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Archiv für den Monat “September, 2016”

Büchernörgele: Robert Corvus – Rotes Gold (Die Schwertfeuer-Saga Band 1)

Musik: Die Streuner – Söldnerschwein

Einer meiner Vorsätze für 2016 bestand darin, mehr deutsche Autoren zu lesen, und ich finde, ich habe mich bisher ganz gut geschlagen. Und als ich dann Phileasson 1 las und eine Menge Spaß mit dem Buch hatte, beschloss ich, mal herauszufinden, was die beiden Autoren Solo so drauf haben. Was Bernhard Hennen betrifft muss ich gestehen, dass ich vor vielen Jahren die Elfen mal angelesen, aber dann abgebrochen habe, weshalb ich für meinen Test dann auch ein Buch ausgewählt habe, das mit beziehungsneurotischen Elfen nichts zu tun hat (Testergebnis folgt). Robert Corvus hingegen war für mich bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Aus dem Netz wusste ich, dass er eher düstere Fantasy schreibt. Da ich Andrzej Sapkowski, George R. R. Martin, Scott Lynch und Jim Butcher mit großer Begeisterung verschlungen und sowieso ein Faible für Hard Boiled-Geschichten habe, klang das schon mal gut. Als Testobjekt habe ich mir ‚Rotes Gold‘ besorgt, der derzeit aktuellste Roman.

Worum geht es?

Der Klingenrausch aus der Dämonen huldigenden Stadt Rorgator ist eine der berühmt-berüchtigtsten-Södnereinheiten der Welt. Als ihr Anführer Kester bei der Eroberung der Stadt Abidia einem Heckenschützen zum Opfer fällt, droht die Eliteeinheit zu zerfallen und nur dem Einfallsreichtum von Kesters Tochter Eivora und einem neuen Auftrag ist es zu verdanken, dass es vorläufig nicht soweit kommt. Der Klingenrausch soll einen machtgierigen König dabei unterstützen, die als uneinnehmbar geltende Stadt Ygôda zu erobern. Eivoras ganzer Einfallsreichtum ist gefragt, sich selbst als plötzliche Anführerin der schlachtentscheidenden Untereinheit zu beweisen, den Auftrag zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und herauszufinden, wer innerhalb des Klingenrauschs Ränke gegen wen schmiedet…

Wer hat es geschrieben?

Robert Corvus, Autor mit (ich erwähnte es bereits) gutem Musikgeschmack (ich freue mich immer, wenn noch jemand The Vision Bleak kennt und mag, und er hat sogar das gleiche Bandshirt wie ich) und einem sehr sehenswerten Videoblog, in dem er über sein Leben als Schriftsteller, Schreibtheorie und die Hintergründe der Buchbranche plaudert, oder mit einer Kamera über Conventions läuft und alles interviewt was nicht rechtzeitig geflohen ist.

Wie sieht das aus?

Zuerst erinnerte mich das Cover an eine Kopie von Saurons Helm aus den Herr der Ringe-Verfilmungen, doch nach Lektüre des Buchs ergibt das Motiv eindeutig einen Sinn.

rotesgold

Und wie fand ich das nun?

Ich habe ‚Rotes Gold‘ im Regionalzug von Göttingen nach Kassel angefangen zu lesen und habe nach zwei Seiten den lautstarken radwandernden Kegelclub einen Vierersitz weiter erfolgreich mental ausblenden können. Das spricht bei meinem leicht zu Reizüberflutung neigenden Ich schon mal eindeutig für ein Buch.

‚Rotes Gold‘ ist kein Buch für zartbesaitete Leserinnen und Leser. Es ist dreckig, brutal, fies und gemein. Und das ist gut so. Es zeigt, dass auch die Leute, die oft genug Antagonisten rechtschaffener, guter(TM) Helden sind, eigentlich nur ganz normale Leute mit ganz alltäglichen Sorgen und Nöten sind, auch wenn sie Feuerdämonen verehren. Ein interessanter Aspekt sind die jede Söldnereinheit begleitenden Avatare der Dämonen, eine Symbiose aus einem Menschen und einem dämonischen Homunculus, und das titelgebende magische Schwertfeuer, das sie entfachen können, quasi die virtuell zum Leben erweckte Schlachtfeldkarte der Fantasy. Der Avatar des Klingenrauschs, Chastro-Ignuto, ist jemand, den man als Leser gleichzeitig sowohl aufgrund seines notorischen Sadismus hassen als auch irgendwie bedauern kann, weil er damals so dumm war, sich auf diesen Pakt einzulassen, den er mittlerweile in den wenigen Momenten, in denen sein dämonischer Symbiont schläft, zutiefst bereut. Aber die Existenz als Avatar bedeutet Macht. Eine Macht, die auch eigentlich zutiefst rechtschaffene Personen anlockt, die mehr als genug Leid und Verzweiflung gesehen haben und nach einer Möglichkeit suchen, diesem endlich ein Ende zu bereiten.

Eivora als Hauptfigur ist eine interessante Protagonistin. Mit weiblichen Figuren tue ich mich oft schwer (die Gründe würden genug Stoff für einen eigenen Blogpost bieten). Aber Robert Corvus ist es mit Eivora gelungen, diverse gängige Klischees zu umschiffen. Sie hat ihre Stärken, ist aber keineswegs unfehlbar und auch nicht vollbusig und supersexy, aber trotzdem von allen gemobbt und so weiter. Außerdem hat sie mal ein echtes Hobby, das nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hat. Und als ihr ein Mann begegnet der sie interessiert, ergreift sie die Initiative, schmachtet nicht ewig passiv in der Gegend rum und gibt auch anschließend nicht ihr Hirn an der Garderobe ab (was viel zu viele ach so kämpferische Protagonistinnen in Romanen, sobald sie ihrem evil bad boy Traummacker begegnet sind, leider tun…). Die daraus resultierende Sexszene kam zwar nicht an das kreative Meisterstück aus aus Andrzej Sapkowskis ‚Die Dame vom See‘ ran, war aber trotzdem mal was anderes als der übliche Quotensex.

Die im Buch enthaltene Karte zum Schauplatz Ygôda ist schön gezeichnet und half sehr dabei, die Situation anschaulich zu machen.  Was ich allerdings etwas vermisst habe, sind eine Weltkarte und eine genauere Weltenbeschreibung. So bleibt leider unklar, wo Rorgator, Ygôda und Abidia im Verhältnis zueinander liegen und wie die allgemeine Beschaffenheit der Welt aussieht, auf die scheinbar sowohl Götter als auch Dämonen Einfluss haben.

Der Schreibstil ist der rauen Welt der Söldner angemessen eher nüchtern, sachlich und präzise, große sprachliche Schnörkel sucht man vergebens. Manche Situationen und allgemein die Beschreibung der Stadt Ygôda kamen mir als Liebhaberin ausführlicher Beschreibungen allerdings etwas zu kurz.

Und an einer Stelle muss die Diplom-Geowissenschaftlerin in mir doch mal klugscheißen. Im Glossar wird Lava als Gestein beschrieben, was umgangssprachlich auch gerne mal so genannt wird. Nach der geologischen Definition bezeichnet Lava jedoch flüssiges Gestein, das an die Oberfläche getreten ist (im Gegensatz zu Magma, wie die gleiche Sache genannt wird, solange sie noch nicht an die Erdoberfläche gekommen ist). Das im Buch beschriebene Gestein heißt korrekt Basalt (zumindest gehe ich davon aus, dass es Basalt ist, wenn das Ursprungsmaterial eher dünnflüssig ist) und nicht Lava. Ja, was geologische Terminologie betrifft, bin ich immer sehr erbsenzählerisch, zu irgendwas muss mein Studium ja gut sein. (Immer wenn ich zum Beispiel den Schicksalsberg in den Herr der Ringe-Verfilmungen sehe, habe ich auch das dringende Bedürfnis, mit dem Kopf die Tischkante zu bearbeiten. Bei derartig flüssiger Lava entsteht nie und nimmer ein so steiler Vulkan. Aber im Kino hätte es vermutlich wesentlich weniger spektakulär ausgesehen, wenn Frodo und Sam gemütlich die sanften Hänge eines Schildvulkans hochgelatscht wären.)

Insgesamt ist ‚Rotes Gold‘ ein schönes Buch, wenn man auch mit der dreckigen, düsteren Seite der Fantasy etwas anfangen kann. Außerdem gefällt mir das Konzept des Schwertfeuer-Zyklus, aufeinanderfolgende aber in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. Ich bin gespannt, wie es mit Eivora und dem Klingenrausch in der Fortsetzung ‚Weißes Gold‘, die Anfang 2017 erscheinen wird, weitergeht. Robert Corvus hat den Solo-Lesetest definitiv bestanden. Und wie ich herausgefunden habe, hat er auch ein paar völlig in sich abgeschlossene Bücher geschrieben. Lieber Ex-Mitbewohner, falls du das liest, deine jährliche Geburtstagsgeschenkchallenge (Ich wünsche mir einen in sich abgeschlossenen Fantasyroman) wurde hiermit sehr viel einfacher!

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Festivalbändchenbanner

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Haken an der Sache

Alle Festivalgängerinnen und -gänger kennen es – Das Festivalbändchen. Manche Leute sammeln sie über Jahre am Arm, ich habe die Bändchen der Saison immer bis zum Wachetreffen getragen und dann abgeschnitten. Aber was macht man dann damit? Zum Wegwerfen fand ich sie immer einfach zu schade, deshalb habe ich sie in einer Schublade meiner Schreibtischkommode gesammelt, bis mir schließlich die zündende Idee kam, wie ich sie angemessen zur Schau stellen kann. Hiermit präsentiere ich: Das Festivalbändchenbanner!

festivalbanner

Die Grundlage ist aus schwarzer Ditte, in Form geschnitten, gesäumt und oben mit einem Durchzug für den Stab versehen. Wieder ein reines Vorratsprojekt, selbst die Stange ist noch ein Rest vom Adventskalender für das Patenkind. Ich habe absichtlich unten noch viel Platz gelassen, für zukünftige Festivals. Das Banner repräsentiert auch längst nicht alle Festivals auf denen ich je gewesen bin, doch vor allem auf kleineren Veranstaltungen gab es oft nur ein Papierarmband. Dennoch, ein schönes Souvenir von mittlerweile 13 Jahren Rock’n’Roll auf diversen Äckern.

Was macht ihr eigentlich mit euren Bändchen?

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