Zum Anker und Oktopus

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Archiv für den Monat “Dezember, 2016”

Büchernörgele: Tommy Krappweis – Mara und der Feuerbringer

Musik: Amon Amarth – As Loke falls

Tommy Krappweis lief mir bei meinem Einsatz als Schattenweber-Merchfeeräuberin zuerst als Musiker über den Weg, der sich mit den Schattenwebern die Bühnen teilte und dann auch bei der Ausstellerparty dadurch auffiel, dass er erstens mit der Conmusiker-Allstar-Band mit diversen Rock- Folk- und Bluesklassikern Feierstimmung verbreitete und zweitens dann nach einer Wardrobe Malfunction einfach ohne Hose weiterspielte. Das hat mich doch irgendwie nachhaltig beeindruckt und nach etwas Recherche fand ich heraus, dass der Mann nicht nur Bernd das Brot erfunden, sondern auch mehrere All Age-Fantasyromane geschrieben hat. Das musste ich im Zuge meines mehr Deutsche Autoren lesen-Projekts doch mal ausprobieren. Auch wenn All-Age wegen des üblichen Mädel-hängt-irgendwann-zwischen-zwei-Typen-fest-und-die-Handlung-dreht-sich-fast-nur-noch-darum-Klischees eigentlich nicht so meins ist, in diesem Fall galt, wenn das Buch nur halb so durch war wie sein Autor, konnte das eigentlich nur gut werden.

Worum geht es?

Mara Lorbeer hat zur Zeit mit einigen Dingen zu kämpfen – dem Erwachsenwerden, der Scheidung ihrer Eltern, dem Esoterikfimmel ihrer Mutter und der Tatsache, dass es unter Gleichaltrigen mal so gar nicht cool ist, lieber die Beatles als Justin Bieber zu hören. Als ihre Mutter sie eines Tages zu einem mit Bäumen reden-Seminar schleppt, bekommt sie im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmerinnen tatsächlich eine Antwort. Ein sprechender Zweig offenbart ihr, dass sie eine Spákona ist, eine Seherin, und dass den alten Göttern und der ganzen Welt große Gefahr droht, wenn sie nicht hilft. Sigyn, die Frau Lokis, wurde von einem mysteriösen feuerbringenden Wesen entführt und es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass sich der gefesselte Loki aus seinen Ketten befreit. Verwirrt sucht Mara Hilfe bei dem Geschichtsprofessor Weissinger, dem es zuerst schwer fällt, ihre Geschichte zu glauben, und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie sie Ragnarök aufhalten können.

Wer hat es geschrieben?

Tommy Krappweis, Ex-Stuntman, Comedian, Produzent, Regisseur, Buchautor, Musiker und insgesamt ein Mensch mit vielen Talenten, der das meiner Meinung nach passendste Lied über die derzeitige Weltlage schlechthin geschrieben hat: Der Dunning Kruger Blues.

Wie sieht das aus?

Sehr rot. Und nein, es ist kein Buch zum Film, es gibt aber einen Film zum Buch, der es aufgrund der Aversion des deutschen Kinogängers gegen alle heimischen Produktionen die nicht a) ein Krimi, b) eine Beziehungskomödie mit wahlweise Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer oder c) Vergangenheitsbewältigung in irgendeiner Form sind, im Kino sehr schwer hatte. Ich selbst habe die Verfilmung noch nicht gesehen, werde das aber bei Gelegenheit mal tun.

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Und wie fand ich das nun?

Wie schon gesagt, ich lese nur selten All Age-Fantasy, eben wegen des erwähnten Heldin-zwischen-zwei-Typen-Klischees. In diesem Punkt hat Mara und der Feuerbringer bei mir schon mal gewonnen – Es gibt keine Romanze für die Hauptprotagonistin. Wirklich keine. Im Bereich des Jugendbuchs wirklich eine sehr angenehme Überraschung. Und auch sonst war Maras Geschichte ein Spaß auf ganzer Linie. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass Tommy Krappweis‘ Hauptmetier die Comedy ist und der Roman an manchen Stellen etwas überzeichnet wirkt, vor allem was Maras esoterikverrückte Mutter betrifft. Allerdings gibt es auch nachdenkliche Stellen, die diese Überzeichnungen mehr als wett machen. Überhaupt gelingt Krappweis das Kunststück, einen Roman über die germanische Götterwelt zu schreiben, der ohne verstaubte Klischees auskommt, ganz im Gegenteil, sogar einige ironische Seitenhiebe auf eben diese enthält. Etwas, was diese eigentlich faszinierende, aber durch den ideologischen Missbrauch durch das Dritte Reich etwas verpönte Mythologie dringend nötig hat. Ein Jugendbuch, das sowohl lustig und unterhaltsam ist, bei dessen Lektüre man aber auch noch richtig etwas lernen kann – Warum gibt es davon nicht mehr? Es existieren zwei Fortsetzungen, die ich mir bei Gelegenheit definitiv auch noch zulegen werde. Bevorzugt auf einer Convention und dann auch gleich von Herrn Krappweis signiert. Weil der Typ einfach cool ist.

Nach ‚Nebenan‘ von Bernhard Hennen eindeutig mein zweites Highlight der eher humoristisch gelagerten Fantasy dieses Jahr. Außerdem soll Neil Gaiman 2017 ein Buch über nordische Mythologie veröffentlichen. Ich bin sehr gespannt auf diese Kombination. Und da der SuB mittlerweile nach hartem Kampf einen weiteren Zehner geknackt hat und bei 39 angelangt ist, darf ich mir, sofern die finanzielle Lage es zulässt, auch wieder ein paar Bücher leisten.

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Die Wölfin

Musik: The Vision Bleak – She-Wolf  oder  Judas Priest – Pestilence and Plague

Teil 3 der Lesetherapie für geplagte DSA-Meister. Zugegeben, das Abenteuer gehörte nicht zu meinen liebsten Teilen der Kampagne, deshalb war ich doppelt gespannt, was die Autoren daraus gemacht haben und ob es ein paar Anregungen dafür gibt, so manche Stelle etwas griffiger zu gestalten.

Worum geht es?

Nach den Schrecken des Himmelsturms erwartet Kapitän Phileasson die dritte Aufgabe, die ihn in Gefilde führt, in denen der erfahrene Seefahrer mit seinem Latein (oder Bosparano) so ziemlich am Ende ist. Es gilt, eine heimtückische, tödliche Seuche zu bekämpfen, die unter den Nomadenstämmen des aventurischen Nordens wütet. Währenddessen kämpft sein der im Himmelsturm gefangener Konkurrent Beorn um sein Leben und das seiner Leute und bekommt schließlich ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, und dessen Tragweite sich ihm erst langsam erschließt.

Wer hat es geschrieben?

Die tapferen Ritter vom Orden des Bananensafts, Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Wie sieht das aus?

Plüsch-Karene gibt es leider nicht, deshalb durften die Elche als Deko einspringen. Der Trend zum Farbverlauf der Cover setzt sich fort. War ‚Nordwärts‘ noch in Türkistönen gehalten, besaß ‚Himmelsturm‘ ein blaues Cover. Nun also Lila. Allerdings ist mittlerweile das Vorschaucover zum vierten Band ‚Silberflamme‘ erschienen und es geht wieder in Richtung Blau. Einerseits schade, weil so ein kompletter Farbverlauf über 12 Bände im Regal sicherlich schick ausgesehen hätte, andererseits hatte ich schon befürchtet, dass ‚Silberflamme‘ in Rosaschattierungen erscheinen würde. Und Rosa ist ‚irghsbleibmirwegdamitböseundfürManowarkissenreserviert‘. Da hätte ich zum Erwerb des Buches wohl eine neutrale braune Papiertüte gebraucht.

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Und wie fand ich das nun?

Die Saga schreitet voran und der Trend aus Band 2, dass die Figuren langsam mehr Profil und Facetten bekommen, setzt sich fort. Dank Phileassons Schurkerei am Ende des letzten Bandes sitzt Beorn mit seinen Getreuen nun im Himmelsturm fest und ist den Grausamkeiten seiner Bewohner gnadenlos ausgeliefert. Hier zeigt sich wieder, dass er zwar skrupellos in der Umsetzung seiner Ziele ist, aber durchaus seine Prinzipien hat und genau wie Asleif alles für seine Leute tun würde. Eigentlich sind sich die beiden Kapitäne gar nicht so unähnlich. Und so hat Beorn für Asleifs Tat neben aller Wut auch eine gewisse Anerkennung übrig. Außerdem erfahren die geneigten Leserinnen und Leser, was sich hinter dem Portal befindet, an dessen Durchquerung Vascal della Rescati im letzten Band so spektakulär scheiterte, was der Blender über Intimrasur denkt, und dass nach einem vermeintlich erfolgreichen Plan der Catch 22 um so härter zuschlagen kann. Zudem gibt es erstmals nähere Hinweise darauf, was damals genau geschah, als Beorns Schwester starb und Freundschaft zu unversöhnlichem Hass wurde.

Währenddessen wird Asleif Phileasson von ganz anderen Sorgen geplagt: Die Hafenbürokratie in der nördlichen Handelsstadt Riva ist eine wahre Herausforderung für die Nerven eines Thorwalers der Probleme am lieber direkt löst als dem sprichwörtlichen Passierschein A38 hinterherzujagen (Hier laufen Ohm Follker und seine geschmeidige Zunge zu wahrer Höchstleistung auf), und auch die Bekämpfung einer Seuche ist nicht gerade eine Aufgabe, mit der ein zukünftiger König der Meere rechnet. Nichtsdestotrotz nimmt Asleif die Herausforderung an und findet sich in Situationen wieder, in denen seine Erfahrung als Seefahrer und Kapitän ihm rein gar nichts nützt. Um so mehr muss er sich auf seine mittlerweile auf einige neue Mitglieder angewachsene Schiffsgemeinschaft verlassen und kann sich glücklich schätzen, bei der Auswahl seiner Mannschaft nicht nur auf Kampfstärke geachtet zu haben.

Im dritten Band tauchen zwei neue Perspektivfiguren auf: Der aus dem Himmelsturm befreite Geweihte Praioslob und die Nivesin Nirka. Besonders Praioslob hat mir gut gefallen. Endlich mal ein Praiosgeweihter, der sich in eine Abenteurergruppe integrieren ließe, ohne dass ihn alle nach spätestens zwei Spielsitzungen hassen. Obwohl fest im Glauben, hadert er doch so manches Mal mit den radikalen Dogmen seiner Kirche. Ist es wirklich so abgrundtief schlecht, eine Lüge zu sprechen, wenn er jemandem dadurch in verzweifelter Stunde Trost zusprechen kann? Eine interessante Figur, von der ich gern mehr lesen möchte, allein schon weil er mit dem Praiosgeweihten-Klischee so schön bricht.

Leider ist die zunehmende Menge an Perspektivfiguren vor allem auf der Phileasson-Seite für mich auch der Schwachpunkt des Buches – im Mittelteil zerfasert sich die Handlung etwas und es fällt völlig hinten runter, was die eigentliche Hauptfigur während der Seuchenbekämpfung tut oder sich zu der ganzen Sache denkt. Das finde ich sehr schade, denn eigentlich ist er es doch, der diese Aufgabe erhalten hat. Dafür darf der gute Käptn später noch mal beweisen, dass er eigentlich doch die Seele eines Piraten hat: Die Szene in der er überlegt, dass der Wandteppich leider zu schwer zu Abtransport ist, aber man vielleicht doch zumindest einen der silbernen Kerzenleuchter mitgehen lassen könnte, war eins meiner persönlichen Highights. Auch der emotionale Abschied von seinem Schiff (vermutlich seine wahre Liebe) und das Gespräch, das Nirka davon überzeugt, selbst in die Welt hinauszuziehen, haben mir sehr gut gefallen.

Auch Beorns Ottojasko hat ihre schönen Momente, wobei mal wieder besonders Galayne heraussticht, der sich immer mehr in seinen eigenen Intrigen und denen anderer Mächte verstrickt, und nun den Maulwurf bei der Gemeinschaft spielen darf, die ihn als erste nach ewiger Zeit als einen der ihren zu akzeptieren beginnen. Ich werde immer mehr ein Fan dieser Figur, die sich eigentlich nur danach sehnt, irgendwo dazuzugehören, und dabei doch wieder über seine Agenda stolpert.

Insgesamt ein schönes Buch, bei dem das Lesen viel Spaß gemacht hat, wenn auch der Mittelteil ein paar leichte Hänger enthielt. Nun beginnt eine lange Durststrecke – Band 4 erscheint erst im Oktober nächsten Jahres.

 

SPOILER

 

Wie schon gesagt, der Plot mit der Nivesenseuche ist unbedingt mein Lieblingsabenteuer der Saga. Die Seuche auszuspielen hat mir persönlich nicht so viel Spaß gemacht, dafür gab es auf dem anschließenden Karentreck einige schöne Szenen und die Spieler lernten die Wichtigkeit von so oft verschmähten Talenten wie ‚Viehzucht‘ zu schätzen. Ein komödiantisches Highlight war das Goblin-Reitschwein, das sich die Zwergenkriegerin bei der Episode mit den Goblin-Viehdieben eingefangen hatte und das sie unbedingt zureiten wollte. Nun ja. Das war die Stelle wo das Abspielen des Benny Hill-Themes immer wenn jemand wus der Gruppe etwas wirklich Dummes tut, eingeführt wurde. Die anderen Charaktere hatten am Betrachten des regelmäßigen Zwergenrodeos jedenfalls sehr viel Spaß. Der notgeile Norbarde musste natürlich die Dryade im Feenwald anbaggern und in einer Kneipe am Wegesrand wurde fleißig Wässerchen verkostet, wobei der Swafnir-Geweihte zum absoluten Trinkkönig der Gruppe wurde. Und in einem waren sie sich alle einig, als sie endlich Festum erreichten: Sie wollten nie, nie wieder ein verdammtes Karen sehen!

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