Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für die Kategorie “Rollenspiel”

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Die Wölfin

Musik: The Vision Bleak – She-Wolf  oder  Judas Priest – Pestilence and Plague

Teil 3 der Lesetherapie für geplagte DSA-Meister. Zugegeben, das Abenteuer gehörte nicht zu meinen liebsten Teilen der Kampagne, deshalb war ich doppelt gespannt, was die Autoren daraus gemacht haben und ob es ein paar Anregungen dafür gibt, so manche Stelle etwas griffiger zu gestalten.

Worum geht es?

Nach den Schrecken des Himmelsturms erwartet Kapitän Phileasson die dritte Aufgabe, die ihn in Gefilde führt, in denen der erfahrene Seefahrer mit seinem Latein (oder Bosparano) so ziemlich am Ende ist. Es gilt, eine heimtückische, tödliche Seuche zu bekämpfen, die unter den Nomadenstämmen des aventurischen Nordens wütet. Währenddessen kämpft sein der im Himmelsturm gefangener Konkurrent Beorn um sein Leben und das seiner Leute und bekommt schließlich ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, und dessen Tragweite sich ihm erst langsam erschließt.

Wer hat es geschrieben?

Die tapferen Ritter vom Orden des Bananensafts, Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Wie sieht das aus?

Plüsch-Karene gibt es leider nicht, deshalb durften die Elche als Deko einspringen. Der Trend zum Farbverlauf der Cover setzt sich fort. War ‚Nordwärts‘ noch in Türkistönen gehalten, besaß ‚Himmelsturm‘ ein blaues Cover. Nun also Lila. Allerdings ist mittlerweile das Vorschaucover zum vierten Band ‚Silberflamme‘ erschienen und es geht wieder in Richtung Blau. Einerseits schade, weil so ein kompletter Farbverlauf über 12 Bände im Regal sicherlich schick ausgesehen hätte, andererseits hatte ich schon befürchtet, dass ‚Silberflamme‘ in Rosaschattierungen erscheinen würde. Und Rosa ist ‚irghsbleibmirwegdamitböseundfürManowarkissenreserviert‘. Da hätte ich zum Erwerb des Buches wohl eine neutrale braune Papiertüte gebraucht.

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Und wie fand ich das nun?

Die Saga schreitet voran und der Trend aus Band 2, dass die Figuren langsam mehr Profil und Facetten bekommen, setzt sich fort. Dank Phileassons Schurkerei am Ende des letzten Bandes sitzt Beorn mit seinen Getreuen nun im Himmelsturm fest und ist den Grausamkeiten seiner Bewohner gnadenlos ausgeliefert. Hier zeigt sich wieder, dass er zwar skrupellos in der Umsetzung seiner Ziele ist, aber durchaus seine Prinzipien hat und genau wie Asleif alles für seine Leute tun würde. Eigentlich sind sich die beiden Kapitäne gar nicht so unähnlich. Und so hat Beorn für Asleifs Tat neben aller Wut auch eine gewisse Anerkennung übrig. Außerdem erfahren die geneigten Leserinnen und Leser, was sich hinter dem Portal befindet, an dessen Durchquerung Vascal della Rescati im letzten Band so spektakulär scheiterte, was der Blender über Intimrasur denkt, und dass nach einem vermeintlich erfolgreichen Plan der Catch 22 um so härter zuschlagen kann. Zudem gibt es erstmals nähere Hinweise darauf, was damals genau geschah, als Beorns Schwester starb und Freundschaft zu unversöhnlichem Hass wurde.

Währenddessen wird Asleif Phileasson von ganz anderen Sorgen geplagt: Die Hafenbürokratie in der nördlichen Handelsstadt Riva ist eine wahre Herausforderung für die Nerven eines Thorwalers der Probleme am lieber direkt löst als dem sprichwörtlichen Passierschein A38 hinterherzujagen (Hier laufen Ohm Follker und seine geschmeidige Zunge zu wahrer Höchstleistung auf), und auch die Bekämpfung einer Seuche ist nicht gerade eine Aufgabe, mit der ein zukünftiger König der Meere rechnet. Nichtsdestotrotz nimmt Asleif die Herausforderung an und findet sich in Situationen wieder, in denen seine Erfahrung als Seefahrer und Kapitän ihm rein gar nichts nützt. Um so mehr muss er sich auf seine mittlerweile auf einige neue Mitglieder angewachsene Schiffsgemeinschaft verlassen und kann sich glücklich schätzen, bei der Auswahl seiner Mannschaft nicht nur auf Kampfstärke geachtet zu haben.

Im dritten Band tauchen zwei neue Perspektivfiguren auf: Der aus dem Himmelsturm befreite Geweihte Praioslob und die Nivesin Nirka. Besonders Praioslob hat mir gut gefallen. Endlich mal ein Praiosgeweihter, der sich in eine Abenteurergruppe integrieren ließe, ohne dass ihn alle nach spätestens zwei Spielsitzungen hassen. Obwohl fest im Glauben, hadert er doch so manches Mal mit den radikalen Dogmen seiner Kirche. Ist es wirklich so abgrundtief schlecht, eine Lüge zu sprechen, wenn er jemandem dadurch in verzweifelter Stunde Trost zusprechen kann? Eine interessante Figur, von der ich gern mehr lesen möchte, allein schon weil er mit dem Praiosgeweihten-Klischee so schön bricht.

Leider ist die zunehmende Menge an Perspektivfiguren vor allem auf der Phileasson-Seite für mich auch der Schwachpunkt des Buches – im Mittelteil zerfasert sich die Handlung etwas und es fällt völlig hinten runter, was die eigentliche Hauptfigur während der Seuchenbekämpfung tut oder sich zu der ganzen Sache denkt. Das finde ich sehr schade, denn eigentlich ist er es doch, der diese Aufgabe erhalten hat. Dafür darf der gute Käptn später noch mal beweisen, dass er eigentlich doch die Seele eines Piraten hat: Die Szene in der er überlegt, dass der Wandteppich leider zu schwer zu Abtransport ist, aber man vielleicht doch zumindest einen der silbernen Kerzenleuchter mitgehen lassen könnte, war eins meiner persönlichen Highights. Auch der emotionale Abschied von seinem Schiff (vermutlich seine wahre Liebe) und das Gespräch, das Nirka davon überzeugt, selbst in die Welt hinauszuziehen, haben mir sehr gut gefallen.

Auch Beorns Ottojasko hat ihre schönen Momente, wobei mal wieder besonders Galayne heraussticht, der sich immer mehr in seinen eigenen Intrigen und denen anderer Mächte verstrickt, und nun den Maulwurf bei der Gemeinschaft spielen darf, die ihn als erste nach ewiger Zeit als einen der ihren zu akzeptieren beginnen. Ich werde immer mehr ein Fan dieser Figur, die sich eigentlich nur danach sehnt, irgendwo dazuzugehören, und dabei doch wieder über seine Agenda stolpert.

Insgesamt ein schönes Buch, bei dem das Lesen viel Spaß gemacht hat, wenn auch der Mittelteil ein paar leichte Hänger enthielt. Nun beginnt eine lange Durststrecke – Band 4 erscheint erst im Oktober nächsten Jahres.

 

SPOILER

 

Wie schon gesagt, der Plot mit der Nivesenseuche ist unbedingt mein Lieblingsabenteuer der Saga. Die Seuche auszuspielen hat mir persönlich nicht so viel Spaß gemacht, dafür gab es auf dem anschließenden Karentreck einige schöne Szenen und die Spieler lernten die Wichtigkeit von so oft verschmähten Talenten wie ‚Viehzucht‘ zu schätzen. Ein komödiantisches Highlight war das Goblin-Reitschwein, das sich die Zwergenkriegerin bei der Episode mit den Goblin-Viehdieben eingefangen hatte und das sie unbedingt zureiten wollte. Nun ja. Das war die Stelle wo das Abspielen des Benny Hill-Themes immer wenn jemand wus der Gruppe etwas wirklich Dummes tut, eingeführt wurde. Die anderen Charaktere hatten am Betrachten des regelmäßigen Zwergenrodeos jedenfalls sehr viel Spaß. Der notgeile Norbarde musste natürlich die Dryade im Feenwald anbaggern und in einer Kneipe am Wegesrand wurde fleißig Wässerchen verkostet, wobei der Swafnir-Geweihte zum absoluten Trinkkönig der Gruppe wurde. Und in einem waren sie sich alle einig, als sie endlich Festum erreichten: Sie wollten nie, nie wieder ein verdammtes Karen sehen!

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Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Himmelsturm

Musik: Savatage – The Dungeons are calling oder Rhapsody of Fire – Bloody Red Dungeons. Sucht es euch aus oder hört einfach beides.

Worum geht es? Ein sehr bekannter britischer Fantasyautor schrieb mal sinngemäß: „Wenn sich irgendwo ein großer einladender Hebel befindet, über dem ein Schild mit der Aufschrift ‚Wer diesen Hebel zieht, wird das Ende der Welt auslösen‘ hängt – Wie lange dauert es wohl, bis jemand diesen Hebel betätigt? Antwort: Die Farbe auf dem Schild hätte keine Zeit, zu trocknen…“

Nun stelle man sich einen Dungeon mitten im ewigen Eis vor. In einem Raum in der Nähe des Eingangs hängt ein großer, einladend wirkender Gong. Was wird höchstwahrscheinlich mindestens einer der lieben Spieler mal ausprobieren? Genau. Willkommen im Himmelsturm, dem wohl berühmt-berüchtigtsten Dungeon Aventuriens, der vermutlich mehr Spielleiter in den Wahnsinn getrieben hat als der gesammelte Kreaturenzoo von H. P. Lovecraft.

Zu diesem Dungeon zieht es nun die beiden um den Titel ‚König der Meere‘ streitenden Drachenschiffkapitäne Asleif ‚Foggwulf‘ Phileasson und Beorn ‚Der Blender‘ Asgrimmson, denn sein Geheimnis zu erkunden ist die zweite Aufgabe, die sie zur Erlangung des Titels lösen müssen. Was werden sie in den eisigen Tiefen des Turms, um den sich zahlreiche schaurige Legenden ranken, vorfinden?

Wer hat’s geschrieben? Die gleichen Verdächtigen die auch den Vorgängerband geschrieben haben, namentlich Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Und wie sieht das aus? Sehr hübsch hellblau, auch wenn das Coverbild nicht dem wahren Aussehen des Himmelsturms entspricht. Sehr begeistert haben mich mit meinem Oktopusfimmel die Vignetten zum jeweiligen Kapitelbeginn: Ein thorwalsches Ornament, aus dem sich Tentakel winden. Da muss ich Robert Corvus recht geben: Alles ist besser mit Tentakeln, weshalb auch noch ein wenig Deko mit aufs Foto musste und ich mich mal dilettantisch in schicker Hipster-Blogfotografie versucht habe.

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Und wie fand ich das nun? Wie schon der Vorgängerband ‚Nordwärts‘ beginnt ‚Himmelsturm‘ mit einem ca. 80seitigen Prolog, der sich dieses Mal mit dem Magier Abdul el Mazar beschäftigt und wie es dazu kam, dass er in die ziemlich haarige Situation geriet, in der die Helden später auf ihn treffen. Für mich war es die erste richtige Begegnung mit Abdul, weil ich ihn aus verschiedenen Gründen aus meiner Version der Saga gestrichen hatte, und er war mir auf Anhieb sympathisch. Insgesamt hat mir dieser äußerst spannende Prolog wesentlich besser gefallen als der des ersten Bandes, auch wenn ich mit selbigem mittlerweile aus Spielleitersicht auch meinen Frieden geschlossen habe, denn mit etwas Arbeit ließe sich daraus letztendlich ein schönes Detektiv-Einstiegsabenteuer für die Saga stricken.

Dann ging es los mit dem epischen Dungeoncrawl, der einem auch Beorns Mannschaft wesentlich näher gebracht hat. Blieben sie im ersten Band größtenteils eindimensional und blass, konnten sie hier auch mal zeigen, was abseits von der Gier nach Beute charakterlich in ihnen steckt und auch Beorn selbst kommt nicht mehr als völlig kaltherzig und skrupellos rüber. Es scheint zudem, dass er genau die Traviageweihte bekommen hat, die zu ihm passt. Jetzt, wo man sie endlich mal näher kennenlernt, entpuppt sich Lenya als sehr interessante Figur, die heimliche Sympathien für eine andere, gnadenlosere Gottheit hegt. Auch der finstere Elf Galayne ist in seiner Undurchschaubarkeit sehr faszinierend und man fragt sich immer wieder, was wohl sein heimlicher Plan sein mag. Denn dass er mehr über den Himmelsturm weiß, als er den anderen gegenüber zugibt, ist von Anfang an klar wie Kloßbrühe. Sehr lachen musste ich, als Beorn Asleif abfällig einen Kartenzeichner nannte, das ist nämlich genau die Formulierung, mit der wir Geologen uns gerne mal über die Geographen lustig machen. Dennoch, wäre Beorns Mannschaft eine Rollenspielgruppe, wäre es größtenteils die Fraktion der Loot- und Erfahrungspunktejäger, während sich die Charakterspieler eher um Phileasson gesammelt haben.

Während Beorns Truppe sich also mit Gewalt daran machte, dem Himmelsturm sein Geheimnis zu entreißen, gingen Phileasson und seine Mannschaft mit echtem Forscherdrang vor und besonders die Erstkontakt-Szene mit den Bewohnern des Turms hat mich stark an Star Trek erinnert. Die gewonnenen Erkenntnisse und gemeinsam durchgestandenen Gefahren führten dazu, dass sich die Figuren teils deutlich weiterentwickelt haben. So hat der Magier Tylstyr endlich sein ‚ich bin eh unfähig‘-Mimimi abgelegt, Shaya entdeckt ihre kämpferische Seite, und was mit dem Elfen Salarin geschah – Sagen wir es so, ich habe nun einen gewissen Verdacht, welches Schicksal ihm im Laufe der Saga zuteil werden wird. Leider kam Ohm Follker in diesem Band etwas zu kurz, ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Bänden wieder. Und Irulla hat hat ihre Ankündigung wahr gemacht, sogar im Himmelsturm eine Spinne zu finden.

Sehr schön fand ich, dass Asleif auch nicht immer lieb und nett spielt, sondern, wenn die Situation es erfordert, genauso skrupellos vorgehen kann wie Beorn. Das hat der Figur sehr gut getan und mein inneres Fangirl sehr gefreut. Ein gewisses schurkisches Potential braucht eine Figur nun mal, um bei mir zu punkten, und sein wir mal ehrlich: Es gibt mindestens ein Reich Aventuriens, für das der große Entdecker Asleif Phileasson auch nur ein glorifizierter Pirat ist, und so ganz unrecht haben sie damit objektiv betrachtet nicht.

Insgesamt hat mir ‚Himmelsturm‘ sehr gut gefallen, die Luft nach oben, die bei ‚Nordwärts‘ noch drin war, wurde gut ausgenutzt. Lediglich die letzte Szene vor dem Epilog hat für mich nicht so funktioniert. Erst wird eine ziemlich spektakuläre Bedrohung aufgebaut, die dann schnell mit einem im wahrsten Sinne des Wortes Deus Ex Machina beseitigt wird und dann werden noch schnell ein paar Dinge angerissen und das war’s. Die Szene wirkte auf mich etwas unfertig, da wäre noch mehr drin gewesen. Aber trotzdem: Daumen hoch!

Und was war nun mit dem Gong? Nun, der Roman zeigt noch eine dritte Möglichkeit auf, was passieren könnte, die besonders die eher sadistisch veranlagten Spielleiter erfreuen dürfte. Hmmm… *streicht sich über den imaginären Ziegenbart*

 

 

*** SPOILER ***

Und wieder mal haben mich viele Szenen so an meine Spielrunde erinnert. Besonders Phileassons spektakulärer, eleganter, Matrix-würdiger (zu irgendwas muss eine Gewandtheit von 15 ja gut sein) Chimären One-Hit-Kill und sein anschließender Kommentar, dass das ja nicht immer so einfach wäre, hat mich zum Grinsen gebracht. So fing das ganze Elend bei meiner Gruppe nämlich an: Die Zwergenkriegerin erledigte die Chimäre im Labor mit einem einzigen wohlgezielten Hammerschlag, woraufhin alle einschließlich mir (die sich eigentlich einen spannenden Kampf erhofft hatte) der Meinung waren, so schwer seien die Viecher ja nicht umzuhauen, und der Endkampf in den Hallen des Feuers die Gruppe dann ziemlich zerlegte, weil sie auf einmal nur noch Grütze würfelten (inklusive des berühmten schweren Eigentreffers beim Backstabbing). Aber darauf, das Aquarium zu zertrümmern um die Verfolger aufzuhalten, ist meine Gruppe auch gekommen, was ihnen in ihrem Zustand definitiv den Hintern gerettet hat. Natürlich hatte auch einer meiner Spieler etwas aus dem Grab im Eis mitgehen lassen, weshalb er dann auch Besuch von der für alle anderen unsichtbaren Raubkatze erhielt. Im Gegensatz zu Hallar hat er es sogar überlebt. Vhascals Aktion unten in der Halle des Feuers war ja mal ein Paradebeispiel für saudumme Dinge die ein neugieriger Charakter tun würde wenn er seine Neugier-Probe spektakulär verpatzt hat, weshalb ich mich köstlich darüber amüsiert habe. Ich überlege ja ernsthaft, die altehrwürdige thorwalsche Tradition des Spießrutenlaufens in einen hypothetischen nächsten Kampagnendurchgang einzubauen, einfach um die Spieler von dem allergröbsten Dummfug abzuschrecken.

Und ich denke, nun ist wohl klar, wie die Phrase ‚Missgünstige Elfen‘ zustande kam. Nach dem Kampf gegen Kayil’yanka und ihre Truppe meinte einer der Spielercharaktere ‚Die waren ja ganz schön missgünstig, diese Elfen‘ und irgendwie blieb das bis heute hängen.

Jetzt heißt es warten auf  Band 3. Die Geschichte, wie das Abspielen des Benny Hill-Themes in gewissen Situationen in meiner Spielrunde zur Tradition wurde und warum ich nur das Wort ‚Karen‘ aussprechen muss um kollektives Aufstöhnen zu ernten.

Abenteuer einer Merchfeeräuberin – Horatia auf der RPC 2016

Musik: Tommy Krappweis – The Geeky Shuffle Blues

Ich bin musikalisch ziemlich unbeleckt – mit anderen Worten, ich spiele CD-Player, Winamp, Youtube und hin und wieder auch mal Nähmaschine, und wenn andere singen krächze ich ein wenig im Damenbass mit.  Wie es trotzdem dazu kam, dass ich im Schlepptau der Mittelalterfolk-Band Schattenweber auf der Roleplay Convention 2016 landete, und was ich dort so alles erlebte, davon werde ich hier berichten.

Die Vorgeschichte:

Ich habe eine gute Freundin und Kommilitonin, hier im Blog Sio oder Isol genannt, die seit mehreren Jahren bei den Schattenwebern aktiv ist. Erinnert sich noch jemand an das Omnia-Kissen? Das habe ich für sie zum Geburtstag gemacht. Nun suchten die Schattenweber für die RPC noch jemanden, der oder die während und nach ihren Konzerten ihre CDs und sonstigen Fanartikel verkauft. Und da ich das Wochenende noch nichts vorhatte und schon immer mal das Nerdparadies schlechthin abchecken wollte, habe ich zugesagt, nach meinem ersten Durchgang in der Rolle bei der Mittelaltermensa im letzten Winter wieder zur Merchfee(räuberin – Eins dreiundsiebzig und fies!) zu werden.

Freitag:

Da der Schattenwebertreck nicht über ihre Heimatstadt führte, überfiel die Merchfeeräuberin noch für eine Nacht ihre Mutter in der alten Heimat, wo sie dann gegen 14:30 Uhr von Isol und Meister Bezius mit einem mit Instrumenten und sonstigem Musikerequipment vollgestopften Wohnmobil eingesammelt wurde. Nach einer weitestgehend ereignislosen Fahrt nach Krefeld plünderten wir noch einen Subway, bevor wir uns mit dem Rest der Band zu einer letzten Probe im Jugendraum des örtlichen Tennisvereins trafen. Dort machte mich Silva gleich auf die Existenz eines Trampolins aufmerksam, welches erstmal ausgiebig getestet werden musste. So kann man auch mit kleinen Sachen Merchfeeräuberinnen einen Freude machen. Da Krefeld von der Gewitterfront verschont blieb, saß ich, während die Schattenweber probten, noch gemütlich bis halb zehn draußen und las in J. K. Rowlings neuestem Metzelkrimi. Von links leise Mittelalterfolk auf dem Ohr, von rechts das, was das örtliche Hitradio aus der Vereinskneipe gerade so ausspuckte, vermischt mit den Geräuschen eines Tennisvereins mit steigendem Getränkepegel. Irgendwann war es dann doch zu kalt und dunkel draußen, sodass ich mir noch den Rest der Probe anhörte. Anschließend gab es, wie es sich für anständige Hobbits gehört, als Nachtmahl noch Karotten-Kartoffelstampf. Lecker. Das muss ich auch unbedingt mal ausprobieren.

Samstag:

Pünktlich um zehn saßen die Schattenweber und ich in den Autos und wir machten uns auf ins Nerdparadies. Mit vereinten Kräften fanden wir auch die Auffahrt zu Tor A ohne uns zu verfahren. Das Tor lag direkt hinter Bühne 1, sodass wir die Instrumente und das ganze andere Geraffel für das erste Konzert des Tages nicht weit schleppen mussten. Die Merchbude alias mein Arbeitsplatz entpuppte sich als luxuriöser Stand mit Sonnensegel und Bierbank. Da noch viel Zeit blieb, machten wir uns auf die Suche nach Bühne 2, auf der alle anderen Schatttenweber-Auftritte stattfinden sollten, konnten sie jedoch nicht wirklich finden. Eine Bude, die aussah wie der Merchstand vor Bühne 1, erregte unsere Aufmerksamkeit. Nach einiger Unsicherheit und ein paar Nachfragen bei anderen Bands erfuhren wir: Ja, das ist Bühne 2. Okay, dann darf es aber nicht regnen, denn dann wird es wirklich eng mit 4 Schattenwebern und dem ganzen Instrumentarium. Praios, hast du gehört, halt Rondra schön im Schach, bis die RPC vorbei ist! Die verbliebene Zeit bis zum Aufbau nutzte ich um herauszufinden, wo später am Tag der Workshop zur Phileasson-Saga stattfinden sollte. Kaum war ich 10 Minuten in der Halle unterwegs, sprang mich auch schon Ettark aus der Stadtwache an. Wächter sind wirklich überall. Der auf dem Plan groß als Workshop 2 angekündigte Raum entpuppte sich nach langer Suche schließlich als winziger Bretterverschlag ohne eigenes Dach, der einfach in die Halle hineingebaut worden war. Hoffentlich kriege ich da überhaupt noch einen Platz…

Pünktlich nahm die Merchfeeräuberin ihren Platz ein und beobachtete aus dem Schatten das Publikum, das in der Sonne briet, und bewunderte die verschiedenen Cosplays. Ciri, Triss, Yennefer, Gandalf, Endzeitler, diverse Superhelden und sogar eine Drakensang-Kladdis – alle waren sie da. Kundschaft war allerdings rar. Die allermeisten Leute waren viel stärker am Sonnensegel als an den CDs, Buttons und Patches interessiert. Bei über 25 Grad und strahlender Sonne muss es in einem Sith-Kostüm allerdings auch ziemlich warm werden. Etwas verwundert gewahrte ich die Menschentraube direkt vor dem Bühneneingang und erfuhr später, dass dort ein berühmter Youtuber namens Gronkh stand, dem später noch ein Geburtstagsständchen gespielt werden sollte. Immerhin zwei CDs konnte ich dann doch noch verkaufen, bis es hieß umziehen zu Bühne 2. Sich mit sperrigen Instrumenten durch eine Menschenmenge drängeln ist wirklich kein Spaß. Hinzu kam, dass der Bühneneingang mittlerweile von einer Traube Gronkh-Fans verstopft war, die alle ihr Idol knuddeln wollten, sodass dort kein Durchkommen mehr war und das ganze Equipment irgendwie hinter den Fressbuden durchgeschoben werden musste. Aber schließlich war es geschafft, ein Merchstand aus Equipmentkisten war improvisiert und meine Ablösung traf ein (Ein dickes Danke an dieser Stelle noch mal dafür!)

Vor Workshop 2 war es glücklicherweise längst nicht so voll wie befürchtet und mit etwas Glück ergatterte ich einen Sitzplatz in der Mitte der zweiten Reihe direkt hinter dem Beamer. Freie Sicht für mich, Yay! Es folgte eine Stunde hochinteressante, lustige und aufschlussreiche Diskussion mit einem sehr sympathischen Bernhard Hennen und einem Haufen Leute, die mindestens genauso große Phileasson-Nerds sind wie ich. Das kollektive hysterische Gelächter gequälter Spielleiter bei der Erwähnung DES Gongs sprach Bände. Natürlich habe ich mich auch mal wieder standesgemäß zum Horst gemacht, als Bernhard Hennen fragte, was denn so unsere schlimmsten Spieler-Fails gewesen waren. Erstmal meldete sich niemand und Schweigen breitete sich aus. Eine ganz ähnliche Situation hatte ich schon einmal vor einigen Jahren bei einer Lesung von Tad Williams, wo ich schließlich all meinen Mut zusammen genommen hatte und die erste Frage stellte. Also gut. Wenn sonst niemand reden will, Augen zu und durch. Dann sollte ich aber nach vorne kommen. Argh! Panik! Alle starren mich an! Unter zwei Mutsteigerungs-Bieren mache ich sowas normalerweise nicht! In ein Mikrophon sprechen ist auch so eine Kunst, die ich bisher nicht wirklich beherrsche. Aber irgendwie habe ich die Leiden des norbardischen Akrobaten und Tänzers Sajud Janeff, der auszog, eine Chimäre von hinten zu erstechen und sich dabei spektakulär das Schwert in den eigenen Bauch rammte, doch erzählt bekommen. Stand-Up Comedian ist definitiv kein realistisches Karriereziel für mich, ich bleibe besser bei chaotischen Blogposts. Sehr gefreut habe ich mich über die Nachricht, dass mittlerweile Verträge für die ersten sechs Bände unterzeichnet sind. Außerdem erfuhr das Publikum von der positiven Wirkung von Bananensaft auf Autoren. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren, dann geht das mit meiner Doktorarbeit möglicherweise etwas weniger zäh voran. Nach dem Seminar schnackte ich noch kurz mit einem anderen Meister. Lieber Unbekannter, ich hätte mich gerne noch viel länger mit dir über die Tücken der Saga, DSA5 und außerplotmäßige Spielerbespaßung unterhalten, aber ich musste wirklich wieder zurück zur Bühne, meinem eigentlichen Job nachgehen.

Da das zweite Schattenweberkonzert lief während ich auf dem Phileasson-Workshop war, blieb nur noch das Abbauen und die Erkenntnis, dass der arme Gronkh sich immer noch durch seine Fans knuddeln musste. Danach gab es erstmal ein Belohnungs-Kirschporter und ich schlenderte noch mal eine Runde durch die Hallen, wo ich auch die Artist Alley fand und endlich Ari Baker mal persönlich Hallo sagen konnte, nachdem ich ihr Blog schon seit einigen Jahren lese. Ich sammelte Ettark ein und wir gingen einen Met auf seinen Geburtstag trinken. Beim anschließenden Streife gehen passierten wir den Greifvogel-Stand, bei dem so gut wie nichts mehr los war. So konnten wir in Ruhe die Falken, den Uhu und die Schleiereule bewundern und sogar den Steinkauz streicheln. Ich musste gleich an Schuhu denken, den Kauz, der als Vertrautentier der bornischen Hexe Kalinka an der Seite Asleif Phileassons einmal um Aventurien reiste.

Eigentlich war der Plan, im Hotel noch gemütlich ein Gläschen Met zu trinken, aber dann bekamen wir spitz, dass es noch eine After-Show-Party für die Aussteller mit Freibier geben sollte. Also packten wir abends um neun wegen sich daraus ergebender veränderter Autokonstellation noch mal die Instrumente um (Gronkh knuddelte immer noch und wirkte mittlerweile ziemlich erschöpft) und stürzten uns ins Getümmel. Mit einem Metbier bewaffnet schlenderte ich durch die untere Halle, von der ich bisher noch nichts mitbekommen hatte. Da befanden sich also die groß angekündigte Nerfbattle-Arena, der Tie Fighter in Originalgröße und die Endzeit-Lager! Ich entdeckte unter anderem einen Pinup-Kalender der Armee des Stahls und musste mich sehr beherrschen, nicht einmal laut ‚Dinge die Brennen!‘ zu brüllen und dann schnell Hackengas zu geben. Schließlich landete ich vor der Bühne, wo Multitalent Tommy Krappweis und diverse Musiker diverser Bands fröhlich vor sich hinmusizierten, bis Krappweis‘ Hose dem nicht mehr stand hielt und eine Naht sprengte. Auf die Frage, ob Cosplayer da wären, die nähen können, karrten tatsächlich zwei Leutchen innerhalb von fünf Minuten eine Nähmaschine heran und machten sich live ans Flicken, während Tommy Krappweis fröhlich ohne Hose einfach weitermusizierte. Das ist wahrer Rock’n’Roll! Im Hotel angekommen war ich immer noch so high von all den Eindrücken (zugegeben, Met, Bier und Metbier hatten auch einen Anteil daran), dass die arme Isol mein begeistertes Gequatsche noch einige Zeit ertragen musste, bis ich dann endlich mal bereit war, an der Matratze zu horchen.

Sonntag:

Nach einem luxuriösen Hotelfrühstück brachen wir so zeitig auf, dass wir noch gute zwei Stunden zum Erkunden der Verkaufsstände hatten, bis wir aufbauen mussten. Und so machte ich mich auf den Weg, genauer unter die Lupe zu nehmen, was ich am vorigen Tag nur im Vorbeiflitzen kurz gesehen hatte: Das Nerdparadies. Ich blätterte mich durch die endgültige Version des DSA5-Basisregelwerks, nahm das Würfelangebot genau unter die Lupe (Metallwürfel sind so schick! Und man kann sie bei Bedarf nach nervenden Spielern werfen…), shoppte Mitbringsel (wäre ich keine arme Studentin, könnte ich mich mit all dem tollem Zeug totkaufen) und besuchte meine Mitnähkromantin Miaka von khaos kouture an ihrem Stand. Allerdings ist so mancher an Ständen arbeitender männlicher Nerd doch etwas ungeschickt im Umgang mit dem allein die Hallen durchwandernden weiblichen Nerd. Angefangen von Fragen wie ‚Weißt du, was Rollenspiele sind?‘ bis zu Zutexten plus Berührung am Arm (Das geht gar nicht, Junge!) habe ich so einiges erlebt. Und nein, wenn ich deutlich sage, dass ich weiß, wozu ein Panzerstecher gut ist, brauchst du es mir nicht trotzdem noch mal zu erklären. Obwohl, der eine junge Herr, der völlig ins Stottern kam, schon wieder irgendwie knuffig war. Und das Angebot einer DSA5-Testspielrunde hätte ich wirklich gern angenommen, aber die Arbeit rief. Bevor es die Merchfeeräuberin zurück zu den CDs zog, schaute sie sich noch das Konzert von The Dolmen an. Die gingen wirklich ab und Gandalf und Walter White einträchtig nebeneinander abrocken zu sehen war schon ein wahrhaft göttliches Bild.

Das erste Schattenweber-Konzert ging bis kurz vor Ende komplikationslos über die Bühne, bis die Technik die Funksignale von Bühne 1 auffing und plötzlich anstatt der Schattenweber ganz andere Musik aus den Lautsprechern kam. Großes ‚Häh?‘ bei allen Beteiligten. Glücklicherweise ließ sich das Problem schnell beheben. Faszinierend, was alles so geht. In der Pause zwischen den beiden Konzerten, in der einige Regentropfen kurzzeitig für hektische Instrumenten- und Merchandiserettungsaktionen sorgten, kamen wir endlich dazu, das Wikinger-Eis mal zu probieren. Die Dame am Stand guckte ziemlich sparsam, als ich Eis für eine ganze Band bei ihr holte. Beim zweiten Konzert gesellten sich noch zwei Tänzerinnen und Gronkh in Inkognito-Maskierung (anscheinend hatte er Knuddelfrei) dazu und dann war die RPC auch schon vorbei und die kleine Horatia musste das Nerdparadies mit dem W20-Bällebad leider wieder verlssen. Wir verluden die Instrumente und machten uns auf den Weg. Unterwegs gab es noch ein Abschiedsessen bei Mäckes, wo ich die karamellenen Abgründe des McSundae entdeckte. Der Abend klang in Meister Bezius‘ Wohnzimmer mit seiner Frau, Isol, zwei neugierigen Katern namens Snoopy und Fussel und diversen interessanten Schnäpsen aus. Und jetzt weiß ich auch, welches Geräusch eine kotzende Katze macht. Wieder was dazu gelernt.

Montag:

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit leckerer Erdbeer-Feigen-Marmelade brachte Meister Bezius Isol und mich zum Zug und ich lernte aus erster Hand kennen, was es heißt, mit einer Harfe im Gepäck Extreme Bahnfahring zu betreiben. Gegen drei am Nachmittag war ich schließlich nach einem aufregenden Wochenende wieder daheim.

Der Loot:

RPC

Im Zweifelsfall kaufe ich immer Bücher und ‚Lang lebe die Nacht‘ stand schon lange auf meiner Anschaffungsliste. Den KGIA-Sticker habe ich am Ulisses Spiele-Stand geschenkt bekomen, ich überlege, ihn vorne in meinen Terminplaner zu kleben. Der Würfel ist ein Mitbringsel für einen guten Freund und den Schattenweber-Flyer und meinen Ausstellerausweis (hach, was hört sich das hochtrabend an) habe ich der Vollständigkeit halber hinzugefügt.

Geil war’s. Falls ich Geld, Zeit und/oder eine sonstige Chance habe, nächstes Jahr wieder hinzufahren, count me in!

Büchernörgele: Bernhard Hennen, Robert Corvus – Nordwärts

Musik: Amon Amarth – The Way of Vikings

Nach viel zu langer Zeit kommt nun endlich wieder eine Folge ‚Horatia nörgelt sich durch Bücher‘.

 

Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich eine Rezension schreiben soll, da ich die Phileasson-Saga schon einmal gemeistert habe und mit ganz anderen Voraussetzungen an das Buch herangehe als jemand, der oder die von Aventurien und DSA noch nie etwas gehört hat, aber mich dann doch dafür entschieden. Manchmal muss ein Text einfach raus, und die Phileasson-Saga ist eine Herzensangelegenheit.

Worum geht es? Zwei verfeindete Thorwaler Drachenschiffkapitäne, eine Wettfahrt in 80 Wochen rund um Aventurien, zwölf dabei zu lösende Aufgaben, sich einmischende höhere Mächte und einen Haufen zusammengewürfelter Abenteurer, die mit auf große Fahrt gehen.

Wer hat’s geschrieben? Bernhard Hennen, in der Deutschen Fantasyszene und darüber hinaus bekannt durch zahlreiche Elfen-Romane und Autor der ursprünglichen Phileasson-Kampagne für das DSA-Rollenspielsystem, und Robert Corvus, unter verschiedenen Pseudonymen Autor für unter anderem DSA und Perry Rhodan, sowie Verfasser der Schattenherren-Reihe (und außerdem ein Mensch mit sehr gutem Musikgeschmack).

Wie sieht das aus? So. Solche Fotos entstehen, wenn ich begeistert feststelle, dass das frisch erworbene Buch perfekt zum Nagellack passt.

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Und wie fand ich das nun? Vor der eigentlichen Geschichte steht ein etwa 80 Seiten langer Prolog, der einem mehrere der mitreisenden Abenteurer etwas näher bringt. Dieser hat mich zwiespältig zurückgelassen. Ich freue mich zwar immer über Charakter-Hintergrundgeschichten, aber der Prolog erinnerte mich eher an A Song of Ice and Fire als an Aventurien, bis hin zu einem Satz, an dessen Ende eigentlich nur noch ein ‚Valar Morghulis‘ gefehlt hätte. Außerdem hat mich irritiert, dass die ganze Zeit nur von Jungmannen die Rede war und Frauen nur zum Füllen des Methorns auftauchten und abfällig Weiber genannt wurden. Die Thorwaler sind zwar ein raues Völkchen, aber eigentlich sind bei ihnen Männer und Frauen komplett gleichberechtigt.

Dann ging es endlich mit der richtigen Geschichte los, die 10 Jahre nach dem Prolog spielt und ziemlich genau dem Abenteuerband folgt. Ich konnte immer mitblättern und hatte endlich mal keinen Grund, über fehlendes Kartenmaterial zu mosern. Da auf die meisten Meisterfiguren unter der Schiffsbesatzung verzichtet wurde, sind einige interessante neue Figuren dabei. Leider wurde ausgerechnet das Kernstück des ersten Bandes, die schon lange andauernde Fehde zwischen den rivalisierenden Kapitänen Asleif Phileasson und Beorn Asgrimmson, kaum thematisiert. Ein Satz, dass der Unfalltod von Beorns Schwester wohl der Auslöser der offenen Feindschaft war, das war es auch schon. Schade, da hätten die Autoren so viel mehr aus der Geschichte herausholen können. Was ist damals genau passiert? Was haben die beiden seitdem getan um sich gegenseitig das Leben schwer zu machen? Was hat Phileasson im Güldenland erlebt und war Beorn wirklich auch da oder hat er nur gelogen? Ich will Drama, Baby, Drama! Das wäre perfekter Stoff für den Prolog gewesen! Vielleicht bringen die weiteren Bände in der Hinsicht noch was, sonst wäre ich echt enttäuscht.

Sehr gut ausgearbeitet hingegen fand ich die Figur der Travia-Geweihten Shaya Lifgundsdottir, die als Schiedsrichterin des Wettkampfs mit auf die Reise geht und mit dem rauen Umgangston auf einem Drachenschiff und ihrer durch ihre Position bedingten Außenseiterrolle in der Mannschaft hadert. Shaya hat im Vergleich zum Abenteuer wirklich an Profil gewonnen, und es ist schön zu beobachten, wie sie nach und nach in ihre Rolle in der Schiffsgemeinschaft hineinwächst. Mein absoluter Liebling unter den Protagonisten ist allerdings Irulla, eine Waldmenschenfrau mit extrem morbider Weltsicht und einer besonderen Beziehung zu Spinnen. Leider trat sie im ersten Band nur am Rande in Erscheinung, ich würde mich freuen, in den Fortsetzungen mehr von ihr zu lesen.

Im Gegensatz zum Abenteuerband wird auch Beorns Geschichte viel Raum gegeben, was ich persönlich als gelungenen Schachzug seitens der Autoren empfinde. So bekommt zum Beispiel eine Stelle, die ich beim Vorbereiten des Abenteuers immer als sinnlose Meisterwillkür empfunden habe, plötzlich einen ganz anderen Kontext.

Der Phileasson von Hennen und Corvus kommt recht nahe an ‚meinen‘ Phileasson heran, den ich charakterlich ziemlich stark an Captain Jack Aubrey aus den Master and Commander-Romanen von Patrick O’Brian angelehnt hatte. Ehrenhaft, charismatisch, ein strenger aber gerechter Kapitän mit einer gelegentlichen Neigung zu tollkühnen Aktionen. Nur hoffe ich, wie schon geschrieben, noch auf mehr Hintergrundgeschichte. Aus dieser ikonischen Figur ist noch so viel mehr herauszuholen.

Trotz seiner Schwächen hat mir ‚Nordwärts‘ eine Menge Spaß und eine schlaflose Nacht beschert, und ich habe mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht immer wieder daran erinnert, was meine Gruppe damals in der jeweiligen Situation so alles getrieben hat. Meine Rollenspielkonditionierung hat außerdem dafür gesorgt, dass immer wieder mitgerätselt habe, was die Protagonisten wohl gerade gewürfelt haben (Spontane Selbstentzündung beim Ignifaxius! Das war mindstens eine Doppel-20!). Lustigerweise erinnert die Lösung der ersten Aufgabe im Buch sehr stark an das, was meine Spieler ausgebrütet hatten. Nur der Nihilgravo und die angesengte Feder am Hut des Schwertgesellen fielen im Buch aus. Falls ich die Kampagne noch mal meistern sollte (worauf ich gerade so richtig Bock habe), werde ich definitiv auf einige der Anregungen aus der Romanfassung zurückgreifen.

 

***SPOILER***

Nun bin ich gespannt auf Band 2, der im August erscheinen soll. Das Abenteuer, in dem der von mir beim Witcher 2-Let’s Play inflationär gebrauchte Begriff ‚missgünstige Elfen‘ seinen Ursprung hatte. Wird jemand das Schwert aus dem Eisgrab einsacken und beinahe von einem für alle anderen unsichtbaren Monster erlegt werden?  Wird jemand auf DEN Gong hauen? Werden sie Pardonas Pantoffeln stehlen (und anschließend die Diebstähle von Borbarads Badelatschen, Rohals Rasiermesser und Nahemas Nagelschere planen)? Wird jemand beim hinterhältigen Abstechen einer andersweitig abgelenkten Chimäre patzen und einen schweren Eigentreffer landen? Werden sie überhaupt wieder lebend aus dem Himmelsturm rauskommen und wird Irulla auch dort, wie angekündigt, eine Spinne finden?

***SPOILER ENDE***

Hochgradig missgünstiges Gestrüpp

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Die Ballade von Daisy Jones

Seitdem meine Rollenspielgruppe vor einiger Zeit angefangen hat, GURPS Dungeons zu spielen, haben wir zum Kämpfen die Hexfeldmatte für uns entdeckt. Mittlerweile haben wir auch schon eine ganze Kiste mit verschiedenen Auftstellern für diverse Gegner, aber es gibt immer wieder Situationen, die noch nicht abgedeckt sind. So geschehen auch neulich, als sich im Laufe eines DSA-Abenteuers eine Konfrontation mit einer Gruppe Humus-Elementargeister abzeichnete. Da diese sehr pflanzenähnlich aussehen, setzte ich mich für eine Stunde hin und bastelte aus einem Reststück Pappe ein angriffslustiges Gebüsch.

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Die Nummerierung dient der Übersichtlichkeit im Kampf, so habe ich einen besseren Überblick, welches Grünzeug sich gerade mit welchem Spielercharakter anlegt. Ebenfalls im Bild ist Galla Sanza, ihres Zeichens Historikerin, Draconiterin und derzeitige Auftraggeberin der Heldengruppe. Da sie die Gruppe noch etwas länger begleiten wird, hat sie ihre eigene Figur bekommen, die für bessere Standfestigkeit noch mit einer alten Unterlegscheibe unterklebt wurde.

Einmal Kranfreich und zurück

Musik passend dazu aus dem Repertoire bekloppter Coverversionen: Blind Guardian – To France

Es war mal wieder soweit: Horatia macht Urlaub. Allerdings nicht alleine, sondern mit der Nerdgang ihres Vertrauens machte sie sich auf, um den endemischen Zwergplattwurm in ihrer zeitweiligen Heimat Clermont-Ferrand zu besuchen. Auf der Hinreise wurden wir kurz nach der Grenze standesgemäß durch ein brennendes Auto am Straßenrand begrüßt und eine unpräzise Fahranweisung auf dem Google Maps-Ausdruck bescherte uns eine unfreiwillige Stadtrundfahrt durch Lyon. Aber ich kann stolz verkünden, dass wir es auch ganz oldschool nur mit einem 10 Jahre alten, von der CDU/CSU herausgegebenen Autoatlas und einem fürs Wandern optimierten GPS-Gerät bis ans Ziel geschafft haben. Um es mit DSA zu sagen: Das gab jeweils eine spezielle Erfahrung auf Orientierung auf Navigation.

Was darauf folgte, war eine gute Woche Faulenzen, Genießen der Auvergne und allgemeine Herumnerderei. Ich fürchte, ich muss meinen  Wortschatz erstmal wieder komplett umstellen, um wieder in der Zivilisation zugelassen zu werden.

Dinge, die ich in Frankreich getrieben habe:

– Zumindest halb um den Lac d‘ Aydat gewandert:

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– Den Puy de dome bestiegen (Akzent über dem o ist auf meiner Tastatur gerade unauffindbar), bzw. abgestiegen, hoch haben wir uns eine Tour mit der Zahnradbahn gegönnt. Ich hatte danach fast eine Woche Muskelkater, was eine Menge über meinen  sportlichen Zustand aussagt. Aber solange in Fitnesstudios die Marktlücke der Metal-Aerobic noch nicht erschlossen wurde, kriegen mich auch kein 10 Pferde dorthin.

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– Mich über Straßenschilder amüsiert. Saufvehikel sind immer gut. Aber insgesamt bin ich trotz meiner nur 2 Jahre Schulfranzösisch, die immerhin gut 15 Jahre her sind, erstaunlich gut klar gekommen. Wenn ich mir vorher zurecht legen konnte, was ich sagen wollte, wurde ich eigentlich immer verstanden, und der Rest wurde mit Händen und Füßen improvisiert. So habe ich dann auch herausbekommen, dass der riesige Comicladen in Clermond-Ferrand leider keinen einzigen englischsprachigen Comic im Sortiment hatte. Schade. Ich hatte doch insgeheim gehofft, den neuesten Order of the Stick einsacken zu können, nachdem der Pegasus-Shop ihn seit Monaten als bald lieferbar verzeichnet, aber sich nichts tut.

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– Mich in französischen Freizeitbetätigungen ausprobiert. Pétanque ist definitiv eine würdige Alternative zu Kubb.

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– Ein Paar Socken gestrickt und erfolgreich am Abbau meiner Sockenwollevorräte gearbeitet. Socke 1 wurde die Shadowrun-Socke getauft, weil ich sie während einer Runde Shadowrun gestrickt habe, und Socke 2 wurde die GURPS-Socke. Und ja, wegen des Biers haben der Tilmensch, Lena und ich vor der Abfahrt noch extra einen Supermarkt aufgesucht, weil wir schon vorgewarnt wurden, dass französisches Bier nicht so der Bringer ist.

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– Clermont-Ferrand besichtigt. Und aus dem örtlichen Rollenspielladen 3 W20 als Souvenir zum spektakulären Preis von 50 Cent pro Würfel mitgenommen. Vercingetorix ist in der Auvergne überall präsent, was bei mir den Impuls ausgelöst hat, mir dringend eine eigene Version von ‚Asterix und der Avernerschild‘ zuzulegen. Es lebe ‚hicks‘ Vercingetorix!

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– Fleißig Pen&Paper gespielt. Immerhin sind wir ein Haufen Nerds. Und so konnte ich meine GURPS Dungeons-Klerikerin Aliana von Sterzberg mal wieder ausgraben, ihres Zeichens Dienerin der Wahrheit und Gerechtigkeit, in den Augen der anderen Charaktere wanderndes Medipack und Gelegenheits-Tank. Ja, die Fähigkeit zu Heilzaubern war schon ziemlich nützlich, als der erste Bosskampf die ganze Gruppe ziemlich zerlegt hat. Aber dank zwei Frauen mit Schwertern (der endemische Zwergplattwurm und ich) ist die Sache doch noch gut ausgegangen. Außerdem habe ich mich als als leicht wahnsinnige bastelwütige Gnomin mit der experimentellen mehrschüssigen Projektilwaffe mit besonderer alchimistischer Überaschung Modell Mk 2b (Fragt nicht, was mit Modell Mk 2a passiert ist, und Modell Mk 1 ist der Grund, weshalb sie ihren Nachnamen lieber nicht mehr angibt) im Pathfinder-System ausprobiert. Und dank Shadowrun werde ich Netto-Supermärkte nie wieder mit den gleichen Augen sehen. Es folgen einige Impressionen von der Hexfeldmatte und drumherum:

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Gumpf der Goblin war übrigens eine der Wachen, die den Eingang zu ‚unserem‘ Dungeon bewachten. Da unser eigener Goblinscout Zugg heroisch vorschlich und Gumpf ins Gesicht schoss, waren selbiger und sein Kumpel Boggel erstmal ziemlich sauer auf den armen Zugg und er ist nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Da blieb Aliana und mir wieder nur mal übrig, Order of the Stick zu zitieren:

Ah, the life of an adventuring cleric. A perpetual struggle to maintain the hit point totals of four or five nigh-suicidal tomb robbers determined to deplete them at all costs.

Der Spruch steht übrigens auf der Rückseite ihres Charakterbogens, weil er einfach sowas von wahr ist.

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Rollenspiel im Garten bei über 20°C und Sonnenschein. Anonymisiert, um die Privatsphäre der Nerdgang zu wahren.

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Hexfeld-Action – zu viert gegen den untoten Otti. Von links nach rechts: Aliana von Sterzberg, Janus Iscarion, Loradrin (Spitzname Täubchen wegen seiner Flügel) und Kunigunde, die Frau die noch 1w6+4 mehr Schaden austeilte als ich.

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Stilleben mit Pfeffi, farblich hervorragend koordinierten Würfeln, Hexfeldern und Zombies.

Wirklich schön war’s. Danke an den endemischen Zwergplattwurm für die Organisation, den Tilmensch und Lena fürs geduldige Ertragen meiner semi-professionellen Beifahrer-Navigationsskills und überhaupt der gesamten Nerdgang fürs dabei gewesen sein. Nun heißt es zurück zum Alltag, dem Endspurt der Promotion und dem Suchen nach einer Arbeit, die die finanzielle Basis für weiteres Nerdic Walking bildet.

Ophelia, oh Ophelia

Musik: Das leise Rauschen des PC-Lüfters

Man stelle sich eine junge Frau in einem Kerker vor. Und sie hat so kalte Füße… In dieser Situation befindet sich derzeit der Rollenspielcharakter einer Freundin und deshalb gab es als Gewinn einer Verlosung Socken für das arme Fräulein in ihren liebsten Rauch- und Nebelfarben mit edler Spitze.

OpheliaSocken1

OpheliaSocken2

Damit hatte ich über die Weihnachtstage auch eine Beschäftigung jenseits von sinnlos fernsehen und Süßkram in mich hineinstopfen. Und die neue Sockenbesitzerin hat sich sehr gefreut.

Nur echt mit Glitzer

Ich bin so ein fürchterliches Mädchen und beherberge mittlerweile über 40 Nagellacke. Und ja, ich musste sie alle haben. Zumal man als bastelbegeisterter Mensch mit Nagellack noch so viele andere tolle Dinge anstellen kann, außer sich damit die Nägel zu lackieren.

Demnächst steht eine Runde Shadowrun an, und für Shadowrun braucht man W6. Viele, viele W6. Es ist nicht so, dass mein Würfelbeutel nicht für jede Rollenspiel-Eventualität gut gefüllt wäre, aber ich mag nun mal gern hübsche Würfel und ein Teil meiner W6 ist einfach ganz langweilig weiß mit schwarzen Zahlen. Um das zu ändern, kam dann wiederum der Nagellack ins Spiel, und jetzt sind meine vorher öden Würfel bunt und glitzern. Beim ersten Versuch wurden die nachträglich neu aufgetupften Zahlen noch etwas zu groß und fleckig, bis ich auf die Idee gekommen bin, statt mit dem Pinsel zu malen, einen Stecknadelkopf in den Lack zu tauchen und damit die Vertiefungen wieder aufzufüllen. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Sind sie nicht herrlich bunt, glitzerig und kitschig?

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Der Bildhintergrund besteht übrigens aus einem meiner Meister-Schmierzettel alias Kampfprotokoll. Frei nach den Blogfotografie-Ratschlägen von Miss von Xtravaganz will ich mal versuchen, meine Sachen nicht immer nur ganz schnöde bei künstlichem Licht auf meiner Schreibtischplatte zu fotografieren.

Falls es wen interessiert, ich habe von links nach rechts folgende Lacke verwendet: 1. Ein halb eingetrocknetes Etwas von Rimmel, auf dem der Preis noch in D-Mark stand, 2. Nr. 884 von L’Oréal, 3. start wild! aus der p2 Lost in Glitter-Reihe, 4. Nr. 11 von Rival de Loop, 5. Metalico (Nr. 376) von L’Oréal. Die weißen Punkte habe ich mit ‚White on White‘ von Revlon gemacht.

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