Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Ihr seid gut, ihr trefft Töne!

Musik: Satyricon – K.I.N.G.

Meine Freunde und ich haben uns mal wieder für vier Tage Dreck, Dixis und Dosenbier von der Zivilisation verabschiedet. Mit anderen Worten: Es war RockHarz und wir mittendrin.

Mittwoch

Mittlerweile haben wir den absoluten Gipfel der Festivaldekadenz erreicht, da sich der beste Manowar-Fan der Welt ein Wohnmobil zugelegt hat. Mit diesem Riesengeschoss machten der Tilmensch, Bran und ich uns am Mittwoch Mittag als Vorhut auf den Weg, um schon mal den Zeltplatz-Claim abzustecken. Unter Zuhilfenahme aller Beteiligten (Kommt was von rechts?) schafften wir es unfallfrei aufd Festivalgelände und hatten das große Glück, gerade in die Eröffung eines neuen Zeltplatzabschnitts hineinzurutschen, sodass wir unser Lager ganz entspannt mit reichlich Platz in der Mitte aufschlagen konnten. Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo das große Quetschen angesagt war. Da wir ohne Stau durchgekommen waren, blieb noch genug Zeit, im Camp zu chillen, die ersten Bierdosen zu knacken und sich der handgemachten Musik zu widmen. Vor anderthalb Wochen habe ich nämlich meine Gitarre mal wieder aus dem Keller ausgegraben und mir die Akkorde zu Empire of the Clouds von Maiden aus dem Netz gesucht. Und so schrubbten der Tilmensch auf der Ukulele und ich auf der Klampfe fröhlich vor uns hin, während sich um uns herum der Zeltplatz langsam füllte. Ich hatte schon vergessen, wie viel Spaß Gitarre spielen eigentlich macht. Man muss nicht gut sein, sondern einfach machen, dazu grölen und die Nachbarn verschrecken. Und Punk-Klassiker wie ‚Bullenwagen klaun und die Innenstadt demoliern‘ lassen sich ein einer Minute lernen. Gegen Abend stand dann mit JBO das erste Konzert an. Irgendwie zündeten sie bei mir nicht so ganz (vermutlich war ich noch zu nüchtern), aber es gab es rosa Wasserbälle, die auf das Publikum herabregneten, und von denen wir uns einige unter den Nagel rissen mit dem Plan, sie beim Konzert der finstersten Black Metal-Band des Festivals wieder ins Publikum zu werfen. Und als Outro schossen sie das Deep Space Nine-Thema in voller Lautstärke durch die Boxen, was schon definitiv episch war. Danach ließen wir den Abend ruhig mit Nudeln vom Wohnmobil-Gasherd ausklingen. Als ich dann im Zelt lag, konnte ich trotz Ohrenstöpseln hören, dass es in einem der Nachbarcamps auch einen Gitarrenspieler gab, der sich mit fortschreitender Zeit und fortschreitendem Getränkepegel in immer seltsamere Trinklieder verstrickte. Ich war kurzzeitig versucht, noch mal aus dem Schlafsack zu krabbeln und ihm Empire of the Clouds in die Hand zu drücken.

Donnerstag

Der Donnerstagmorgen begann um Punkt acht Uhr mit den Idioten von zwei Camps weiter, die lautstark ‚Guten Morgen, Sonnenschein!‘ über den Zeltplatz schallen ließen. Aargh! Ich habe ja absolut nichts dagegen, wenn die Leute bis spät nachts auf dem Campingplatz feiern, das gehört zu nem Festival dazu, aber Leute die früh morgens lautstark krampfhaft gute Laune verbreiten wollen, gehören in einem finsteren mitternächtlichen Ritual zu den Klängen von Immortal notgeschlachtet. Nach dem unsanften Wecken war erstmal Faulenzen, Lesen und weiteres Musik machen angesagt, bis wir um halb vier unsere Freundin Nici samt Ukulele Nummer 2 mit einer Dose eisgekühltem Bier vom Bus abholten. Danach ging es gemütlich weiter, bis wir uns zur ersten Band des Tages aufmachten, die wir sehen wollten – Gamma Ray. Die lieferten ein ordentliches Brett ab. ASP musste ich nicht unbedingt sehen, deshalb ging ich zurück zum Camp, Biernachschub holen, und beobachtete mit einem Auge das EM-Halbfinale Deutschland-Frankreich. Nach dem 0:2 war klar, dass das nichts mehr wird – Da waren Saxon eindeutig die verlockendere Alternative. Faszinierend, wie Biff gesanglich immer noch abgeht, obwohl er noch mal 7 Jahre älter ist als The Bruce. Und was das Thema Haare angeht hat er mit seiner schneeweißen Mähne sowieso haushoch gewonnen. Tolles Konzert, obwohl sie mein Lieblingslied von ihnen dieses Mal leider nicht gespielt haben. Auf dem Heimweg machten wir uns noch potentiell unbeliebt, weil wir ohne Rücksicht auf trauernde Fußballfans lautstark ‚Bier gegen Bullen und Deutschland‘ sangen. Dann wollten die anderen auch schon ins Bett, aber ich war noch nicht müde, weshalb ich noch bei unseren Nachbarn (nicht den Idioten) vorbei schaute und bei ihnen weiterfeierte. Sie hatten eine wirklich gute Musikauswahl auf ihrem Rechner und wir haben uns im Laufe der Tage so manches Mal gewünscht, dass den anderen Gruppen um uns herum ihre Anlagen um die Ohren fliegen. Warum stundenlang Kirmestechno ertragen müssen, wenn man auch Maiden hören könnte?

Freitag

Mein Gebet an die Götter Asgards wurde erhört: Der Morgen begann nicht mit schlechter Beschallung, sondern immerhin nur mit dem langsamen Erhitzen des Zelts durch die Sonne und dem anschließenden üblichen Tagesprogramm. Als erste Band des Tages stand Coppelius auf dem Programm. Wie immer sehr gut, auch wenn sie dieses Jahr nur ein Maiden-Cover gespielt haben. Dafür gab es die Wall of Friendliness. Das Publikum teilt sich in der Mitte, geht dann langsam aufeinander zu und wenn man sich in der Mitte trifft, gibt man sich die Hand und sagt etwas Nettes. Sehr stilvoll. Dann tauchte auch der Tilmensch mit dem besten Manowar-Fan der Welt im Schlepptau auf und wir waren endlich komplett. Zurück beim Zelt wurde erstmal ausgeibig gegrillt, während am Himmel dunkle Wolken aufzogen und wir schon Schlimmes befürchteten, aber bis auf einen kurzen Angstschauer kamen wir davon. Für Erheiterung sorgte auch einer der Idioten von zwei Camps weiter, der plötzlich in einem neongelben Mankini auf dem Dach seines Autos herumsprang. Festivals scheinen irgendwie das innere Kind im Menschen rauszulassen. Es gab wieder die üblichen kreativen Basteleien aus leeren Bierdosen, Gaffatape und sonstigem Gerümpel und auch ein paar andere nette Aktionen jenseits von dämlichen ‚Titten raus‘-Schildern. Eine Gruppe hatte ein Wörterbuch auf einem Tisch ausgelegt und mit einem Schild dazu aufgefordert, ihnen einen Begriff daraus vorzulesen, andere Leute hatten sich aus Pappkartons spontan Roboterkostüme gebastelt und liefen damit übers Gelände. Nächster Halt: Satyricon. Angemessen düster um die rosa Wasserbälle zum Einsatz kommen zu lassen. Ja, wir unverbesserlichen Trolle. Anschließend gingen der beste Manowar-Fan und ich eine Runde die Merchandise-Stände abchecken und deckten uns mit Sabaton-Patches ein. Saltatio Mortis schenkte ich mir, um dann mit einem neuen Bier wieder pünktlich zu Beginn der Rocky Horror Tobi Show alias Avantasia einzutreffen. Ich bekam, wofür ich gekommen war – 2 Stunden erstklassigen kitschtriefenden Power Metal und das übliche Gequatsche vom Tobi, der auch dieses Mal wieder für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgte. Glücklich kippte ich ins Zelt.

Samstag

Same Procedure as every Morning, wobei diverse Skalen erfunden wurden. Sonnencremedicke von eins bis Corpsepaint. Verschmiertes Augen-Make-Up von eins bis Satyricon. Und schlechter Sex von… nun ja, lassen wir das. Zwischendurch fand ich sogar noch Zeit, meinen neu erworbenen Sabaton-Patch auf die Kutte zu nähen, wo er nun thematisch passend neben dem Maiden-Patch mit Machine Gun-Eddie wohnen darf. Musikalisch begann der Tag mit Gloryhammer, der Zweitband von Alestorm. Die Power Metal-Band die noch kitschiger ist als Avantasia und das mit voller Absicht. Ob Posing mit einem Streithammer, lustige Fellstiefel oder epische Mitsingchöre – läuft. Danach begann mein persönliches Sportprogramm – Erst Finntroll und direkt danach Ensiferum. Ich war hinterher sowas von im Arsch, weshalb im Wohnmobil erstmal Speed-Nudeln mit Soße a la ‚Veggiebolognese + Pizzatomaten + alles was wir sonst noch so an Gemüse im Wohnmobil finden und was weg muss + Chiliflocken‘ gekocht wurden und wir pappsatt zurück zu Children of Bodom rollten, deren fettes Brett fleißig beim Verdauen half. Während Subway to Sally spielten, füllte ich meinen Bierbecher noch mal auf und begab mich zu meinem persönlichen Favoriten des Festivals: Powerwolf. Was soll man dazu noch sagen. Ein Haufen als Priester verkleidete Leute mit Corpsepaint, die abgefahrenen Power Metal mit leichtem Gothic-Einschlag spielen, mit einem rumänischen Opernsänger als Frontmann. Letzterer steckt stimmlich so ziemlich alles in die Tasche – gelernt ist halt gelernt. Ein rundrum geniales Konzert, von der Circle Pit rückwärts über das Reenacten des isländischen Fußballschlachtrufs (Huh!) bis zum Kommentar des Sängers über unsere Mitsingkünste: ‚Ihr seid gut, ihr trefft Töne!‘ Immer noch total geflasht latschte ich mal wieder zurück zum Zelt und wägte meine Optionen ab. Ich könnte jetzt schlafen gehen. Aber ich habe noch genau eine Dose Bier und nachher spielen noch Versengold, von denen ich immerhin zwei Lieder mitsingreif kenne. Am Ende wurden es Bier und Versengold und ich war wirklich positiv überrascht von der Band. Auf CD klingen sie teilweise eher lahm, aber live gingen sie ordentlich ab. Man stelle sich eine Mischung aus Fiddler’s Green und einer besseren Version von Schandmaul vor. Ein schöner Abschluss des Festivals.

Am Sonntag folgten das übliche Abbauen und das mittlerweile traditionelle Looten des Campingplatzes. Für mich sprang eine neue Klappkiste dabei heraus und unseren Auftrag nach roter und grüner Pavillonplane für einen neuen Schattenweber-Merchpavillon konnten wir auch erfüllen.

Nächster Halt Mitte August: Elb-Riot. Mit Sabaton. Und Slayer. Und noch mal Powerwolf. \m/

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