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Büchernörgele: Tommy Krappweis – Mara und der Feuerbringer

Musik: Amon Amarth – As Loke falls

Tommy Krappweis lief mir bei meinem Einsatz als Schattenweber-Merchfeeräuberin zuerst als Musiker über den Weg, der sich mit den Schattenwebern die Bühnen teilte und dann auch bei der Ausstellerparty dadurch auffiel, dass er erstens mit der Conmusiker-Allstar-Band mit diversen Rock- Folk- und Bluesklassikern Feierstimmung verbreitete und zweitens dann nach einer Wardrobe Malfunction einfach ohne Hose weiterspielte. Das hat mich doch irgendwie nachhaltig beeindruckt und nach etwas Recherche fand ich heraus, dass der Mann nicht nur Bernd das Brot erfunden, sondern auch mehrere All Age-Fantasyromane geschrieben hat. Das musste ich im Zuge meines mehr Deutsche Autoren lesen-Projekts doch mal ausprobieren. Auch wenn All-Age wegen des üblichen Mädel-hängt-irgendwann-zwischen-zwei-Typen-fest-und-die-Handlung-dreht-sich-fast-nur-noch-darum-Klischees eigentlich nicht so meins ist, in diesem Fall galt, wenn das Buch nur halb so durch war wie sein Autor, konnte das eigentlich nur gut werden.

Worum geht es?

Mara Lorbeer hat zur Zeit mit einigen Dingen zu kämpfen – dem Erwachsenwerden, der Scheidung ihrer Eltern, dem Esoterikfimmel ihrer Mutter und der Tatsache, dass es unter Gleichaltrigen mal so gar nicht cool ist, lieber die Beatles als Justin Bieber zu hören. Als ihre Mutter sie eines Tages zu einem mit Bäumen reden-Seminar schleppt, bekommt sie im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmerinnen tatsächlich eine Antwort. Ein sprechender Zweig offenbart ihr, dass sie eine Spákona ist, eine Seherin, und dass den alten Göttern und der ganzen Welt große Gefahr droht, wenn sie nicht hilft. Sigyn, die Frau Lokis, wurde von einem mysteriösen feuerbringenden Wesen entführt und es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass sich der gefesselte Loki aus seinen Ketten befreit. Verwirrt sucht Mara Hilfe bei dem Geschichtsprofessor Weissinger, dem es zuerst schwer fällt, ihre Geschichte zu glauben, und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie sie Ragnarök aufhalten können.

Wer hat es geschrieben?

Tommy Krappweis, Ex-Stuntman, Comedian, Produzent, Regisseur, Buchautor, Musiker und insgesamt ein Mensch mit vielen Talenten, der das meiner Meinung nach passendste Lied über die derzeitige Weltlage schlechthin geschrieben hat: Der Dunning Kruger Blues.

Wie sieht das aus?

Sehr rot. Und nein, es ist kein Buch zum Film, es gibt aber einen Film zum Buch, der es aufgrund der Aversion des deutschen Kinogängers gegen alle heimischen Produktionen die nicht a) ein Krimi, b) eine Beziehungskomödie mit wahlweise Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer oder c) Vergangenheitsbewältigung in irgendeiner Form sind, im Kino sehr schwer hatte. Ich selbst habe die Verfilmung noch nicht gesehen, werde das aber bei Gelegenheit mal tun.

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Und wie fand ich das nun?

Wie schon gesagt, ich lese nur selten All Age-Fantasy, eben wegen des erwähnten Heldin-zwischen-zwei-Typen-Klischees. In diesem Punkt hat Mara und der Feuerbringer bei mir schon mal gewonnen – Es gibt keine Romanze für die Hauptprotagonistin. Wirklich keine. Im Bereich des Jugendbuchs wirklich eine sehr angenehme Überraschung. Und auch sonst war Maras Geschichte ein Spaß auf ganzer Linie. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass Tommy Krappweis‘ Hauptmetier die Comedy ist und der Roman an manchen Stellen etwas überzeichnet wirkt, vor allem was Maras esoterikverrückte Mutter betrifft. Allerdings gibt es auch nachdenkliche Stellen, die diese Überzeichnungen mehr als wett machen. Überhaupt gelingt Krappweis das Kunststück, einen Roman über die germanische Götterwelt zu schreiben, der ohne verstaubte Klischees auskommt, ganz im Gegenteil, sogar einige ironische Seitenhiebe auf eben diese enthält. Etwas, was diese eigentlich faszinierende, aber durch den ideologischen Missbrauch durch das Dritte Reich etwas verpönte Mythologie dringend nötig hat. Ein Jugendbuch, das sowohl lustig und unterhaltsam ist, bei dessen Lektüre man aber auch noch richtig etwas lernen kann – Warum gibt es davon nicht mehr? Es existieren zwei Fortsetzungen, die ich mir bei Gelegenheit definitiv auch noch zulegen werde. Bevorzugt auf einer Convention und dann auch gleich von Herrn Krappweis signiert. Weil der Typ einfach cool ist.

Nach ‚Nebenan‘ von Bernhard Hennen eindeutig mein zweites Highlight der eher humoristisch gelagerten Fantasy dieses Jahr. Außerdem soll Neil Gaiman 2017 ein Buch über nordische Mythologie veröffentlichen. Ich bin sehr gespannt auf diese Kombination. Und da der SuB mittlerweile nach hartem Kampf einen weiteren Zehner geknackt hat und bei 39 angelangt ist, darf ich mir, sofern die finanzielle Lage es zulässt, auch wieder ein paar Bücher leisten.

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5 Gedanken zu „Büchernörgele: Tommy Krappweis – Mara und der Feuerbringer

  1. Zander sagte am :

    Danke, das macht neugierig!

    Außerdem ein zusätzliches Dankeschön für den Dunning Krüger Blues!

    Kannst Du was sagen, ab welchem Alter das Buch zu empfehlen ist?

  2. Da ich sehe das dir das buch gefallen hat, wollte ich dich auf den Film und natürlich auch die gerade erschienene Doku aufmerksam machen. Vielleicht kannst du beim verbreiten helfen und Klicks beisteuern. Denn je mehr Klicks das Video bekommt umso höher die Chance das auch die anderen Teile verfilmt werden. Ich verspreche euch das es sich lohnt. Wer nicht mag, der kann ja einfach nur im Hintergrund laufen lassen…

    „Götter, Gags und Fantasy“ ist eine inoffizielle Fanmade Doku über die abenteuerliche, siebenjährige Entstehungseschichte des Fantasyprojekts „Mara und der Feuerbringer“. Es ist aber auch die Geschichte eines Kreativen, der sich durch nichts davon abhalten lässt, eine Idee zu verfolgen. Vom ersten Gedanken daran, über einen starbesetzten Kinofilm hinaus, allen Hindernissen zum Trotz und zur großen Freude einer wachsenden Anzahl an Fans.

    Durch die Freundschaft von Rocketbeans.tv und Tommy Krappweis gelangte dieser Film nun zu uns und wir freuen uns sehr, dass wir diesem besonderen Projekt hier eine digitale Heimat geben können.

    Convention-Reporter Guckmadahin hat an diesem Film über ein Jahr gearbeitet, sich durch Unmengen Filmmaterial gewühlt, weitere Fans und bekannte Fandom-Stimmen wie Orkenspalter.tv interviewt und bekam schließlich auch von Autor Tommy Krappweis Zugang zu dessen privatem Videoarchiv.
    So könnt Ihr nun Maras abenteuerliche Geschichte miterleben: Von der ersten Idee über die Lesetouren bis zur Verfilmung und den darauf folgenden einzigartigen Fansupport.

    Diese Doku ist ein Fanfilm, als solcher nicht objektiv und er repräsentiert auch nicht die Meinung der Verlage, Produzenten oder Verleiher. Gerade das macht dieses Werk so authentisch und so spannend: Nicht nur für jeden Mara-Fan, sondern auch für jeden der vor hat, selbst ein Buch zu schreiben, es bekannt zu machen oder verfilmen zu wollen.

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