Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für den Monat “November, 2013”

You’re a bad man, Silk!

Sicherlich habt ihr den Mangel an Beiträgen in den letzten Wochen bemerkt. Das lag daran, dass mein Router einen massiven Wackelkontakt entwickelt hat. Zuerst half noch das gute alte Rein-Raus-Spiel mit dem Stecker, doch irgendwann ging dann gar nichts mehr. Und was treibt man so, wenn man temporär von der schönsten Zeitverschwendung die es gibt abgeschnitten ist? Man könnte mal wieder so richtig die Wohnung auf Vordermann bringen. Man könnte an seinen zahlreichen UFOs weiterarbeiten. Man könnte sich ausgiebiger als sonst mit der Doktorarbeit beschäftigen. Man könnte seine sozialen Kontakte gründlich pflegen. Man könnte die Zeit aber auch nutzen um sich mit Unmengen von Tee und ausgewählten Alnatura-Weihnachtsleckereien aufs Sofa zu verkrümeln und sich mal wieder eine seiner absoluten Lieblings-Fantasyreihen reinzupfeifen.

Und so kam es, dass ich in Gesellschaft eines auserwählten Teenagers mit Superkräften, eines alten weisen Magiers, seiner temperamentvollen Tochter und diversen anderen schrägen Gestalten ausgezogen bin, um zwei Mal hintereinander die Welt zu retten. Die Rede ist von der Belgariad- und Malloreon-Saga von David Eddings, die ich jedem ans Herz legen kann, dem mal so sichtig der Sinn nach klassischer Fantasy aus den Achtzigern steht. Leider wird die Serie, wie ich von einer befreundeten Buchhändlerin erfahren habe, auf Deutsch nicht mehr verlegt, aber auf Englisch kommen der trockene Humor und die wunderbaren Dialoge sowieso viel besser rüber. Obwohl die Geschichte eigentlich so ziemlich jedes Genre-Klischee mitnimmt, hat sie doch etwas ganz Eigenes, was sie auch über 30 Jahre nach ihrem Erscheinen noch vom durchschnittlichen Fantasy-Einheitsbrei abhebt. So kommt Eddings zum Beispiel völlig ohne Elfen, Zwerge, Orks und das ganze übrige Fantasy-Gesocks aus, und der obligatorische alte weise Magier zieht als diebischer Landstreicher durch die Gegend und interessiert sich oft größtenteils dafür, wo er das nächste Bier herbekommt. Da ich eine sehr protagonistenfixierte Leserin bin, komme ich bei den ganzen wunderbar schrägen Figuren der Reihe voll auf meine Kosten. Auf den ersten Blick wirken sie zwar oft wie wandelnde Klischees, aber im Laufe der Lektüre entwickeln sie alle verborgene Tiefen, und man muss sie mitsamt ihrer herrlichen Schrullen einfach gern haben. Und es ist schon eine Kunst, eine auf den ersten Blick absolut unauffällige Figur zu schreiben, die aber insgeheim die lebenserfahrenste und weiseste Person der Gruppe ist und am Ende sie schönste Belohnung von allen bekommt. Hach. Schnüff. Wo waren noch mal die Taschentücher?

Deshalb: Auch wenn ich immer mal wieder über auserwählte, weltrettende Teenager mit Superkräften lästern mag, kommt es immer darauf an, was der jeweilige Autor aus der Sache macht. Selbst Andrzej Sapkowsis absolut geniale Geralt-Saga ist, auf den Kern heruntergekocht, eine Geschichte über einen auserwählten Teenager mit besonderen Kräften, der die Welt retten soll. Fantasy-Autoren müssen das Rad nicht zwanghaft neu erfinden um eine wirklich gute Geschichte zu schreiben, sondern nur ein Rad basteln, das ein unverwechselbares Aussehen hat.

Außerdem enthält die Belgariad-Saga in einem Kommentar der nähbegeisterten Zauberin Polgara eines der meiner Meinung nach schönsten Zitate über das Handarbeiten:

Sewing keeps the hands and the eyes busy, but leaves the mind free for other things. It’s very relaxing.

Auch wenn es bei mir im Zeitalter der Nähmaschine eher aufs Stricken zutrifft, es steckt eine Menge Wahrheit darin. Handarbeiten ist eine wunderbar entschleunigte Tätigkeit und nachdem ich mich jetzt in gut zwei Wochen durch zehn Bücher gefräst habe, werde ich mich nun mal wieder mehr der Textilverarbeitung zuwenden.

 

Advertisements

Ediacara Biota

Da das folgende mysteriöse Objekt nun wohlbehalten bei seiner neuen Besitzerin AdoraBelle angekommen ist, kann ich es endlich vorstellen.

Calorimetry_liegend

Ist es ein Akkordeon? Ist es ein fossiles Luftmatratzentierchen aus dem späten Proterozoikum? Nein, es ist ein Calorimetry. Und was ist wiederum ein Calorimetry? Wie der Name schon sagt, geht es um die Konservierung von Wärme, in diesem Fall die Wärme von Kopf und Ohren, denn letztendlich handelt es sich um ein Stirnband, allerdings ein ganz spezielles. Im Gegensatz zu üblichen Stirnbändern muss das Calorimetry nicht über den Kopf gezogen werden, sondern wird über Oberkopf und Ohren gelegt und im Nacken mit einem Knopf geschlossen. Das freut ganz besonders diejenigen unter den Damen, die auch im Winter gern schöne Duttfrisuren tragen und selbige nicht ständig durch Mützen oder andere Kopfbedeckungen zerstören wollen. Nach einigen Verrenkungen vor der Webcam habe ich es auch geschafft, ein halbwegs brauchbares Tragefoto zu machen, auch wenn die Cam alle Farben grundsätzlich zu hell abbildet.

Calorimetry_getragen

Die Strickanleitung gibt es kostenlos auf ravelry beziehungsweise bei knitty und sie ist eigentlich ganz einfach. Man braucht, abgesehen von Anschlag und Abketteln, nur rechte und linke Maschen. Das Knopfloch ergibt sich, bedingt durch die Abnahmemethode, von ganz allein. So ein Calorimetry ist an einem Nachmittag gestrickt und mit einem bisschen elementarer Mathematik bieten sich da eine Menge interessanter Möglichkeiten. Wie es wohl aussieht, wenn man den von den Abnahmen nicht betroffenen Mittelteil glatt rechts strickt und noch ein Norwegermuster einstrickt?

Beitragsnavigation