Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für den Monat “Februar, 2015”

The Number of the Beast

Musik: Die Hammerfall-Playlist auf youtube

Zuerst die schlechte Nachricht: Mein Rechner erfüllt die Hardware-Mindestanforderungen für The Witcher 3 nicht und Aufrüstung ist derzeit nicht drin. So ein Mist. Aber immerhin kommt im April ein neuer Geralt-Roman von Andrzej Sapkowski raus, mit dem ich mich vorläufig trösten kann.

Die gute Nachricht: Durch die wegfallenden Zock-Orgien habe ich viel Zeit für ein neues Großprojekt. Oder ich könnte mit der Assassin’s Creed-Reihe anfangen. Den ersten Teil gibt es gerade auf der Softwarepyramide im Supermarkt für unter 10 Euro. Oder ich mache einfach beides. Warum eigentlich nicht? Inhumieren und Nähen ergibt doch eine tolle Freizeitbeschäftigungskombination. Wie würden Manowar singen – Sew! Sew! Sew and Kill!

Aber zum eigentlichen Thema. Vor ein paar Jahren hatte ich, angesteckt vom allgemeinen Hype, mal fleißig Patchworkstoffe gehamstert und einen Sechseck-Quilt angefangen, der eine Lesedecke werden sollte. Aber der erste Ansatz hat mir nie wirklich gefallen, weshalb das ganze Projekt zusammen mit den Patchworkstoffen in eine Kiste wanderte und dort vor sich hin schmorte. Fazit: Die Idee war gut, aber ich noch nicht bereit.

Die Wiederauferstehung des Projekts ‚Lesedecke‘ begann, wie so oft, mit etwas ganz anderem, nämlich mit der kristallographischen Raumgruppe P6_3mc, deren Phasenumwandlung unter Hochdruck ich im Zuge meiner Promotion untersuche. Von oben, aus Richtung der c-Achse des Koordinatensystems betrachtet, hat sie die Form von Sechsecken. Tja, dann wurde ich von einem umherirrenden Inspirationspartikel getroffen, fing an zu kritzeln und am Ende kam dieser grobe Entwurf dabei heraus. Here There Be Dragons. Genau das richtige Motto für die Lesedecke einer begeisterten Fantasy-Leserin.

Projekt666_1

Nach der Uni habe ich die Patchwork-Kiste wieder ausgegraben, die Sechsecke ausgemessen und einige Berechnungen angestellt. 1,4 x 2 m erscheint mir für eine Lesedecke zum Einkuscheln auf dem Sofa eine gute Größe. Außerdem konnte ich es nicht lassen, die Ebenengruppe eines Sechseckquilts mitsamt ihrer Symmetrieelemente zu bestimmen und schon mal auf dem Papier einige mögliche Anordnungen der Beschriftung durchzuprobieren. Durch den berechneten Sechseckbedarf zementierte sich rein zufällig das bisher nur zum Spaß vorhandene Projektmotto. 660 Sechsecke. 666. The Number of the Beast. Was will mir mein Leben damit sagen? Dieser Quilt wird sowas von Trve mit v.

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Der nächste Schritt war das Entwerfen der Schrift. Angesichts der Sechseckmaße erschien mir eine Buchstabengröße von 4 cm am günstigsten. Und ja, ich brauche eigentlich 3R. Das hatte ich bei der ersten Auflistung irgendwie verpeilt.

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Meine Stoffwahl für die beschrifteten Sechsecke fiel schließlich auf Ditte in der freundlichen Farbgebung ‚Ewige Verdammnis‘. Davon habe ich noch mehr als genug und ich werde endlich mal die ganzen kleinen Reststücke los, die bei anderen Projekten so übrig bleiben. Die Schrift selbst wird für größtmöglichen Kontrast in weiß gehalten werden. Damit habe ich auch eine erste Verwendung für das Perlgarn aus dem Handarbeitszubehör-Erbe gefunden. Die wunderbar altmodische Schachtel mit Seidenpapier-Einlage lässt vermuten, dass das Garn möglicherweise sogar noch von der Mutter meiner angeheirateten Tante gekauft wurde. Jedenfalls musste ich den ersten Buchstaben auch gleich schon mal zu Testzwecken sticken. Hierzu habe ich den Buchstaben spiegelverkehrt auf weiche Vlieseline durchgezeichnet, auf die Innenseite des zukünftigen Sechsecks gebügelt und dann im Steppstich durchgestickt.

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Jetzt werde ich erstmal in Ruhe die Buchstaben sticken und auf Papp-Sechsecke ziehen. Über die Anordnung kann ich mir immer noch Gedanken machen, wenn sie fertig sind. Ansonsten plane ich weitere bestickte Sechsecke mit diversen Motiven aus popkulturellen Phänomenen die ich mag. Und ich brauche definitiv ein Sechseck mit der Aufschrift ‚666 – The Number of the Beast‘. Außerdem sollte ich dringend mal den Stoff-Vorrat sichten und mir zumindest einen groben Plan machen, was ich eigentlich will. So ganz ohne Plan drauflos arbeiten hat beim letzten Anlauf nicht wirklich funktioniert. In zwei Wochen ist wieder Stoffmarkt Holland in Hannover (dieses Mal höchstwahrscheinlich ohne plötzliche Absage wegen des menschlichen Abschaums von HoGeSa) und falls ich doch noch was brauche… Eigentlich habe ich gerade nicht wirklich Geld für Shöpping-Eskapaden, aber… Stoff!

Anleitung: Miederschnürung aus Öffnungslaschen von Getränkedosen

Für alle die es nachbauen wollen, noch mal eine ausführlichere Anleitung für die Schnürung des Endzeitmieders mit dilettantischen Zeichnungen.

Den scharfen Grat, der beim Ablösen der Lasche von der Getränkedose entsteht, mit einer Zange auf die Rückseite der Öse biegen. Ich habe dafür eine Flachzange fürs Schmuck basteln genommen.

Das Paneel, an dem die Schnürung sitzen soll, an der Schnürungskante um die Länge l – a (siehe Abbildung 1) kürzen, da die Schnürösen etwa so weit über den Stoff hinausragen werden. Das Mieder ansonsten wie gewohnt nähen.

Anleitung1

Nach dem Zusammennähen von Oberstoff und Futter von der rückwärtigen Kante die Länge a + 2 oder 3 mm abmessen (siehe Abbildung 2), dahinter einen Stabtunnel setzen und den Stab einziehen.

Anleitung2

Die Abstände der Schnürösen festlegen und die Öffnungslaschen wie in Abbildung 3 mit stabilem Knopflochgarn festnähen. Hierbei ist wichtig, dass oberhalb der umgebogenen Kante noch einmal durch beide Stofflagen gestochen wird, damit die Öffnungslasche nicht verrutschen kann.

Anleitung3

Schnur einfädeln, schnüren und tragen 😉

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Wer möchte, kann die Ösen vor dem Annähen noch mit Nagellack oder Farbe verzieren. Abblättern ist bei häufigem Schnüren zwar wahrscheinlich, aber für einen Endzeitlook sehr passend.

Ich habe diese Art der Schnürung bisher nur an einem Zier-Taillenmieder ausprobiert, ob sie auch stabil genug für ein richtiges Korsett mit Taillenreduktion ist, kann ich nicht garantieren.

Dies ist das Ende aller… Mieder

Musik: Dropkick Murphys – I’m shipping up to Boston

So, das Bier ist getrunken, das Drops ist gelutscht – Das Endzeit-Mieder ist fertig und wird morgen seiner neuen Besitzerin übergeben! Also habe ich heute vor der Uni noch mal Iron Girl auf die Terrasse geschleppt und bei trübem Wetter ein paar Bilder gemacht.

Endzeitmieder5

Oberstoff und Futter habe ich einfach sichtbar und ohne weitere Versäuberungen mit Baumwoll-Häkelgarn zusammengenäht. Der Straps stammt von einem alten Korsett, das ich längst ausgeweidet habe. Einige Detailaufnahmen der Deko:

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Den völlig abgewrackten Metallknopf habe ich mal aus dem Flusensieb unserer alten WG-Waschmaschine geholt, er stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit noch von den Vorbesitzern. Ansonsten gab es viel Arbeit für Nagelfeile, Nagellack, Alleskleber und Feuerzeug.

Endzeitmieder6

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Diverse Unterlegscheiben in verschiedenen Stadien der Verrostung, ein alter Schlüssel, Waschmünzen von einem mittlerweile geschlossenen Waschsalon, diverse Spitzen- und Bortenreste, ein liebevoll verschmorter Faschingsohrring und Goldflitterband, an dem mal die Glocken von Lindt-Schokoweihnachtsmännern befestigt waren.

Und hier der Beweis, dass sich der Bierkonsum wirklich gelohnt hat:

Endzeitmieder9

Einige der Laschen habe ich noch mit Nagelack bemalt und anschließend verkratzt. Festgenäht sind sie mit einer Menge Knopflochgarn, was bisher auch gut zu halten scheint. Die Schnur habe ich aus diversen fies-kreischbunten Wollresten geflochten.

Das war’s dann vorerst aus der Endzeit. Mal sehen, wo mich meine Zeitmaschine als nächstes hinführt.

Saufen fürs Nähprojekt

Musik: Mr. Hurly und die Pulveraffen – Schrumpfkopf im Rumtopf

Ich weiß, ich war in letzter Zeit mal wieder schreibfaul, aber so ganz untätig bin ich während der letzten anderthalb Monaten doch nicht gewesen. Ich habe von einer befreundeten LARPerin einen Auftrag für ein Schnürmieder für ihren Endzeitcharakter bekommen, im Tausch gegen eine auf Steampunk-Endzeit gemoddete Nerf.

Also habe ich erstmal mein Stofflager durchsucht, einen Haufen Stoffreste zusammengesammelt und mich mit Schimmelentferner an ihnen ausgetobt. Interessanter Fakt: Zwei verschiedene Chargen schwarzer IKEA-Ditte nehmen völlig unterschiedliche Farben an. Während Charge 1 sich knallorange entfärbte, kam bei Charge 2 eine Art beige raus. Und reine Synthetik entfärbt sich leider gar nicht.

Dann habe ich meinen verlässlichen Miederschnitt aus der besten Burda aller Zeiten (09/2006) rausgekramt und mich ans Werk gemacht. Das Geile an Endzeitklamotten ist, dass man auf sämtliche Nähstandards pfeifen kann. Versäubert wird nicht und der Fadenlauf wird im Rahmen der gewährleisteten Miederstabilität einfach mal ignoriert. Auch mit der Deko hatte ich bisher viel Spaß: Spitze mit dem Streichholz anschmoren, Unterlegscheiben in Salzwasser einlegen damit sie schön rosten, Metallteile erst mit Nagellack bepinseln und dann anzünden für die echte aus-dem-Feuer-gerettet-Patina, Knöpfe mit der Feile verunstalten, kaputten und abgeranzten Modeschmuck zerlegen – Ja, da kommt Freude auf. Außerdem lohnt es sich doch, so ziemlich jeden Restfitzel Kram aufzuheben. Für ein solches Projekt sind Minireste perfekt. Als Stäbe habe ich ganz stilecht Kabelbinder eingezogen. Das hier ist der derzeitige Stand: (Nur zur Anmerkung, bis auf das Leinen im Medaillon waren alle Stoffe ursprünglich mal schwarz)

Endzeitmieder1

Die Schnürung hat mir einiges Kopfzerbrechen bereitet. In der Endzeit gibt es vermutlich nicht einfach mal eben so eine Ösenzange und die guten Ösen von Prym, deshalb musste eine andere Lösung her. Zuerst habe ich überlegt, die Schnürösen einfach zu bohren und anschließend mit Knopflochgarn zu umsticken wie bei Rokoko-Schnürbrüsten, aber dann kam mir eine wesentlich abgefahrenere zündende Idee. Warum nicht einfach die Öffnungslaschen von Getränkedosen nehmen? Einige habe ich von der zukünftigen Besitzerin des Mieders bekommen, aber da ich auch noch einige andere Stellen des Mieders mit den Dingern verzieren wollte, haben sie nicht ganz gereicht. Die Lösung: Dosenbier! Irgendwie kommt man sich zwar schon etwas bescheuert vor, wenn man im Supermarkt steht und sich Bier danach aussucht, möglichst viele verschiedene Öffnungsnupsiformen und -farben zusammenzukriegen, aber was tut man nicht alles für die Kunst.

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In diesem Sinne: Slayer!

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