Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für den Monat “Oktober, 2015”

Metalkissen Nummer 2

Musik: Arch Enemy – My Apocalypse

Als der Tilmensch bei der Wohnmobil-Einweihung des rosa Manowar-Kissens ansichtig wurde, meinte er, dass so ein Kissen ihm auch gefallen würde. Also habe ich mich zu seinem Geburtstag an die Maschine gesetzt, fleißig mit Stoffmalfarbe und Schimmelentferner herumgesaut und aus dem unergründlichen Vorrat an Flecktarn ein Endzeit-Iron Maiden-Kissen für sein neues Sofa zusammengebastelt. Erkenntnis Nummer 1: Schimmelentferner hat auf meine Camostoffe so gut wie überhaupt keine Wirkung. Erkenntnis Nummer 2: Je nachdem, ob der Stoff feucht oder trocken ist, lassen sich mit dem Schimmelentferner sehr unterschiedliche Effekte erzielen. Dank des Kissens habe ich auch immerhin einen der Tarnstoffe bis auf ein paar kleine Restfitzel aufbrauchen können. Das macht -1 für den Stoffberg, Yeah!

Maidenkissen1

Ansonsten ist handarbeitstechnisch gerade nicht viel los, denn Promovieren frisst Zeit. Aber das nächste hirnrissige Projekt steht schon in den Startlöchern. Kleiner Spoiler: Es wird Zahnräder geben. Viele Zahnräder.

Bad Romance

Musik: Edguy – Do me like a Caveman

(Warnung: Dieser Blogpost enthält eventuell obszönes Material. Lesen auf eigene Gefahr.)

Ich habe im Grünen Forum mal wieder an einem Swap teilgenommen. Die Sache funktioniert folgendermaßen: Alle Teilnehmenden schreiben einen Steckbrief, der jeweils einer anderen Person zugelost wird, werkeln zum jeweiligen Swapthema ein passendes Geschenk, und schicken es dann auf die Reise. Mittlerweile nehme ich nur noch selten an Swaps teil, aber das Thema ‚Schundroman‘ war einfach zu reizvoll. Es geht darum, einen möglichst grottenschlechten Liebesroman zu kommentieren, verzieren oder was auch immer man damit anstellen will. Die perfekte Gelegenheit, meiner inneren Nanny Ogg mal so richtig freien Lauf zu lassen, nachdem ich im Laufe der Jahre auf vielen Treffen der Stadtwache von Ankh-Morpork und bei diversen Runden Cards against Humanity so fließig an meiner Versautheit gearbeitet habe.

Nachdem ich meinen Steckbrief bekommen hatte, unternahm ich eine Tieftauchexpedition in die Büchergrabbelkiste des örtlichen Supermarkts und förderte dort eine wahre Perle des Nackenbeißer-Genres zu Tage.

Schundroman1

Ein kurzes Anlesen des Prologs, der sich ausführlich über die Qualität des Hoseninhalts der männlichen Hauptfigur ausließ, überzeugte mich dann völlig, das es dieses Buch und kein anderes sein musste. Und so begab sich Horatia Aubrey todesmutig, ausgerüstet nur mit Schokolade und zahlreichen Flaschen Hugo, auf eine Expedition in die Abgründe des erotischen Nackenbeißers, in das bisher mit Inbrunst verschmähte Reich der Lustgrotten und Musketenrohre. Es gibt einen Haufen Nackenbeißer betreffende Klischees, und sie sind zumindest in diesem Buch alle wahr. Das erotische Knistern (hier bitte passenden Soundeffekt einfügen) hat absolute Priorität über alles. So wechselt das Untergrundgestein des wildromantischen Moors fröhlich von Granit über Karst (Kennzeichen eines Untergrunds aus Gipsgestein) und Basalt wieder zurück zu Granit und dass ein Korsett nicht mit zartem Spitzenband geschnürt wird, hat Frau Dare wohl auch noch niemand erklärt. Ein halbgarer Krimi-Nebenplot verläuft am Ende ergebnislos im Sand und die Charakterisierung der Hauptfiguren ist alles andere als konsistent. Angesichts dieses literarischen Verkehrsunfalls (Pun intended) sah ich mich gezwungen, Inhaltsangabe und Autorenvita etwas umzuschreiben um die Erwartungen an dieses Meisterwerk für meine Wichtelpartnerin ins rechte Licht zu rücken. Der erste Halbsatz der Autorenvita stand allerdings wirklich so drin. So einen grandiosen temporalen Fail hätte ich mir nicht ausdenken können.

Schundroman4

Dazu gab es noch Infografiken zu den beiden Hauptfiguren im Order of the Stick-Stil:

Schundroman2

Schundroman3

Dann brauchte das Buch noch einen neuen Einband, denn das oben gezeigte Cover ist absolut nicht öffentlichkeitstauglich, wenn man sich noch einen Rest Menschenwürde bewahren würde. Da ist ein geschicktes Tarnmanöver gefragt.

Schundroman5

Nerdfact: ‚Blue Harvest – Horror Beyond Imagination‘ war der Deckname unter dem ‚Return of the Jedi‘ seinerzeit in die Produktion ging.

Zum Buch gab es noch ein Pacman-Lesezeichen, eine kleine Flasche selbst aufgesetzten Lakritz-Pfeffer-Likör (für die Momente in denen der süßliche Schmalz nicht mehr zu ertragen ist), Kekse in Herzform, Tee und Schoki.

Schundroman6

Im Endeffekt muss ich sagen, dass es in Hinsicht auf meine gelegentliche Betätigung als Hobbyschriftstellerin hochinteresant war, mal so richtig weit außerhalb meiner Komfortzone zu lesen. Dinge, die ich bei der Lektüre eines Nackenbeißers gelernt habe:

  • Das allerwichtigste ist der Sex, beziehungsweise die immer wiederkehrende Verhinderung in letzter Minute von selbigem. Alles andere ist zweitrangig.
  • Viele neue, kreative Beschreibungen der männlichen Fortpflanzungsorgane die mir bisher noch nicht geläufig waren
  • Je verliebter eine Frau ist, desto häufiger benutze die Wörter ‚töricht‘ und ‚Närrin‘.
  • Die Liebe entschuldigt in Nackenbeißern jedes noch so chauvinistisches, fremdbestimmendes oder creepy Verhalten. Und nein, es geht nicht nur von ihm aus. Sie schleicht nachts in sein Schlafzimmer und hebt die Bettdecke an, um die Ausstattung zwischen seinen Beinen zu betrachten. So weit ist sogar Edward Stalker Cullen nicht gegangen.
  • Anständige Protagonisten brauchen eine tragische Vergangenheit. Je tragischer, desto besser, und am allerbesten ist es sowieso, wenn sie sich auch noch für hochdramatische Enthüllungen in den richtigen Momenten (oder aus Sicht der Figuren falschen Momenten, weil es dann wieder keinen Sex gibt) eignet.
  • Verschwende keine großen Gedanken an Nebenplots. Siehe Punkt 1.
  • Recherche ist auch nicht so wichtig. Siehe ebenfalls Punkt 1.

Die Aktion hat eine Menge Spaß gemacht. Es war das literarische Äquivalent der berüchtigten schlechte-Filme-Abende, die ich früher mit Freunden regelmäßig veranstaltet habe. Irgendwann ist es einfach so schlecht, dass es irgendwie auch wieder extrem unterhaltsam ist. Nach den sündigen Herzen las ich übrigens ‚Nein! ich will keinen Seniorenteller!‘ von Virginia Ironside. Ein typischer Frauenroman, den ich eigentlich meiner Mutter zur Pensionierung schenken wollte, nur hatte sie ihn leider schon. Und das war dann doch schon wieder ein ganz anderes Level literarischer Qualität. Konsequent charakterisierte Protagonisten und nicht sinnlos ins Leere verlaufende Handlungsstränge, was habe ich euch vermisst!

Natürlich habe ich auch etwas bekommen: Ein Machwerk namens ‚Fedora – im Harem des Prinzen‘ von einer gewissen Mona Vara. Umgestaltet und kommentiert wurde ein cthuloider Tentakelprono draus, der erzählt, wie Abdul Alhazred wirklich dazu kam, das Necronomicon zu schreiben. Auch hier noch mal ganz vielen Dank dafür, Eladora! Ich bin extrem gespannt.

 

 

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