Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für die Kategorie “Basteln”

Bad Romance

Musik: Edguy – Do me like a Caveman

(Warnung: Dieser Blogpost enthält eventuell obszönes Material. Lesen auf eigene Gefahr.)

Ich habe im Grünen Forum mal wieder an einem Swap teilgenommen. Die Sache funktioniert folgendermaßen: Alle Teilnehmenden schreiben einen Steckbrief, der jeweils einer anderen Person zugelost wird, werkeln zum jeweiligen Swapthema ein passendes Geschenk, und schicken es dann auf die Reise. Mittlerweile nehme ich nur noch selten an Swaps teil, aber das Thema ‚Schundroman‘ war einfach zu reizvoll. Es geht darum, einen möglichst grottenschlechten Liebesroman zu kommentieren, verzieren oder was auch immer man damit anstellen will. Die perfekte Gelegenheit, meiner inneren Nanny Ogg mal so richtig freien Lauf zu lassen, nachdem ich im Laufe der Jahre auf vielen Treffen der Stadtwache von Ankh-Morpork und bei diversen Runden Cards against Humanity so fließig an meiner Versautheit gearbeitet habe.

Nachdem ich meinen Steckbrief bekommen hatte, unternahm ich eine Tieftauchexpedition in die Büchergrabbelkiste des örtlichen Supermarkts und förderte dort eine wahre Perle des Nackenbeißer-Genres zu Tage.

Schundroman1

Ein kurzes Anlesen des Prologs, der sich ausführlich über die Qualität des Hoseninhalts der männlichen Hauptfigur ausließ, überzeugte mich dann völlig, das es dieses Buch und kein anderes sein musste. Und so begab sich Horatia Aubrey todesmutig, ausgerüstet nur mit Schokolade und zahlreichen Flaschen Hugo, auf eine Expedition in die Abgründe des erotischen Nackenbeißers, in das bisher mit Inbrunst verschmähte Reich der Lustgrotten und Musketenrohre. Es gibt einen Haufen Nackenbeißer betreffende Klischees, und sie sind zumindest in diesem Buch alle wahr. Das erotische Knistern (hier bitte passenden Soundeffekt einfügen) hat absolute Priorität über alles. So wechselt das Untergrundgestein des wildromantischen Moors fröhlich von Granit über Karst (Kennzeichen eines Untergrunds aus Gipsgestein) und Basalt wieder zurück zu Granit und dass ein Korsett nicht mit zartem Spitzenband geschnürt wird, hat Frau Dare wohl auch noch niemand erklärt. Ein halbgarer Krimi-Nebenplot verläuft am Ende ergebnislos im Sand und die Charakterisierung der Hauptfiguren ist alles andere als konsistent. Angesichts dieses literarischen Verkehrsunfalls (Pun intended) sah ich mich gezwungen, Inhaltsangabe und Autorenvita etwas umzuschreiben um die Erwartungen an dieses Meisterwerk für meine Wichtelpartnerin ins rechte Licht zu rücken. Der erste Halbsatz der Autorenvita stand allerdings wirklich so drin. So einen grandiosen temporalen Fail hätte ich mir nicht ausdenken können.

Schundroman4

Dazu gab es noch Infografiken zu den beiden Hauptfiguren im Order of the Stick-Stil:

Schundroman2

Schundroman3

Dann brauchte das Buch noch einen neuen Einband, denn das oben gezeigte Cover ist absolut nicht öffentlichkeitstauglich, wenn man sich noch einen Rest Menschenwürde bewahren würde. Da ist ein geschicktes Tarnmanöver gefragt.

Schundroman5

Nerdfact: ‚Blue Harvest – Horror Beyond Imagination‘ war der Deckname unter dem ‚Return of the Jedi‘ seinerzeit in die Produktion ging.

Zum Buch gab es noch ein Pacman-Lesezeichen, eine kleine Flasche selbst aufgesetzten Lakritz-Pfeffer-Likör (für die Momente in denen der süßliche Schmalz nicht mehr zu ertragen ist), Kekse in Herzform, Tee und Schoki.

Schundroman6

Im Endeffekt muss ich sagen, dass es in Hinsicht auf meine gelegentliche Betätigung als Hobbyschriftstellerin hochinteresant war, mal so richtig weit außerhalb meiner Komfortzone zu lesen. Dinge, die ich bei der Lektüre eines Nackenbeißers gelernt habe:

  • Das allerwichtigste ist der Sex, beziehungsweise die immer wiederkehrende Verhinderung in letzter Minute von selbigem. Alles andere ist zweitrangig.
  • Viele neue, kreative Beschreibungen der männlichen Fortpflanzungsorgane die mir bisher noch nicht geläufig waren
  • Je verliebter eine Frau ist, desto häufiger benutze die Wörter ‚töricht‘ und ‚Närrin‘.
  • Die Liebe entschuldigt in Nackenbeißern jedes noch so chauvinistisches, fremdbestimmendes oder creepy Verhalten. Und nein, es geht nicht nur von ihm aus. Sie schleicht nachts in sein Schlafzimmer und hebt die Bettdecke an, um die Ausstattung zwischen seinen Beinen zu betrachten. So weit ist sogar Edward Stalker Cullen nicht gegangen.
  • Anständige Protagonisten brauchen eine tragische Vergangenheit. Je tragischer, desto besser, und am allerbesten ist es sowieso, wenn sie sich auch noch für hochdramatische Enthüllungen in den richtigen Momenten (oder aus Sicht der Figuren falschen Momenten, weil es dann wieder keinen Sex gibt) eignet.
  • Verschwende keine großen Gedanken an Nebenplots. Siehe Punkt 1.
  • Recherche ist auch nicht so wichtig. Siehe ebenfalls Punkt 1.

Die Aktion hat eine Menge Spaß gemacht. Es war das literarische Äquivalent der berüchtigten schlechte-Filme-Abende, die ich früher mit Freunden regelmäßig veranstaltet habe. Irgendwann ist es einfach so schlecht, dass es irgendwie auch wieder extrem unterhaltsam ist. Nach den sündigen Herzen las ich übrigens ‚Nein! ich will keinen Seniorenteller!‘ von Virginia Ironside. Ein typischer Frauenroman, den ich eigentlich meiner Mutter zur Pensionierung schenken wollte, nur hatte sie ihn leider schon. Und das war dann doch schon wieder ein ganz anderes Level literarischer Qualität. Konsequent charakterisierte Protagonisten und nicht sinnlos ins Leere verlaufende Handlungsstränge, was habe ich euch vermisst!

Natürlich habe ich auch etwas bekommen: Ein Machwerk namens ‚Fedora – im Harem des Prinzen‘ von einer gewissen Mona Vara. Umgestaltet und kommentiert wurde ein cthuloider Tentakelprono draus, der erzählt, wie Abdul Alhazred wirklich dazu kam, das Necronomicon zu schreiben. Auch hier noch mal ganz vielen Dank dafür, Eladora! Ich bin extrem gespannt.

 

 

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Schöner Schenken

Musik: Queen – Gimme the Prize

Da das derzeitige Nähprojekt immer noch geheim ist, gibt es keine Work in Progress-Bilder. Der Stoff des Grauens ist mittlerweile getrocknet und gebügelt und morgen wird er zugeschnitten. Aber auch sonst war ich nicht ganz untätig und kann somit trotzdem ein paar Dinge zeigen.

1. Der Geschenkanhänger für den Whisky den ich AdoraBelle zur bestandenen Doktorprüfung geschenkt habe. Im Geschäft wollten sie einen zusätzlichen Euro für etwas um den Flaschenhals gewickelten Bast haben, da habe ich beschlossen, dass ich so etwas auch kann und sowieso einen unergründlichen Vorrat an Bastelkram besitze, der mal etwas weniger werden könnte. Whisky in the Jarrrrrr:

Geschenkanhaenger1

2. Ein Geschenkanhänger-Prototyp für Näh- und Strickwerke. Horatia-Style.

Geschenkanhaenger2

Ansonsten habe ich die grobe Plotaufstellung für das Weltenbastel-Fantasykrimiprojekt endlich abgeschlossen und es geht an die Planung der genauen Szenenabfolge. Ich bin gespannt, wie oft mir meine Figuren in meinen sorgfältigen Plan grätschen indem sie ganz andere Vorstellungen als ich davon haben, wie sie sich jetzt verhalten wollen.

 

Hochgradig missgünstiges Gestrüpp

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Die Ballade von Daisy Jones

Seitdem meine Rollenspielgruppe vor einiger Zeit angefangen hat, GURPS Dungeons zu spielen, haben wir zum Kämpfen die Hexfeldmatte für uns entdeckt. Mittlerweile haben wir auch schon eine ganze Kiste mit verschiedenen Auftstellern für diverse Gegner, aber es gibt immer wieder Situationen, die noch nicht abgedeckt sind. So geschehen auch neulich, als sich im Laufe eines DSA-Abenteuers eine Konfrontation mit einer Gruppe Humus-Elementargeister abzeichnete. Da diese sehr pflanzenähnlich aussehen, setzte ich mich für eine Stunde hin und bastelte aus einem Reststück Pappe ein angriffslustiges Gebüsch.

DSA1

Die Nummerierung dient der Übersichtlichkeit im Kampf, so habe ich einen besseren Überblick, welches Grünzeug sich gerade mit welchem Spielercharakter anlegt. Ebenfalls im Bild ist Galla Sanza, ihres Zeichens Historikerin, Draconiterin und derzeitige Auftraggeberin der Heldengruppe. Da sie die Gruppe noch etwas länger begleiten wird, hat sie ihre eigene Figur bekommen, die für bessere Standfestigkeit noch mit einer alten Unterlegscheibe unterklebt wurde.

Nur echt mit Glitzer

Ich bin so ein fürchterliches Mädchen und beherberge mittlerweile über 40 Nagellacke. Und ja, ich musste sie alle haben. Zumal man als bastelbegeisterter Mensch mit Nagellack noch so viele andere tolle Dinge anstellen kann, außer sich damit die Nägel zu lackieren.

Demnächst steht eine Runde Shadowrun an, und für Shadowrun braucht man W6. Viele, viele W6. Es ist nicht so, dass mein Würfelbeutel nicht für jede Rollenspiel-Eventualität gut gefüllt wäre, aber ich mag nun mal gern hübsche Würfel und ein Teil meiner W6 ist einfach ganz langweilig weiß mit schwarzen Zahlen. Um das zu ändern, kam dann wiederum der Nagellack ins Spiel, und jetzt sind meine vorher öden Würfel bunt und glitzern. Beim ersten Versuch wurden die nachträglich neu aufgetupften Zahlen noch etwas zu groß und fleckig, bis ich auf die Idee gekommen bin, statt mit dem Pinsel zu malen, einen Stecknadelkopf in den Lack zu tauchen und damit die Vertiefungen wieder aufzufüllen. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Sind sie nicht herrlich bunt, glitzerig und kitschig?

Nagellackwuerfel1

Der Bildhintergrund besteht übrigens aus einem meiner Meister-Schmierzettel alias Kampfprotokoll. Frei nach den Blogfotografie-Ratschlägen von Miss von Xtravaganz will ich mal versuchen, meine Sachen nicht immer nur ganz schnöde bei künstlichem Licht auf meiner Schreibtischplatte zu fotografieren.

Falls es wen interessiert, ich habe von links nach rechts folgende Lacke verwendet: 1. Ein halb eingetrocknetes Etwas von Rimmel, auf dem der Preis noch in D-Mark stand, 2. Nr. 884 von L’Oréal, 3. start wild! aus der p2 Lost in Glitter-Reihe, 4. Nr. 11 von Rival de Loop, 5. Metalico (Nr. 376) von L’Oréal. Die weißen Punkte habe ich mit ‚White on White‘ von Revlon gemacht.

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