Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Himmelfahrtskommando

Musik: Airbourne – Stand up and Rock’n’Roll

Es gibt da diesen ganz bestimmten Stoff, den ich heiß und innig liebe. Nachdem ich erst zwei Meter mit nach Hause geschleppt hatte, schlich ich wenige Tage später zurück zu Alfatex, um auch den ganzen Rest des Ballens mitzunehmen. Die ersten Stücke fanden Verwendung als Teile des Whisky-Korsetts und anschließend nähte ich mir noch ein Sommerkleid nach Burda, das am gertenschlanken Größe 36-Model in der Zeitschrift noch super aussah, an meiner Figur jedoch gandenlos scheiterte. An der Oberweite war es zu eng, in der Taille zu sackig und am Schinken wieder recht knapp. Burda und meine Figur führen einen ewigen Grabenkrieg. Für meine christlichen Werte brauche ich meistens eine 42, was an den Schultern wiederum viel zu weit ist. In der Taille passt mir teilweise sogar 38, der Schinken fühlt sich wiederum in irgendwas zwischen 40 und 42 wesentlich wohler. Jedenfalls hängt das Kleid nun schon seit drei Jahren im Kleiderschrank und ich ziehe es nur einmal im Jahr in der irrigen Hoffnung an, dass es nun doch irgendwie besser sitzt, und bringe es doch irgendwie nicht übers Herz, es auszusortieren.

http://i773.photobucket.com/albums/yy14/Sensenratte/IMGP1047.jpg  Seufz. Iron Girl passt es sogar ganz gut, aber sie ist im Gegensatz zu mir auch recht flachbrüstig.

Mittlerweile habe ich kaum noch Bock auf Burda, weil ich weiß, dass ich immer erst ein Probeteil nähen und daran herumändern muss, bis ich eine passende Klamotte bekomme. Beim Stricken kommt es auf einen Zentimeter mehr oder weniger nicht an, weshalb ich in letzter Zeit meine Nerven geschont und mich mehr der Wolle zugewandt habe. Aber es half nichts, mein Kleiderschrank hatte einen akuten Mangel an Braun und Khaki in Rockform. Und so kramte ich am schönen Himmelfahrtstag den wunderbaren Stoff wieder hervor und beschloss, auf Burda und sonstige Schnittmuster zu pfeifen und den einfachsten Rock der Welt aus drei Rechtecken zu nähen. Einmal 84*4 cm für den Bund und zweimal 80*60 cm als Rockbahnen plus Nahtzugaben. Der Stoff liegt leider nur 150 cm breit, deshalb ging sich nur eine Rockbahn bei einer gewünschten Saumweite vom doppelten Taillenumfang gerade nicht aus.

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Ein weiterer Vorteil absolut simpler Konstruktionen: Das verhasste Zuschneiden geht wirklich schnell. Also saß ich auch bald an der Maschine und der Lärmbattle Nähmaschine vs. Hansi Kürsch konnte beginnen.

MrsIrishBastard2

Ich bin wirklich paranoid, was potentielles Ausfransen betrifft. Ich versäubere sogar Kanten, die später eingeschlagen werden und somit nie irgendwelcher Reibung ausgesetzt sind. Die Rockteile waren schnell aneinandergenäht. Glücklicherweise habe ich einen recht beträchtlichen Reißverschlussvorrat, sodass ich einfach in die entsprechende Kiste greifen, einen farblich halbwegs passenden Nahtreißverschluss herausziehen, und ihn einnähen konnte. Das ist das Problem mit dem spontanen Nähen an Feiertagen – wenn dann doch etwas fehlt, ist man erstmal aufgeschmissen.

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Hier mal eine Nahaufnahme des Stoffs – ich finde es so schön, dass ein Teil der Streifen noch mal in sich gemustert ist. Nach Einnähen des Reißverschlusses mussten 160 cm Rock auf 80 cm Bundweite zusammengerafft werden. Nachdem ich ein wenig mit Einkräuseln herumprobiert hatte, entschloss ich mich dann doch ganz spontan für eine Reihe Kellerfalten, die ich dann pi mal Daumen nach Augenmaß gelegt habe.

Am Freitag kamen dann die Handnähte. Zuerst habe ich den Bund umgeschlagen und von innen unsichtbar festgenäht. Manche Leute können das auch mit der Maschine im Nahtschatten, aber ich bin zu grobmotorisch dafür. Anschließend habe ich noch etwas gegen die Kahlheit der unteren Kante getan und einen Rest der Spitze von Korsett und Kleid angenäht.

MrsIrishBastard4

Die Maniküre durfte zu diesem Zeitpunkt durch die ständige Beanspruchung durch die Nadelspitze als Kollateralschaden bezeichnet werden. Mit der Spitze war das Gröbste dann auch geschafft, fehlten nur noch Knopfloch und Knopf am Bund. Dank des Kleids hatte ich schon passendes Knopflochgarn da.

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Und das Wichtigste, die gnadenlose Selbstbeweihräucherung, darf am Ende natürlich auch nicht fehlen:

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Im letzten Büchsenlicht habe ich Iron Girl dann noch auf die Terrasse geschleppt um das Ergebnis komplett im Bild festzuhalten. Jetzt muss es nur noch warm genug werden, dass ich meine beigen Peeptoe-Wedges wieder anziehen kann. Übrigens ist hier nun auch mal der Grund zu sehen, weshalb die Puppe Iron Girl heißt.

MrsIrishBastard7

Diese wirklich unkomplizierte Klamotte hat mich nun doch etwas dazu motiviert, mich mal wieder öfter an die Nähmaschine zu setzen und in die Schlacht gegen nicht für meine Körperform konzipierte Schnittmuster zu ziehen. Das Projekt war auch insofern eine Premiere für mich, als dass ich zum ersten Mal wirklich systematisch den Entstehungsprozess für den Blog festgehalten habe. Und weil Himmelfahrt ist, habe ich mir nach erfolgreichem Nähvollzug noch was hiervon gegönnt:

Bier

Danke an alle, die ‚Horatia stümpert sich einen Rock zusammen‘ bis zum Ende durchgehalten haben!

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Ein Gedanke zu „Himmelfahrtskommando

  1. Ist doch sehr hübsche geworden. Dann mal Prost! 😉 Lg Betty

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