schon in der Seele weh tut.

In einer Nische entdeckte ich einen Pfad, der mich durch einen Hinterausgang in ein Gebiet um einen See führte. Dort sollte irgendwo eine Gruft sein, in der ich das Banner des Grauen Fähnleins finden und Zyviks Biberfellmütze zur letzten Ruhe betten sollte. Erst einmal sammelte ich fleißig Kräuter, erschlug eine Gruppe Banditen und erklomm einen verfallenen Turm, bei dem sich zahlreiche Harpyien tummelten. Endlich hatte ich genug Federn beisammen um sie meinem Auftraggeber zu verkaufen. Im Turm fand ich in einem Harpyiennest einen weißen magischen Kristall. Ich habe zwar keine Ahnung, wozu der gut ist, aber mitgenommen habe ich ihn auf jeden Fall. Den Eingang zur Gruft ignorierte ich vorläufig geflissentlich und spazierte noch einmal durch die Vorstadt von Vergen. Leider gab es dort niemanden, der mir mit den ganzen verschlossenen Türen und Truhen oder den Runensteinen weiterhelfen konnte. Blöd.

Also ging ich meine Harpyienfedern abliefern. Und ratet mal, was mein Auftraggeber wollte? Richtig, noch mehr Harpyienfedern. Also prügelte ich mich noch eine Runde durch den Steinbruch und lieferte die Ware wieder ab. Nun war er endlich zufrieden, obwohl ich mich fragte, was er mit den ganzen Federn eigentlich will. Geralt und ich beschlossen, später noch mal vorbeizuschauen, vielleicht werden wir dann schlauer. Und noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch einen Schlüssel für eine der Türen oder die Truhe in die Finger zu bekommen.

In der Gruft riss ich zahlreiche brüchige Wände ein, kämpfte Geister nieder und plünderte jede Leiche, die ich finden konnte. Eine der Leichen sah wesentlich frischer aus als die übrigen, aber einen Grund dafür konnte ich leider nicht herausfinden. An den Geistern merkte ich so richtig, wie stark ich inzwischen geworden bin. Im Irrenhaus im Wald bei Flotsam haben mich zwei Geister auf einmal mehrere Male gnadenlos gemeuchelt, während ich mich mittlerweile lässig durch Gruppen von Dreien oder Vieren säbele. Bei einer der Leichen fand ich ein Buch über die Wilde Jagd. Sehr gut, aufklärende Lektüre kann man immer gebrauchen.

Die Gruft des Grauen Fähnleins befand sich hinter einer weiteren brüchigen Mauer in der hintersten Ecke des Gewölbes, die ich zuerst übersehen und deshalb noch ein paar Zusatzrunden gedreht hatte. Ich log dem Geist, der auf mein Eintreten hin erschien, vor, dass ich auch einst Mitglied des Grauen Fähnleins gewesen war. Da ich im Gespräch mit Zyvik gut aufgepasst hatte, konnte ich alle seine misstrauischen Fragen beantworten und er verschwand, ohne mich anzugreifen. Ich legte Zyviks Biberfellmütze auf den Sarkophag, wo sie nun einsam und ein wenig verloren lag, und konnte das Banner und ein Schwert mitnehmen. Hurra, damit ist ein Questgegenstand erfolgreich besorgt!

Nun konnte ich auch mal wieder meinen Kunden im Steinbruch besuchen und mich ein weiteres Mal durch die Harpyien metzeln. Als ich die Hütte betrat, sah ich mich meinem Auftraggeber in einem gelben Hühnerkostüm gegenüber, das mit den Federn benäht war. Huch! Damit hätte ich jetzt absolut nicht gerechnet, dass der Mann ein Hühnchen-Cosplayer ist oder einen seltsamen Fetisch hat. Und die Hühner hinter seinem Haus – Hoffentlich stellt er mit ihnen keine… unanständigen Dinge… Ähem, too much information! Nach ein paar verzweifelten Versuchen, die Situation mit Small Talk zu überspielen, ging ich wieder und erhielt zur Belohnung eine spitze rote Pappnase, die den Hühnchenschnabel darstellen sollte, als Trophäe. Wenn man sie in das Trophäenfeld im Inventar legt, trägt Geralt das Ding tatsächlich auf der Nase! Mann, diese Quest schlägt in ihrer Abgefahrenheit sogar die Saufquest mit den Blauen Streifen aus dem ersten Kapitel um Längen.

Zoltan wollte mich mit dem Schwert und Nachrichten über die Speerspitze in einer alten Zwergenmine treffen, die einen geheimen Zugang nach Vergen bietet. Also probierte ich den von Skalen Burdon erhaltenen Schlüssel an einer der verschlossenen Türen im Umland aus und sie ließ sich tatsächlich öffnen! Die Dunkelheit da drinnen war so schwarz wie Vernon Roches Lunge, weshalb ich den Katze-Trank ausnahmsweise mal wirklich brauchte. Und so konnte das große Verlaufen beginnen. Immer wieder griffen mich Necker und Moderhäute an und ich stellte mit Befriedigung fest, dass Necker mittlerweile schon umfallen wenn sie nur gegen mein aktiviertes Quen laufen. Harharhar! So macht Kämpfen Spaß! Da mein Inventar schon gleich wieder mit Ungeheuerteilen gefüllt war, musste ich die Kadaver irgendwann liegen lassen, wo sie mich jedes Mal vorwurfsvoll daran erinnerten, dass ich diesen Weg schon einmal gegangen und mich schon wieder verlaufen hatte. Selbst die Karte war bei der Orientierung nicht sonderlich hilfreich, da sich Klein-Moria über mehrere Ebenen erstreckt. Immer wieder rannte ich in Sackgassen, in einige auch mehrere Male. Zoltan, wo steckst du? Hättest du nicht wenigstens mal ein paar hilfreiche Markierungen an die Wände malen können oder so? In einer großen Höhle erwartete mich einer der Miniaturbalrogs namens Gralle, der nach dem Erschlagen seltsamerweise Teile einer Draugurenrüstung fallen ließ – vielleicht stammten sie von jemandem, den die Gralle früher mal verspeist hatte. Nach einigen weiteren Verirrungen und Verwirrungen stolperte ich wieder in die gleiche Höhle und stellte fest, dass es am anderen Ende noch eine weitere Tür gab, dich ich vorher in der allgemeinen Zappendusterheit irgendwie übersehen hatte. Hinter dieser wartete Zoltan auf mich – in Gesellschaft von Saskia der Drachentöterin höchstpersönlich!

Saskia machte auf mich einen äußerst sympathischen Eindruck. Sie war nett, versuchte nicht, mich übers Ohr zu hauen und verstand, wozu ich das Schwert brauchte, das sie mir schließlich überreichte. Das ging ja mal wirklich glatt! Außerdem bekam ich Nachrichten von der Speerspitze – Iorveth spielt anscheinend auch gern mal Würfelpoker und hat die Spitze an Skalen Burdon verzockt. Das klingt ja gut – Eine Runde Würfelpoker mit einem Zwerg ist mir wesentlich lieber als ein Kampf mit einem missgünstigen Elfen. Ich nahm Abschied von Zoltan und Saskia und hatte die Wahl, in der Höhle zu bleiben oder gleich an die Oberfläche zurückzukehren. Ich blieb in der Höhle. Alles andere wäre Schummeln gewesen. Ich verlaufe mich wenigstens auf ehrliche Weise! Und verlaufen habe ich mich auch wieder fleißig. Unter anderem entdeckte ich eine Abzweigung die ich auf dem Hinweg noch nicht gefunden hatte und in der ein weiterer Möchtegern-Balrog lauerte. Nachdem ich laut Karte zwei Mal wie blind am Ausgang vorbei gelaufen war, habe ich endlich die richtige Abzweigung gefunden und stand schließlich wieder an der frischen Luft. Uff. Aus Geralt und mir wird garantiert nie ein kompetenter Höhlenführer.

Jetzt blieb mir nur noch eine Runde Würfelpoker mit Skalen Burdon. Im dritten Anlauf gelang es mir auch, ihn zu schlagen, und ich konnte die Speerspitze einsacken. Nun hatte ich auf der Vergen-Seite auch alles erledigt, was ich erledigen konnte – Die Schlüssel für das Portal und die Truhe im Steinbruch sowie eine Erklärung für die Runensteine habe ich trotz des Durchsuchens sämtlicher Gebäude und dem Reden mit sämtlichen verfügbaren Personen leider nicht bekommen. Aber vielleicht komme ich ja noch mal rüber, wenn die Geisterschlacht erst weg ist, und kann die dazugehörigen Quests dann erledigen.

Mit Questgegenständen beladen machte ich mich nach einem letzten Harpyienmassaker im Steinbruch auf den Weg zurück durch den Nebel. Gleich nach Betreten des Nebels stolperte ich über die Leichen mehrerer Nilfgaarder Soldaten, von denen einer einen schriftlichen Befehl bei sich trug. Doch bevor ich ihn lesen konnte, griffen mich auch schon wieder die Geisterkrieger an und ich sprintete durch die gespenstische Schlacht bis ich vor Henselts Heerlager wieder ins Freie trat. Endlich konnte ich den Befehl lesen, der nichts Gutes verhieß. Er enthielt die Order, unter allen Umständen die Magierin Triss Merigold lebendig festzunehmen, die sich in Ober-Aedirn herumtreiben sollte. Hm. Das ist nicht gut. Und was wollen ausgerechnet die Nilfgaarder von Triss? Und da war auch noch eine Zauberin aus Nilfgaard, die Yarpen erwähnt hatte, und die Vergen anscheinend fluchtartig verlassen hatte…

Als ich aus der Schlucht trat, lief ich Roche, Fenn und Silas in die Arme, die über mehrere tote Nilfgaarder gebeugt waren. Anscheinend haben die Nilfgaarder schon seit kurz nach meiner Abreise damit begonnen, am Nebel Wache zu halten. Als Roche ein paar Leute zusammentrommelte und sie freundlich fragen wollte, was zum Geier sie da machten, kam eine ziemlich mitgenommene Frau aus dem Nebel gestolpert, die eine Statue trug. Roche konnte schwören, dass sie exakt wie Triss aussah. Als er sich besagte Figur schnappen wollte, wurden sie von noch mehr missgünstigen Nilfgaardern hinterrücks überfallen und mussten um ihr Leben kämpfen. Und gerade als sie den Kampf nicht ohne Verluste in den eigenen Reihen siegreich beendet hatten, kam ich.

Da ich von Magie mehr verstand als er, konnte ich Roche erklären, dass es sich bei der Statue tatsächlich um die verzauberte Triss handelte, und wir legten einen Dauerlauf zum Nilfgaarder Lager hin. Triss, halte durch, wir kommen! Und wenn wir sämtliche missgünstigen Nilfgaarder von hier bis zur Jaruga niedermetzeln müssen! Mein Bombenvorrat ist jedenfalls noch gut gefüllt. Doch anstatt einer Nilfgaarder Verteidigungslinie sahen wir nur noch ein davon segelndes Schiff und leere Zelte. Mistundverflucht! Wir müssen die Verfolgung aufnehmen! Leider dämpfte Roche meinen Jagdtrieb – Henselt lässt uns nicht segeln bis ich den Fluch nicht aufgehoben und die Geisterschlacht beseitigt habe. Und zu Fuß würden wir ewig brauchen. Zähneknirschend stimmte ich ihm zu. Auf seine grummelige Art versuchte Roche, mich zu trösten. Er weiß, wo die Nilfgaarder hin wollen – in der alten leer stehenden Elfenstadt Loc Muinne findet bald eine Versammlung aller Herrscher des Nordens und der Zauberer statt. Diese Gelegenheit lässt sich Shilard bestimmt nicht entgehen, also werden wir dort auch äußerst sicher Triss wiederfinden. Na gut, du hast ja Recht, Vernon. Je schneller ich den Fluch und die Geisterschlacht los werde, desto schneller können wir Triss hinterher. Vom Königsmörder haben wir jedoch seitdem wir in Henselts Lager stecken auch noch nichts gesehen. Aber wer weiß, vielleicht locken ihn so viele gekrönte Häupter auf einen Haufen ja auch nach Loc Muinne? War da nicht irgendwas mit einer redanischen Gesandschaft? Immer positiv denken, Geralt.

Nachdenklich und gefrustet plünderte ich noch das leere Lager und machte mich dann auf zum Lager meiner Freunde. Eigentlich müsste ich jetzt zu Henselt, aber ich habe noch keinen Bock. Und da ist auch noch der Moderhautvertrag, den ich erledigen muss. Die Erfahrungspunkte für Moderhäute liegen nur noch im einstelligen Bereich, also kann ich so langsam auch mal die Leichen anzünden und meine Orens kassieren. Aber nicht mehr heute.

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