Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für den Monat “April, 2016”

Einhornkotze in Fadenform

Musik: Van Canto – If I die in Battle

Manchmal juckt es einen einfach in den Fingern, und obwohl ich noch so viele angefangene Projekte herumliegen habe, musste ich unbedingt mal wieder was stricken. Glücklicherweise ist der Erbwollebestand immer noch schier unergründlich und eine Expedition in die Tiefen des Wollbergs förderte schließlich sieben Knäule Lace-Wolle zu Tage, deren Farbverlauf den Namen Einhornkotze mehr als verdient hat. Ich frage mich ernsthaft, was meine verstorbene Tante damit vorhatte. So schröcklich, dass es schon wieder geil ist, und wunderbar passend zu schwarzer Lederjacke, schwarzem Restoutfit und schwarzen Turnschuhen. Das Muster gibt es gratis hier (Lidia Tsymbal: Lighter than Perfume) und ich habe nach einigem Gewürge mit zu fest gezogenen Maschen nun auch erfolgreich gelernt, wie Noppen gestrickt werden.

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Mal wieder perfektes Timing von mir: Jetzt, wo der Frühling hoffentlich bald endgültig kommt, fängt sie wieder an, Schals zu stricken. Aber so ist er immerhin fertig, wenn es wieder kalt wird.

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Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Nordwärts

Musik: Amon Amarth – The Way of Vikings

Nach viel zu langer Zeit kommt nun endlich wieder eine Folge ‚Horatia nörgelt sich durch Bücher‘.

 

Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich eine Rezension schreiben soll, da ich die Phileasson-Saga schon einmal gemeistert habe und mit ganz anderen Voraussetzungen an das Buch herangehe als jemand, der oder die von Aventurien und DSA noch nie etwas gehört hat, aber mich dann doch dafür entschieden. Manchmal muss ein Text einfach raus, und die Phileasson-Saga ist eine Herzensangelegenheit.

Worum geht es? Zwei verfeindete Thorwaler Drachenschiffkapitäne, eine Wettfahrt in 80 Wochen rund um Aventurien, zwölf dabei zu lösende Aufgaben, sich einmischende höhere Mächte und einen Haufen zusammengewürfelter Abenteurer, die mit auf große Fahrt gehen.

Wer hat’s geschrieben? Bernhard Hennen, in der Deutschen Fantasyszene und darüber hinaus bekannt durch zahlreiche Elfen-Romane und Autor der ursprünglichen Phileasson-Kampagne für das DSA-Rollenspielsystem, und Robert Corvus, unter verschiedenen Pseudonymen Autor für unter anderem DSA und Perry Rhodan, sowie Verfasser der Schattenherren-Reihe (und außerdem ein Mensch mit sehr gutem Musikgeschmack).

Wie sieht das aus? So. Solche Fotos entstehen, wenn ich begeistert feststelle, dass das frisch erworbene Buch perfekt zum Nagellack passt.

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Und wie fand ich das nun? Vor der eigentlichen Geschichte steht ein etwa 80 Seiten langer Prolog, der einem mehrere der mitreisenden Abenteurer etwas näher bringt. Dieser hat mich zwiespältig zurückgelassen. Ich freue mich zwar immer über Charakter-Hintergrundgeschichten, aber der Prolog erinnerte mich eher an A Song of Ice and Fire als an Aventurien, bis hin zu einem Satz, an dessen Ende eigentlich nur noch ein ‚Valar Morghulis‘ gefehlt hätte. Außerdem hat mich irritiert, dass die ganze Zeit nur von Jungmannen die Rede war und Frauen nur zum Füllen des Methorns auftauchten und abfällig Weiber genannt wurden. Die Thorwaler sind zwar ein raues Völkchen, aber eigentlich sind bei ihnen Männer und Frauen komplett gleichberechtigt.

Dann ging es endlich mit der richtigen Geschichte los, die 10 Jahre nach dem Prolog spielt und ziemlich genau dem Abenteuerband folgt. Ich konnte immer mitblättern und hatte endlich mal keinen Grund, über fehlendes Kartenmaterial zu mosern. Da auf die meisten Meisterfiguren unter der Schiffsbesatzung verzichtet wurde, sind einige interessante neue Figuren dabei. Leider wurde ausgerechnet das Kernstück des ersten Bandes, die schon lange andauernde Fehde zwischen den rivalisierenden Kapitänen Asleif Phileasson und Beorn Asgrimmson, kaum thematisiert. Ein Satz, dass der Unfalltod von Beorns Schwester wohl der Auslöser der offenen Feindschaft war, das war es auch schon. Schade, da hätten die Autoren so viel mehr aus der Geschichte herausholen können. Was ist damals genau passiert? Was haben die beiden seitdem getan um sich gegenseitig das Leben schwer zu machen? Was hat Phileasson im Güldenland erlebt und war Beorn wirklich auch da oder hat er nur gelogen? Ich will Drama, Baby, Drama! Das wäre perfekter Stoff für den Prolog gewesen! Vielleicht bringen die weiteren Bände in der Hinsicht noch was, sonst wäre ich echt enttäuscht.

Sehr gut ausgearbeitet hingegen fand ich die Figur der Travia-Geweihten Shaya Lifgundsdottir, die als Schiedsrichterin des Wettkampfs mit auf die Reise geht und mit dem rauen Umgangston auf einem Drachenschiff und ihrer durch ihre Position bedingten Außenseiterrolle in der Mannschaft hadert. Shaya hat im Vergleich zum Abenteuer wirklich an Profil gewonnen, und es ist schön zu beobachten, wie sie nach und nach in ihre Rolle in der Schiffsgemeinschaft hineinwächst. Mein absoluter Liebling unter den Protagonisten ist allerdings Irulla, eine Waldmenschenfrau mit extrem morbider Weltsicht und einer besonderen Beziehung zu Spinnen. Leider trat sie im ersten Band nur am Rande in Erscheinung, ich würde mich freuen, in den Fortsetzungen mehr von ihr zu lesen.

Im Gegensatz zum Abenteuerband wird auch Beorns Geschichte viel Raum gegeben, was ich persönlich als gelungenen Schachzug seitens der Autoren empfinde. So bekommt zum Beispiel eine Stelle, die ich beim Vorbereiten des Abenteuers immer als sinnlose Meisterwillkür empfunden habe, plötzlich einen ganz anderen Kontext.

Der Phileasson von Hennen und Corvus kommt recht nahe an ‚meinen‘ Phileasson heran, den ich charakterlich ziemlich stark an Captain Jack Aubrey aus den Master and Commander-Romanen von Patrick O’Brian angelehnt hatte. Ehrenhaft, charismatisch, ein strenger aber gerechter Kapitän mit einer gelegentlichen Neigung zu tollkühnen Aktionen. Nur hoffe ich, wie schon geschrieben, noch auf mehr Hintergrundgeschichte. Aus dieser ikonischen Figur ist noch so viel mehr herauszuholen.

Trotz seiner Schwächen hat mir ‚Nordwärts‘ eine Menge Spaß und eine schlaflose Nacht beschert, und ich habe mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht immer wieder daran erinnert, was meine Gruppe damals in der jeweiligen Situation so alles getrieben hat. Meine Rollenspielkonditionierung hat außerdem dafür gesorgt, dass immer wieder mitgerätselt habe, was die Protagonisten wohl gerade gewürfelt haben (Spontane Selbstentzündung beim Ignifaxius! Das war mindstens eine Doppel-20!). Lustigerweise erinnert die Lösung der ersten Aufgabe im Buch sehr stark an das, was meine Spieler ausgebrütet hatten. Nur der Nihilgravo und die angesengte Feder am Hut des Schwertgesellen fielen im Buch aus. Falls ich die Kampagne noch mal meistern sollte (worauf ich gerade so richtig Bock habe), werde ich definitiv auf einige der Anregungen aus der Romanfassung zurückgreifen.

 

***SPOILER***

Nun bin ich gespannt auf Band 2, der im August erscheinen soll. Das Abenteuer, in dem der von mir beim Witcher 2-Let’s Play inflationär gebrauchte Begriff ‚missgünstige Elfen‘ seinen Ursprung hatte. Wird jemand das Schwert aus dem Eisgrab einsacken und beinahe von einem für alle anderen unsichtbaren Monster erlegt werden?  Wird jemand auf DEN Gong hauen? Werden sie Pardonas Pantoffeln stehlen (und anschließend die Diebstähle von Borbarads Badelatschen, Rohals Rasiermesser und Nahemas Nagelschere planen)? Wird jemand beim hinterhältigen Abstechen einer andersweitig abgelenkten Chimäre patzen und einen schweren Eigentreffer landen? Werden sie überhaupt wieder lebend aus dem Himmelsturm rauskommen und wird Irulla auch dort, wie angekündigt, eine Spinne finden?

***SPOILER ENDE***

Neue Sechsecke

Musik: Sisters of Mercy – Lucretia my Reflection

Im Laufe der letzten Wochen haben sich wieder einige neue Sechsecke für die Lesedecke angesammelt.

Oben links: Der Flyte-Charm aus der Septimus Heap-Reihe. Manchmal lese ich auch gerne mal Kinderbücher, und diese Serie mag ich ganz besonders.

Oben rechts: Keine Panik. Der Reiseführer ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ hilft in den meisten Fällen weiter.

Unten links: Einige unbestickte Sechsecke aus verschiedenen Stoffen.

Unten rechts: Das Schwarze Auge. Ich spiele das System schon seit vielen Jahren mit großer Begeisterung, deshalb brauchte es auch ein Sechseck.

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Von aprilnärrin aus dem Grünen Forum habe ich im Tausch gegen ein Nadelbuch noch zwei weitere Sechsecke bekommen.

Links: Der Rattentod aus Terry Pratchett’s Scheibenwelt. Ich bin verliebt. Rattentod ist nämlich im Grünen Forum mein Nickname.

Rechts: Der weiße Baum von Gondor aus J. R. R. Tolkiens ‚Der Herr der Ringe‘. Mein absolutes Lieblingsbuch.

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Außerdem war ich über die Osterferien wieder böse. Bei Weltkartenstoff setzt nun mal einfach mein Hirn aus und ich musste es ausnutzen, dass es endlich mal wieder ein paar Patchworkstoffe gab, die nicht augenkrebserzeugend kreischbunt sind. Leider sind Patchworkstoffe so schweineteuer, dass ich mir nur 20 cm pro Stoff geleistet habe, schließlich wollte ich die neue Amon Amarth-Scheibe ja auch noch haben.

OsterLoot

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