Zum Anker und Oktopus

Anarcho-Handarbeiten, Gitarrenlärm, Nerdic Walking und andere Welten

Archiv für die Kategorie “Schwermetall”

My Little Evil Bad Pony

Musik: Sabaton – Blood of Bannockburn

Meine Freundin AdoraBelle erreichte kürzlich Epic Level und da musste natürlich ein passendes Geschenk her. Sie wünschte sich Dinge für ihre neue Wohnung und was lag da näher als eines meiner mittlerweile berüchtigten Metalkissen?

AdoraBelle mag Iron Maiden und My Little Pony, da ergab sich das Motiv mehr oder weniger von allein und ich war teilweise erstaunt, welche lange nicht benutzten Stickgarnfarben ich in den Tiefen meines Vorrats noch fand. Die Vorlage für das Pony stammt aus dem Internet und wurde von mir entsprechend modifiziert. Es war gar nicht so einfach, ein Pony zu finden, das angemessen grimmig und pöööhse dreinschaut.

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Der Schriftzug ist wie immer mit Stoffmalfarbe schabloniert und anschließend umstickt. Als Stoff musste schwarze Ditte herhalten. So langsam muss ich mal wieder zum Möbelschweden, da meine Vorräte sich langsam dem Ende neigen. Zum Schluss gab es noch einen ‚Für Dich mit Trve Metal Hatred handgemacht‘-Anhänger und ansonsten habe ich auf jeglichen weiteren Schnickschnack verzichtet. Das hätte nur vom Pony abgelenkt.

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Das Kissen war bei seiner neuen Besitzerin ein voller Erfolg und nun habe ich Lust, mir auch mal eins zu machen. Bloß welche Band? Und welches Design? Und ich habe ja eigentlich noch so viele UFOs hier herumliegen…

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Festivalbändchenbanner

Musik: Mr. Hurley und die Pulveraffen – Haken an der Sache

Alle Festivalgängerinnen und -gänger kennen es – Das Festivalbändchen. Manche Leute sammeln sie über Jahre am Arm, ich habe die Bändchen der Saison immer bis zum Wachetreffen getragen und dann abgeschnitten. Aber was macht man dann damit? Zum Wegwerfen fand ich sie immer einfach zu schade, deshalb habe ich sie in einer Schublade meiner Schreibtischkommode gesammelt, bis mir schließlich die zündende Idee kam, wie ich sie angemessen zur Schau stellen kann. Hiermit präsentiere ich: Das Festivalbändchenbanner!

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Die Grundlage ist aus schwarzer Ditte, in Form geschnitten, gesäumt und oben mit einem Durchzug für den Stab versehen. Wieder ein reines Vorratsprojekt, selbst die Stange ist noch ein Rest vom Adventskalender für das Patenkind. Ich habe absichtlich unten noch viel Platz gelassen, für zukünftige Festivals. Das Banner repräsentiert auch längst nicht alle Festivals auf denen ich je gewesen bin, doch vor allem auf kleineren Veranstaltungen gab es oft nur ein Papierarmband. Dennoch, ein schönes Souvenir von mittlerweile 13 Jahren Rock’n’Roll auf diversen Äckern.

Was macht ihr eigentlich mit euren Bändchen?

Metal im Zeichen des Oktopus

Musik: Slayer – Dead skin mask

Alles begann damit, dass der beste Manowar-Fan und ich so um das letzte Silvester herum beschlossen, dass wir 2016 unbedingt auf ein Sabaton-Konzert müssen. Und da ich die besten Freunde der Welt habe, bekam ich zum Geburtstag von allen zusammen ein Ticket für das Elb-Riot, wo unter anderem auch besagte Band spielte.

ElbRiot

Und so machten der beste Manowar-Fan der Welt, der Tilmensch, Bran und ich uns im Wohnmobil nach einem Zwischenstop beim Media Markt zwecks Erwerb der neuesten Sabaton-CD auf nach Hamburg. Unterwegs der erste Schock: Die CD sprang und spielte manche Lieder gar nicht erst ab! Frust machte sich breit, bis wir es schließlich mit der wissenschaftlichen Methode versuchten – Spielt der Player denn andere CDs ab? Dies war nicht der Fall, weshalb Sabaton nun wirklich keine Schuld traf. Dank einiger Baustellen und einem richtungsverwirrten Navi, das uns zwischen zeitlich zurück nach Göttingen lotsen wollten, trafen wir nach viereinhalb Stunden Fahrt auf unserem idyllisch am Elbdeich gelegenen Campingplatz ein. Um nicht von den Hamburger Öffis abhängig zu sein, hatten wir unsere Fahrräder mit eingepackt, die wir nur noch schnell abluden und uns dann sofort auf die 13 Kilometer lange Randtour zum Gelände machten. Schließlich wollten wir Powerwolf nicht verpassen. Für jemanden wie mich, die Sport als etwas betrachtet was anderen Leuten zustößt, war die Fahrt schon eine mittlere Sporteinheit, aber so lernte man mal den Elbdeich und das Industriegebiet kennen. Andererseits erweckte die Strecke, auf der die höchsten Erhebungen der Deich und die Brücken waren, alte Bremer Heimatgefühle. Nach einer guten Dreiviertelstunde Fahrt erreichten wir das Festivalgelände am Hamburger Großmarkt und die im Internet versprochene Fahrradgarage hielt auch, was sie versprach. Bei der Bändchenausgabe ging auch alles sehr zügig und so konnten wir noch ohne Eile die lange, lange Strecke vom Einlass zur Bühne entlangschlendern. Der Veranstalter war findig genug, auf halber Strecke die erste Bierbude aufzubauen, die auch sofort für die Mitnahme eines Wegbiers genutzt wurde. Das hatten wir uns redlich erradelt.

Ich war sofort von der Bühnendeko begeistert. Oktopusse! Damit kriegt man mich ja immer. Powerwolf lieferten wie immer eine klasse Show, nur dass ihr Auftritt im noch hellen Tageslicht nicht ganz so die epische Priesterkutten-Corpsepaint-Wirkung hatte wie sonst. Manche Bands funktionieren live einfach besser in stilechter Finsternis. Nichtsdestotrotz hatten wir eine Menge Spaß und nachdem sie mich auf dem RockHarz schmählich im Stich gelassen hatten, kam nun auch der Rest der Gang mal in den Genuss der Leistungswölfe. Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann auch Sabaton die Bühne und nahmen das Festival auseinander. Zugegeben, die drei großen Bier auf nüchternem Magen mögen auch eine Rolle gespielt haben, aber so geflasht war ich schon lange nicht mehr auf einem Konzert. Wir kamen nun trotz des spinnenden CD-Players doch noch in den Genuss einiger Lieder des neuen Albums und als sie ‚Gott mit uns‘ als ‚Noch ein Bier – as we all drink united‘ spielten, konnten der Tilmensch und ich es nicht mehr lassen und mussten unseren traditionellen Discofox tanzen. Erstaunlicherweise fanden wir auch gleich mehrere Nachahmer. Der Wunsch nach alternativer Tanzmusik scheint verbreiter zu sein als wir ahnten. Nach Sabaton gönnten wir uns noch einen dänischen Hot Dog und radelten dann gemütlich wieder heim zur Homebase alias Wohnmobil.

Zum Luxus des Campingplatzes gehörte auch ein Brötchenbestell-Service, sodass wir den Tag dekadent mit Brötchen beginnen konnten. Da Faulenzen hoch im Kurs stand, wurde es auf dem Weg zum Festivalgelände, wo wir und Fear Factory als erste Band des Tages anschauen wollten, etwas hektisch, und dank eines sehr gut versteckten Geldautomaten und einigen versemmelten Sinnenschärfe-Proben um ihn zu finden verpassten wir leider doch die ersten Lieder. Der Rest des Konzerts war aber sehr gut und kurz darauf stießen auch Isol und ihr Freund zu uns. Mein Versuch, ein Festivalshirt zu erwerben (Oktopus!!!!!) verlief leider ins Leere, weshalb ich mich an die Futterstände hielt. Nach Fear Factory kamen At The Gates mit einer Runde ordentlichem Geknüppel und Paradise Lost mit einer Dosis Gothic Metal. Mit Asking Alexandria wurden wir allerdings alle nicht so wirklich warm. Es klang irgendwie, als könnten sie sich nciht entscheiden, ob sie wie Linkin Park, In Flames oder Machine Head klingen wollten, und es kam auch im Publikum keine richtige Stimmung auf. Danach legten Carcass aber wieder ein ordentliches Brett hin und auch Mastodon waren ganz nett. Zwar fehlte für meinen Geschmack das gewisse Etwas, aber als Hintergrundbeschallung konnte man es gut hören. Zwischendurch drohte mal eine Gewitterfront, die sich aber angesichts des Headliners wieder auflöste. Selbst Gewitter haben Angst vor Slayer! Tom Araya quatscht nicht viel herum, stattdessen gab es eineinviertel Stunden musikalisch auf die Fresse. Ein sehr gelungener Abschluss des Festivals.

Die Heimfahrt am Sonntag führte mitten durch die Reste des Schulferienrückreiseverkehrs, woraufhin das Navi uns einige Ausweichrouten vorschlug. Eine führte direkt an einem Militärgelände vorbei, was angesichts eines Verkehrswegs nur für Militärfahrzeuge folgende Frage aufwarf: Wenn wir laut genug Sabaton hören, geht das Wohnmobil als Panzer durch?

Insgesamt war es mal wieder ein tolles Wochenende mit meinen Freunden und Sabaton haben für 2017 schon eine Tour angekündigt. Mal schauen.

Ihr seid gut, ihr trefft Töne!

Musik: Satyricon – K.I.N.G.

Meine Freunde und ich haben uns mal wieder für vier Tage Dreck, Dixis und Dosenbier von der Zivilisation verabschiedet. Mit anderen Worten: Es war RockHarz und wir mittendrin.

Mittwoch

Mittlerweile haben wir den absoluten Gipfel der Festivaldekadenz erreicht, da sich der beste Manowar-Fan der Welt ein Wohnmobil zugelegt hat. Mit diesem Riesengeschoss machten der Tilmensch, Bran und ich uns am Mittwoch Mittag als Vorhut auf den Weg, um schon mal den Zeltplatz-Claim abzustecken. Unter Zuhilfenahme aller Beteiligten (Kommt was von rechts?) schafften wir es unfallfrei aufd Festivalgelände und hatten das große Glück, gerade in die Eröffung eines neuen Zeltplatzabschnitts hineinzurutschen, sodass wir unser Lager ganz entspannt mit reichlich Platz in der Mitte aufschlagen konnten. Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo das große Quetschen angesagt war. Da wir ohne Stau durchgekommen waren, blieb noch genug Zeit, im Camp zu chillen, die ersten Bierdosen zu knacken und sich der handgemachten Musik zu widmen. Vor anderthalb Wochen habe ich nämlich meine Gitarre mal wieder aus dem Keller ausgegraben und mir die Akkorde zu Empire of the Clouds von Maiden aus dem Netz gesucht. Und so schrubbten der Tilmensch auf der Ukulele und ich auf der Klampfe fröhlich vor uns hin, während sich um uns herum der Zeltplatz langsam füllte. Ich hatte schon vergessen, wie viel Spaß Gitarre spielen eigentlich macht. Man muss nicht gut sein, sondern einfach machen, dazu grölen und die Nachbarn verschrecken. Und Punk-Klassiker wie ‚Bullenwagen klaun und die Innenstadt demoliern‘ lassen sich ein einer Minute lernen. Gegen Abend stand dann mit JBO das erste Konzert an. Irgendwie zündeten sie bei mir nicht so ganz (vermutlich war ich noch zu nüchtern), aber es gab es rosa Wasserbälle, die auf das Publikum herabregneten, und von denen wir uns einige unter den Nagel rissen mit dem Plan, sie beim Konzert der finstersten Black Metal-Band des Festivals wieder ins Publikum zu werfen. Und als Outro schossen sie das Deep Space Nine-Thema in voller Lautstärke durch die Boxen, was schon definitiv episch war. Danach ließen wir den Abend ruhig mit Nudeln vom Wohnmobil-Gasherd ausklingen. Als ich dann im Zelt lag, konnte ich trotz Ohrenstöpseln hören, dass es in einem der Nachbarcamps auch einen Gitarrenspieler gab, der sich mit fortschreitender Zeit und fortschreitendem Getränkepegel in immer seltsamere Trinklieder verstrickte. Ich war kurzzeitig versucht, noch mal aus dem Schlafsack zu krabbeln und ihm Empire of the Clouds in die Hand zu drücken.

Donnerstag

Der Donnerstagmorgen begann um Punkt acht Uhr mit den Idioten von zwei Camps weiter, die lautstark ‚Guten Morgen, Sonnenschein!‘ über den Zeltplatz schallen ließen. Aargh! Ich habe ja absolut nichts dagegen, wenn die Leute bis spät nachts auf dem Campingplatz feiern, das gehört zu nem Festival dazu, aber Leute die früh morgens lautstark krampfhaft gute Laune verbreiten wollen, gehören in einem finsteren mitternächtlichen Ritual zu den Klängen von Immortal notgeschlachtet. Nach dem unsanften Wecken war erstmal Faulenzen, Lesen und weiteres Musik machen angesagt, bis wir um halb vier unsere Freundin Nici samt Ukulele Nummer 2 mit einer Dose eisgekühltem Bier vom Bus abholten. Danach ging es gemütlich weiter, bis wir uns zur ersten Band des Tages aufmachten, die wir sehen wollten – Gamma Ray. Die lieferten ein ordentliches Brett ab. ASP musste ich nicht unbedingt sehen, deshalb ging ich zurück zum Camp, Biernachschub holen, und beobachtete mit einem Auge das EM-Halbfinale Deutschland-Frankreich. Nach dem 0:2 war klar, dass das nichts mehr wird – Da waren Saxon eindeutig die verlockendere Alternative. Faszinierend, wie Biff gesanglich immer noch abgeht, obwohl er noch mal 7 Jahre älter ist als The Bruce. Und was das Thema Haare angeht hat er mit seiner schneeweißen Mähne sowieso haushoch gewonnen. Tolles Konzert, obwohl sie mein Lieblingslied von ihnen dieses Mal leider nicht gespielt haben. Auf dem Heimweg machten wir uns noch potentiell unbeliebt, weil wir ohne Rücksicht auf trauernde Fußballfans lautstark ‚Bier gegen Bullen und Deutschland‘ sangen. Dann wollten die anderen auch schon ins Bett, aber ich war noch nicht müde, weshalb ich noch bei unseren Nachbarn (nicht den Idioten) vorbei schaute und bei ihnen weiterfeierte. Sie hatten eine wirklich gute Musikauswahl auf ihrem Rechner und wir haben uns im Laufe der Tage so manches Mal gewünscht, dass den anderen Gruppen um uns herum ihre Anlagen um die Ohren fliegen. Warum stundenlang Kirmestechno ertragen müssen, wenn man auch Maiden hören könnte?

Freitag

Mein Gebet an die Götter Asgards wurde erhört: Der Morgen begann nicht mit schlechter Beschallung, sondern immerhin nur mit dem langsamen Erhitzen des Zelts durch die Sonne und dem anschließenden üblichen Tagesprogramm. Als erste Band des Tages stand Coppelius auf dem Programm. Wie immer sehr gut, auch wenn sie dieses Jahr nur ein Maiden-Cover gespielt haben. Dafür gab es die Wall of Friendliness. Das Publikum teilt sich in der Mitte, geht dann langsam aufeinander zu und wenn man sich in der Mitte trifft, gibt man sich die Hand und sagt etwas Nettes. Sehr stilvoll. Dann tauchte auch der Tilmensch mit dem besten Manowar-Fan der Welt im Schlepptau auf und wir waren endlich komplett. Zurück beim Zelt wurde erstmal ausgeibig gegrillt, während am Himmel dunkle Wolken aufzogen und wir schon Schlimmes befürchteten, aber bis auf einen kurzen Angstschauer kamen wir davon. Für Erheiterung sorgte auch einer der Idioten von zwei Camps weiter, der plötzlich in einem neongelben Mankini auf dem Dach seines Autos herumsprang. Festivals scheinen irgendwie das innere Kind im Menschen rauszulassen. Es gab wieder die üblichen kreativen Basteleien aus leeren Bierdosen, Gaffatape und sonstigem Gerümpel und auch ein paar andere nette Aktionen jenseits von dämlichen ‚Titten raus‘-Schildern. Eine Gruppe hatte ein Wörterbuch auf einem Tisch ausgelegt und mit einem Schild dazu aufgefordert, ihnen einen Begriff daraus vorzulesen, andere Leute hatten sich aus Pappkartons spontan Roboterkostüme gebastelt und liefen damit übers Gelände. Nächster Halt: Satyricon. Angemessen düster um die rosa Wasserbälle zum Einsatz kommen zu lassen. Ja, wir unverbesserlichen Trolle. Anschließend gingen der beste Manowar-Fan und ich eine Runde die Merchandise-Stände abchecken und deckten uns mit Sabaton-Patches ein. Saltatio Mortis schenkte ich mir, um dann mit einem neuen Bier wieder pünktlich zu Beginn der Rocky Horror Tobi Show alias Avantasia einzutreffen. Ich bekam, wofür ich gekommen war – 2 Stunden erstklassigen kitschtriefenden Power Metal und das übliche Gequatsche vom Tobi, der auch dieses Mal wieder für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgte. Glücklich kippte ich ins Zelt.

Samstag

Same Procedure as every Morning, wobei diverse Skalen erfunden wurden. Sonnencremedicke von eins bis Corpsepaint. Verschmiertes Augen-Make-Up von eins bis Satyricon. Und schlechter Sex von… nun ja, lassen wir das. Zwischendurch fand ich sogar noch Zeit, meinen neu erworbenen Sabaton-Patch auf die Kutte zu nähen, wo er nun thematisch passend neben dem Maiden-Patch mit Machine Gun-Eddie wohnen darf. Musikalisch begann der Tag mit Gloryhammer, der Zweitband von Alestorm. Die Power Metal-Band die noch kitschiger ist als Avantasia und das mit voller Absicht. Ob Posing mit einem Streithammer, lustige Fellstiefel oder epische Mitsingchöre – läuft. Danach begann mein persönliches Sportprogramm – Erst Finntroll und direkt danach Ensiferum. Ich war hinterher sowas von im Arsch, weshalb im Wohnmobil erstmal Speed-Nudeln mit Soße a la ‚Veggiebolognese + Pizzatomaten + alles was wir sonst noch so an Gemüse im Wohnmobil finden und was weg muss + Chiliflocken‘ gekocht wurden und wir pappsatt zurück zu Children of Bodom rollten, deren fettes Brett fleißig beim Verdauen half. Während Subway to Sally spielten, füllte ich meinen Bierbecher noch mal auf und begab mich zu meinem persönlichen Favoriten des Festivals: Powerwolf. Was soll man dazu noch sagen. Ein Haufen als Priester verkleidete Leute mit Corpsepaint, die abgefahrenen Power Metal mit leichtem Gothic-Einschlag spielen, mit einem rumänischen Opernsänger als Frontmann. Letzterer steckt stimmlich so ziemlich alles in die Tasche – gelernt ist halt gelernt. Ein rundrum geniales Konzert, von der Circle Pit rückwärts über das Reenacten des isländischen Fußballschlachtrufs (Huh!) bis zum Kommentar des Sängers über unsere Mitsingkünste: ‚Ihr seid gut, ihr trefft Töne!‘ Immer noch total geflasht latschte ich mal wieder zurück zum Zelt und wägte meine Optionen ab. Ich könnte jetzt schlafen gehen. Aber ich habe noch genau eine Dose Bier und nachher spielen noch Versengold, von denen ich immerhin zwei Lieder mitsingreif kenne. Am Ende wurden es Bier und Versengold und ich war wirklich positiv überrascht von der Band. Auf CD klingen sie teilweise eher lahm, aber live gingen sie ordentlich ab. Man stelle sich eine Mischung aus Fiddler’s Green und einer besseren Version von Schandmaul vor. Ein schöner Abschluss des Festivals.

Am Sonntag folgten das übliche Abbauen und das mittlerweile traditionelle Looten des Campingplatzes. Für mich sprang eine neue Klappkiste dabei heraus und unseren Auftrag nach roter und grüner Pavillonplane für einen neuen Schattenweber-Merchpavillon konnten wir auch erfüllen.

Nächster Halt Mitte August: Elb-Riot. Mit Sabaton. Und Slayer. Und noch mal Powerwolf. \m/

Metalkissen Nummer 2

Musik: Arch Enemy – My Apocalypse

Als der Tilmensch bei der Wohnmobil-Einweihung des rosa Manowar-Kissens ansichtig wurde, meinte er, dass so ein Kissen ihm auch gefallen würde. Also habe ich mich zu seinem Geburtstag an die Maschine gesetzt, fleißig mit Stoffmalfarbe und Schimmelentferner herumgesaut und aus dem unergründlichen Vorrat an Flecktarn ein Endzeit-Iron Maiden-Kissen für sein neues Sofa zusammengebastelt. Erkenntnis Nummer 1: Schimmelentferner hat auf meine Camostoffe so gut wie überhaupt keine Wirkung. Erkenntnis Nummer 2: Je nachdem, ob der Stoff feucht oder trocken ist, lassen sich mit dem Schimmelentferner sehr unterschiedliche Effekte erzielen. Dank des Kissens habe ich auch immerhin einen der Tarnstoffe bis auf ein paar kleine Restfitzel aufbrauchen können. Das macht -1 für den Stoffberg, Yeah!

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Ansonsten ist handarbeitstechnisch gerade nicht viel los, denn Promovieren frisst Zeit. Aber das nächste hirnrissige Projekt steht schon in den Startlöchern. Kleiner Spoiler: Es wird Zahnräder geben. Viele Zahnräder.

Von Eisernen Jungfrauen, Luftschiffabstürzen und Sternenkriegern

Musik: Iron Maiden – Empire of the Clouds

Die neue Scheibe von Iron Maiden ist da! Gleich am Erscheinungstag bin ich zum örtlichen Plattendealer geflitzt und derzeit läuft kaum etwas anderes in meinem CD-Player. Nachdem ich mit mit dem letzten Album, ‚The Final Frontier‘, stellenweise nicht so ganz warm geworden bin, hat ‚The Book of Souls‘ wieder voll meinen musikalischen Nerv getroffen. Mein innerer Steampunker freut sich besonders über das 18 Minuten lange ‚Empire of the Clouds‘, das von einem Luftschiff und seinem Absturz handelt (Details über His Majesty’s Airship R101 und ihr Ende gibt es bei Wikipedia). Das Lied ist einfach nur episch und wunderschön und nach mehrmaligem Hören des Stücks hat die Hintergrundgeschichte meines abgewrackten Privatdetektivs aus ‚Tod eines Archäologen‘ nun wieder ein neues Detail bekommen. Zwar wird es erst in einer potentiellen Fortsetzung relevant, aber was ich an Plot im Sack habe, habe ich im Sack, und ich habe mit diesem Charakter eine Menge vor. Aber zurück zur Platte (Nein, nicht die Trolldroge). Es folgt eine glückliche Horatia mit ihrem erfolgreich erlegten Loot:

Maiden

Ich mag den Effekt, dass das Bild, das die Webcam auf meinem Monitor angezeigt hat, sich in der CD-Hülle spiegelt und die CD damit wieder auf sich selbst abbildet. Als ob Eddie insgeheim in meinen Fotos spuken würde. Muhuhahahaha. Zudem habe ich bei der CD-Release-Party im örtlichen Lärmschuppen noch einen Eddie-Schlüsselanhänger geschenkt bekommen, der nun den USB-Stick mit der jeweils aktuellsten Version meiner Dissertation bewacht. Da promoviert es sich doch gleich viel schöner.

Beim ausgiebigen Hören oben erwähnter CD habe ich einen Haufen neuer Sechsecke zugeschnitten und angefangen, sie zu besticken. Und dabei habe ich endlich erfolgreich die allerletzten Reste meiner ersten schwarzen Ditte-Charge aufgebraucht.

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Oben links: Die Signatur der kristallographischen Ebenengruppe p6mm, welche die möglichen Symmetrieoperationen eines Sechseckquilts beschreibt. 6 bezeichnet die maximale Drehsymmetrie in der Draufsicht, m steht für Spiegellinien senkrecht auf a- und b-Richtung in der Ebene. Da ich in der Kristallographie promoviere, musste das einfach sein. Ich bin so ein Nerd.

Oben rechts: 666. The Number of the Beast. Der Projektname für die 660 Sechsecke in Stickgarn gebannt. Was wiederum einen Bogen zu Iron Maiden schlägt, zumal ich auch den Schriftzug vom gleichnamigen Album grob kopiert habe.

Untere Reihe: Die Rebellenallianz und das Galaktische Imperium brauche ich vermutlich nicht zu erklären. Obwohl Sioris und ich neulich festgestellt haben, dass ihre Mitbewohnerin keine Ahnung hat, wer Han Solo ist. Wir waren da doch leicht geschockt, dass sie den coolsten Schmuggler der gesamten Galaxis nicht kannte. Aber ich glaube, den Menschen die meinen Blog lesen muss ich nicht erklären, was Star Wars ist.

Dieser Post markiert außerdem das erste Mal, dass ich hier auf dem Blog ein Stück meines Gesichts zeige. Premiere!

Wolle statt Wacken

Musik: Kataklysm – Thy serpent’s tongue

Anfang August befand sich zum ersten Mal seit langem eine Lücke in meinem Terminkalender – Horatia fuhr aus mehreren Gründen dieses Jahr nicht nach Wacken. Es war besser so, auch wenn ich das jährliche Wattwandern beziehungsweise Staubschlucken (je nach vorherrschender Witterung) in Schleswig-Holstein doch vermisst habe. Aber zum Glück hat arte Concert einen Teil der Konzerte als Stream übertragen, sodass bei mir auch daheim ein bisschen Wacken-Gefühl aufgekommen ist. Das Reunion-Konzert von Savatage muss in voller Länge wirklich episch gewesen sein und auch von Sabaton war ich mal wieder sehr begeistert. Warum In Flames sich nun seltsames Hipster-Bartgestrüpp gezüchtet haben, hat sich mir allerdings nicht so ganz erschlossen.

Ich schrieb ja schon davon, dass ich für das Wachetreffen noch ein Strickprojekt brauchte, und habe mich schließlich für einen braunen Lace-Schal entschieden. Der Nachteil davon, seine Garderobe auf andere Farben als Schwarz auszuweiten besteht darin, dass das modebewusste Fräulein von Welt natürlich auch Accessoires in passenden Farben braucht, und einen braunen Schal vermisse ich schon seit Jahren. Also ran an die Nadeln bevor das Motto der Familie Stark wieder Wirklichkeit wird.

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Der Wollvorrat gab noch gut dreieinhalb Knäule Sockenwolle in verschiedenen Brauntönen her. Die kühler gefärbte Wolle ist noch ein Rest von dem Schal, den ich mal für meine Mutter zu Weihnachten gestrickt hatte (siehe hier), bei der wärmer gefärbten Wolle weiß ich selbst nicht mehr, was ich ursprünglich mal damit vorhatte. Und so soll das Ganze mal aussehen, wenn es fertig ist (natürlich nicht in rosa):

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Auf die Tasche und die Borte werde ich allerdings verzichten, da die Kombination von dehnbarem Gestrick und unelastischer Webware mich nicht sonderlich überzeugt. Aber das Praktische am selbst machen ist ja, dass Anleitungen lediglich Vorschläge sind und man letztendlich daraus machen kann, was man will.

Trotz hitzebedingter Strick-Unlust in den letzten Tagen bin ich mittlerweile schon mit Muster Nummer 2 von 7 durch. Ich verstricke die beiden Farben immer abwechselnd.

BraunerSchal3

Außerdem habe ich mich endlich mal daran gemacht, meine CD-Sammlung zu digitalisieren, und habe dabei einige schon fast vergessene Scheiben wieder zu Tage befördert, unter anderem meine allererste selbst gekaufte CD. Das war ‚Version 2.0‘ von Garbage. Es könnte schlimmer sein.

Trve Pillow of Steel

Musik: Manowar – Warriors of the World

Manowar. Der Heino des Heavy Metal. Kaum jemand gibt zu, sie zu hören, aber wenn irgendwo mal ein Lied von ihnen läuft, kennen trotzdem fast alle den Text. Hin und wieder gibt es Momente, da brauche ich einfach Manowar. Als ich 2002 im Bremer Planetarium jobbte, gab es nichts Schöneres als zwischen zwei Vorführungen beim Einstellen des Projektors einmal ‚Warriors of the World‘ durch die Boxen zu schießen – die Kuppel hat einfach eine Wahnsinnsakustik und das Damm-da-da-damm-da-da des Intros war da perfekt um einmal kurz das Hirn frei zu pusten bevor die nächsten Besucher kamen.

Nun hat sich der beste Manowar-Fan der Welt ein Wohnmobil gekauft und da konnte ich es nicht lassen, ein kleines Geschenk zum Einzug zu nähen, damit es gleich etwas wohnlicher wird. Also habe ich die Zähne zusammengebissen, 30 cm Stoff in einer ihrer Lieblingsfarben besorgt und mich ans Werk gemacht, und es entstand das rosa-lila Manowar-Kissen aus der Hölle. Das Blut der Schlacht auf meinem Schwert meiner Nähmaschine wird niemals trocknen.

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Der beste Manowar-Fan der Welt hat sich sehr gefreut.

Im Gelände vergessene Geologen-Arbeitsgeräte und anderes Schwermetall

Musik: Sepultura – Inquisition Symphony

Kein Handarbeits-Update diese Woche, weil ich zu ausgiebig mit Knieweich und Musik mit Metall drin beschäftigt war. Aber der Stoff für das nächste Projekt hängt schon auf der Wäscheleine. Und er ist schrecklich.

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Mittwoch:

Pünktlich um halb drei wurde ich von meiner Mitfahrgelegenheit eingesammelt und dank der Vorwarnungen meiner anderen Mitcamper, die schon vorgefahren waren und ewig im Stau standen, haben wir doch die gesperrte Route genommen und waren nach einer guten halben Stunde Schlange stehen auf dem Gelände. Von den Mittwochsbands interessierte mich keine sonderlich, deshalb chillte ich gemächlich mit meinen Leuten im Camp vor mich hin und kletterte aus einer plötzlichen Laune heraus mitten in der Nacht noch auf die Teufelsmauer, wo ich wie letztes Jahr wieder ein paar willige Opfer fand, die mit mir unter dem Gipfelkreuz den Bard’s Song sangen. Nachts war es sternenklar und ich konnte ohne das nervige städtische Streulicht endlich mal wieder Skorpion und Schütze beobachten – beziehungsweise zumindest die Teile die in unseren Breiten sichtbar sind.

Donnerstag:

Nachdem ich den Tag größtenteils im Windschutz des Zelts mit Making Money von Terry Pratchett verbracht hatte, waren Alestorm inklusive des wohl psychedelischsten Bühnenbilds des Festivals der erste Pflichttermin. Was wollten sie uns mit Bananen mit Entenköpfen vor regenbogenfarbenem Hintergrund wohl sagen? Was auch immer die rauchen, ich will auch was von dem Zeug. Nachdem diverse Piraten und ethanolhaltige Getränke abgefeiert wurden, haben der Tilmensch und ich uns Kakaklysm gegönnt. Gebrüll und Geschredder irgendwo zwischen Amon Amarth und In Flames – mir hats gefallen. Dann noch in Ruhe auf dem Zeltplatz ein Bier geholt und sich für das Highlight des Abends in Position gebracht. Hammerfall sind einfach Kult. Kitschiger Power Metal vom Feinsten, genau das, was ich manchmal einfach brauche. Und eine Band, die so durch ist, dass sie ein Musikvideo mit der schwedischen Curling-Damennationalmannschaft gedreht hat, muss man einfach mögen. Nach knapp anderthalb Stunden Abrocken habe ich dann gleich noch bei Fiddler’s Green weiter gemacht und bin danach ohne weitere größere Umwege direkt ins Zelt gekippt.

Freitag:

Dank bewölkten Himmels konnte ich ausgiebig ausschlafen, faulenzte noch etwas auf meinem Luxus-Feldbett herum und wurde schließlich von einem Aufschrei aus dem Zelt gelockt. Auf einem Festival auf dem Glasbehälter verboten sind werden Getränke gerne mal in Wasserflaschen umgefüllt. Selbiger Fakt endete damit, dass der Morgenkaffee des Camps seltsam auf der Zunge prickelte und schließlich zu der Erkenntnis führte, dass das Gebräu statt mit Wasser mit Wodka gekocht worden war. Das sind Festival-Legenden, die man sich noch Jahre später erzählt. Moist von Lipwig und ich verbrachten einen weiteren Nachmittag im Klappstuhl miteinander, bis die für mich wichtigste Band des Tages anstand: Coppelius. Ich bin ja extrem nörgelig was Bands betrifft, die auf Deutsch singen, aber Coppelius mag ich trotzdem. Erstens covern sie Lieder einer meiner absoluten Lieblingsbands aller Zeiten (auch wenn sie sich ausschließlich auf die Paul Di’Anno-Ära konzentrieren) und zweitens sind sie einfach schräg, ungewöhnlich und haben ein ausgefallenes Instrumentarium. Und mit krankem Scheiß mit Steampunk-Appeal kriegt man mich fast immer. Leider war das Konzert viel zu kurz. Magere 40 Minuten sind einfach nicht genug um die Genialität von Coppelius voll zu genießen. Auch wenn sie mit ‚Charlotte the Harlot‘ und ‚Killers‘ the closest I could get to Maiden on this Festival gebracht haben. Den Rest des Abends haben der Tilmensch und ich uns dem Geknüppel gewidmet. Biohazard waren echt nicht schlecht und und in Fear Factory haben wir einen neuen Freund gefunden. Brüllen, zertrümmern und weg, gepaart mit epischem Keyboard. Da muss ich mich dringend mal genauer einhören. Die Schandmaul-Pause zwischendurch habe ich genutzt um die Bestückung meiner Kutte weiter zu vervollständigen. Den ganz bestimmten Hammerfall-Patch den ich unbedingt haben wollte habe ich zwar nicht bekommen, aber dafür kann ich Kreator, Judas Priest und Megadeth nun von meiner Shoppingliste streichen. Nun fehlen von meinen wirklich dringenden Parchbedürfnissen ’nur‘ noch Hammerfall (siehe oben), Turisas (da habe ich mich auch schon auf einen ganz bestimmten Patch eingeschossen) und Sabaton. Und wenn ich im Internet auch nicht kriege, was ich will, muss ich halt wie bei Slayer wieder selbst sticken. Wie ich von meinen Freunden gehört habe, soll Schandmaul nicht so wirklich der Bringer gewesen sein. Ein Sänger der ein Lied mittendrin abbricht, weil ihm das Mineralwasser nicht still genug war – Das ist sowas von überhaupt kein Rock’n’Roll! Hammerfall haben sich nicht mal mit Mineralwasser aufgehalten sondern sich gleich auf das Good German Beer gestürzt. Das ist eh eine Konstante bei skandinavischen Metalbands von Amon Amarth bis Sabaton – Sie alle sind dem hiesigen Angebot geistiger Getränke sehr zugetan. Wie beim RockHarz 2008, als Turisas sehr glücklich waren, die von Alestorm ein Konzert vorher zurückgelassene Rumflasche auf der Nebenbühne zu finden. Nach Fear Factory saß ich noch mit meinen Mitcampern unter unserem Pavillon herum, verkostete von Flo selbstgebrauten Met, brachte ihnen bei, wie man unanständige Lieder über Zwerge und Gold singt und entdeckte die Dixihütte des Grauens. Und es war kalt. Arschkalt.

Samstag:

Als ich aufwachte war es warm im Zelt und die Wände bewegten sich kaum noch. Vorsichtig spähte ich aus der Frontklappe und eine Hitzewelle wallte mir entgegen. Der Wind, der bisher für eine empfindliche Kälte gesorgt hatte (nicht umsonst heißt es, dass es an der Uni Clausthal-Zellerfeld zwei Wintersemester gibt), war weg. Und es war brütend heiß. Aber es gab meine sehr voraussichtigen Freunde und ein plötzlich auftauchendes Arsenal von Wasserpistolen großkalibriger Bauart. Abgesehen davon, dass eine schlecht gezielte Salve den Showdown zwischen Moist von Lipwig, Lord Vetinari und Cosmo Lavish mit ein paar Sprenkeln verziert hat, war die regelmäßige Abkühlung sehr angenehm, und so faulenzten mein Klappstuhl, mein Buch und ich einen weiteren Festival-Nachmittag vor uns hin. Der erste Pflichttermin des Tages war Soulfly, oder auch Sepultura 2.0. Nach  Refuse/Resist und Roots Bloody Roots war meine Stimme schon ziemlich hinüber und wenn sich herausstellt, dass Vater und Sohn mittlerweile in der gleichen Band spielen, sprich das schon definitiv für die Wichtigkeit der elterlichen Erziehung zum Hören anständiger handgespielter Musik. Bei Cradle of Filth haben dann alle meine tapferen Krieger des Metalls die Waffen gestreckt und und ich war die last (wo)man standing. Eigentlich wollte ich sie mir nur wegen des Gothic-Trash-Unterhaltungsfaktors anschauen, aber als sie dann mit einem der drei Lieder eröffneten die ich tatsächlich kannte, hatten sie mich irgendwie. Cthulhu Dawn. Ein Lied, das ich vor langer Zeit mal in der glorreichen Zeit der Tauschbörsen heruntergeladen hatte, als ich an einer gewissen Geschichte namens ‚Der Hexer‘ arbeitete. Auch wenn sie manchmal etwas stressig nach japanischem Visual Kei klangen, war ich von der Dreckswiege echt sehr positiv überrascht. Sie haben diese kitschige Gothic-Horror-Stimmung einfach wunderbar rüber gebracht. Danach habe ich mich mit meinen Leuten wieder bei Dream Theater getroffen, aber mit denen bin ich nicht wirklich warm geworden. Zu viele seltsame Tempowechsel um auch ohne tiefere Songkenntnis abrockbar zu sein und irgendwie fehlte mir einfach das Besondere, das heimliche Epische, das, was einer Band den Weg in meinen Gehörgang ebnet. Aber zum Glück gab es zum Abschluss noch Trollfest, auch wenn ich dieses Konzert wieder alleine bestreiten musste. Man stelle sich Korpiklaani in noch etwas schräger vor. Ein Haufen bekloppter Skandinavier die in Laborkittel gekleidet auf eine Mischung aus klassischen und Metal-Instrumenten (unter anderen ein Saxophon) einprügeln und dabei auch noch ein Lied von Britney Spears (!) in eine 1a Schredder-Folk-Metal-Nummer umwandeln haben mir auch die letzte während Dream Theater in die Knochen gekrochene Kälte wieder ausgetrieben. Um wiederum einen Bogen zu einem meiner früheren Posts bezüglich Sport zu schlagen – Ich habe Soulfly und Cradle of Filth auch mit einem Alter über 30 ohne Konditionsprobleme mehr oder weniger in einem Stück durchgetanzt und anschließend noch Trollfest drangehängt. Auf den Highway to Hell mit ritualisiertem Fitnesssttudio-Gehüpfe. Danach habe ich mich zurück ins Camp begeben, noch mein Gute-Nacht-Bier mit der Gang getrunken und war dank des vorsorglich um meine Beine gewickelten Lace-Monsters auch nicht ganz so durchgefroren wie am Abend zuvor.

Sonntag ging es wieder zurück in die Zivilisation und kurz vor meiner Heimatstadt fing es an zu regnen. Etwas wehmütig räumte ich am Abend nach einer ausgiebigen heißen Dusche die Campingausrüstung weg und trank dabei die letzten beiden Dosen Bier. Bis auf die für viele Leute chaotische und langwierige Anreise war es mal wieder ein sehr schönes Festival.

Die Tasche hat sich übrigens hervorragend bewährt, sowohl am Gürtel als auch an den Trageriemen.

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